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18. September 2014

Gipfeltreffen der Weltmarktführer erfolgreich

In Schwäbisch Hall fand vom 29. bis zum 30. Januar das jährliche Treffen der Weltmarktführer und derjenigen, die es noch werden wollen, statt. Mit rund 450 Teilnehmern, darunter viele Chefs von Familienunternehmen, zählt die Veranstaltung zu den erfolgreichen im Reigen der Unternehmerkongresse. Das Motto „Weltmarktführer werden und bleiben“ macht deutlich, worum es geht: „Von den Besten lernen“, wie es Mitorganisator und Initiator Dr. Walter Döring beschreibt.

Für freie Handelsbeziehungen

Doch wer an diesem Morgen von den Besten lernen wollte, brauchte etwas Geduld, denn erster Redner nach der Begrüßung durch die Veranstalter und den Gastgeber war kein Weltmarktführer, sondern der Vertreter einer Weltmacht, der Botschafter der Vereinigten Staaten von Amerika, John B. Emerson. Ihm ging es nicht darum, zu erläutern, wie die USA zu ihrer führenden Position im Reigen der Staaten kamen, sondern ihm ging es um die Transatlantische Handels- und Investitionspartnerschaft (THIP) zwischen den USA und Amerika, die gerade verhandelt wird. Der Botschafter versuchte, seine Zuhörer für eine „transatlantische Partnerschaft des 21. Jahrhunderts“ zu begeistern, die aktuelle Herausforderung schlechthin, denn schließlich gehe es heute nicht mehr um Megatonnen, sondern um Megabytes. Und das sei viel viel größer als die NSA-Affäre. „Wir müssen uns darüber klar werden, was auf dem Spiel steht und was wir tun wollen“, sagte Emerson. „Die USA und die EU sind zusammen verantwortlich für 40 Prozent des Welthandels und für fast 50 Prozent des globalen Outputs. Das Freihandelsabkommen ist nicht nur für die großen Konzerne positiv, sondern auch für den Mittelstand und Familienunternehmen.“

Airbus Group: Überflieger

Dr. Thomas Enders, CEO der Airbus Group zeigte sich selbstbewusst: „Wir sind Weltmarktführer im zivilen Flugzeugbau und bei Helicoptern und die Nummer drei in der Raumfahrt.“ Ob man nun zwei Aufträge mehr oder weniger habe als der Konkurrent Boeing, interessiere eigentlich nicht, denn seit zehn Jahren sei man mit Boeing immer etwa gleichauf. 2013 habe man 626 Flugzeuge mit über 100 Sitzen ausgeliefert, 1.600 neue Bestellungen lägen vor. „Damit haben wir eine Auftragsreichweite von etwa acht Jahren“, sagte der Airbus-Chef – eine andere Dimension für die meisten Gäste. Der Luftverkehr verdopple sich alle 15 Jahre, sagte Enders. In den nächsten 20 Jahren werde er um etwa 4,7 Prozent pro Jahr wachsen. Das bedeute viele neue Flugzeuge, aber auch neue Akteure auf dem Markt, zum Beispiel aus China. Die Luftfahrtindustrie habe inzwischen viel von der Autoindustrie gelernt. Die Airlines wollten kostengünstige Maschinen, also müssten Produktion, Montage und Entwicklung weiter internationalisiert werden, damit man näher an den Märkten sei.

Stihl: Strategie eines Familienunternehmens

Der Motorsägenhersteller Stihl aus Waiblingen zählt zweifellos ebenfalls zu den Weltmarktführern. Der Vorstandsvorsitzende Dr. Bertram Kandziora stellte ein Familienunternehmen vor, das durch Nachhaltigkeit, Kundennähe und Innovation geprägt ist. „Der kurzfristige Erfolg zählt für uns fast gar nichts, der langfristige dagegen sehr viel“, sagte er. Die Fertigungstiefe bei Stihl liegt bei über 50 Prozent und reicht bis zum eigenen Sondermaschinenbau. „Das bringt uns Know-how, Versorgungssicherheit, Rendite, Produkt- und Kostenvorteile“ sagte Kandziora. Bei einer Eigenkapitalquote von 68 Prozent habe das Unternehmen außerdem die Freiheit, nach eigenem Gutdünken zu investieren.
(Ein ausführliches Interview mit Dr. Bertram Kandziora finden Sie hier.)

Und man braucht sie doch

Der Vormittag ging zu Ende mit einem Vortrag von Wolfgang Kirsch, Vorstandsvorsitzender der DZ Bank AG. „Braucht der Mittelstand noch die Banken?“ fragte Kirsch. Die Unternehmen seien umworben wie noch nie, sagte der Vorstandsvorsitzende. Die Finanzierungsbedingungen seien günstiger denn je, doch die Unternehmen würden sie nicht nutzen. „Die Unternehmen haben die Tenne gefegt und ihr Eigenkapital erhöht“, sagte Kirsch. „Andererseits sind nur 0,3 Prozent der deutschen Unternehmen kapitalmarktfähig.“ Er gab zu, dass es durch die Finanzkrise „Vertrauens- und Kompetenzverluste“ gegeben habe. Hinsichtlich der weiteren wirtschaftlichen Entwicklung zeigte sich Kirsch zuversichtlich. Der Aufschwung komme. Und natürlich müsse der Aufschwung finanziert werden. Die Banken spielten dabei in Deutschland nach wie vor die größte Rolle. Bei den Zinsen sieht Kirsch die Talsohle erreicht. „Sichern Sie sich Ihre Zinsen jetzt langfristig“, empfahl er. Ab 2015/2016 könnten auch Anleger wieder mit bescheidenen Renditen rechnen.

Nach der Mittagspause warteten auf die Teilnehmer des Gipfeltreffens weitere Vorträge. Klaus Eisert, geschäftsführender Gesellschafter der Phoenix Contact GmbH & Co. KG, Detlef Borghardt, CEO und Vorsitzender der Geschäftsführung der SAF-Holland GmbH, und Dr. Rolf Hollander, Vorstandsvorsitzender der CEWE Stiftung & Co. KGaA, begeisterten ihre Zuhörer durch spannende Berichte aus ihren Unternehmen. Sie sprachen über Erfolge und Niederlagen, über Krisen und ihre Bewältigung. Unternehmer und Borussia Dortmund-Chef Hans-Joachim Watzke, faszinierte seine Zuhörer mit der Geschichte von der Rettung des Bundesligisten aus finanziellen und sportlichen Nöten.

Dr. Eric Schweitzer, Präsident des DIHK e.V. und Chef der Alba-Gruppe, ging mit der Politik hart ins Gericht. Bei den vier entscheidenden Themen – Steuern, Fachkräfte/Demografie, Energiewende und Infrastruktur – würde die Politik versagen. Schweitzer mahnte zu Ausgabendisziplin und sagte, er hoffe, dass die Regierung nur 20 Prozent ihrer Absichten umsetzen werde. Dabei sah er sich mit Roland Tichy, Chefredakteur der „Wirtschaftswoche“ einer Meinung, der sagte: „Das Gute ist: Wir haben eine Regierung. Das Schlechte ist: Sie regiert wirklich.“

Text: Andrea Przyklenk/Fotos: Hendrik Fuchs

Am Abend des ersten Gipfeltages wurde der Würth Future Champion Award verliehen.

EU-Kommissar Günther H. Oettinger sprach auf dem Gipfel.

Gipfeltreffen: Von den Besten lernen, wie man Krisen meistert.