Aktuelles
10. September 2014

Mit Optimismus und Besorgnis ins neue Jahr

Der Neujahrsempfang des Wirtschaftsrats der CDU ist ein Stimmungsbarometer für das gerade begonnene Jahr. In diesem Jahr wurde die Stimmung der fast 400 Gäste aus Unternehmen und Familienunternehmen in Rauschenbergers „Goldbergwerk“ in Fellbach nur durch die politischen Entscheidungen in Berlin und Stuttgart getrübt. Dr. Ulrich Zeitel, Vorsitzender des Landesverbands Baden-Württemberg und Mitglied des Präsidiums, fasste das Unbehagen in Worte: „Die Politik setzt Rahmenbedingungen, die zu übertriebener Gängelung der Unternehmen führen. Die Leitlinien sind zu eng. Der Wirtschaftsrat wurde nicht gehört.“

In dieselbe Kerbe hatte schon Joachim Rudolf, Sprecher der Sektion Stuttgart und stellvertretender Landesvorsitzender, geschlagen. Er sprach von den „Ausfällen in Berlin: Merkel kann nicht laufen, Gabriel kann vor Kraft kaum laufen.“ Die Politik in Baden-Württemberg werde durch Schulden und Stillstand bestimmt. Stuttgart habe einen Oberbürgermeister, der sich unter anderem anmaße, über die Größe von Wohnungen zu entscheiden. Statt die Grundsteuer zu senken, wie es die Bürger forderten, gebe er 10,6 Millionen Euro für ein Jobticket aus. Rudolf versprach, der Wirtschaftsrat werde sich in den anstehenden Kommunal- und Regionalwahlen stark engagieren.

Thema soziale Marktwirtschaft

Höhepunkt des Abends war der Vortrag von Dr. Manfred Bischoff, Vorsitzender des Aufsichtsrats der Daimler AG, zum Thema „Soziale Marktwirtschaft heute“. Auch wenn er sich den Bezug zu aktuellen politischen Entscheidungen weitgehend sparte, zeigte Dr. Bischoffs Vortrag, dass die derzeitige Entwicklung in Deutschland nicht mehr viel mit sozialer Marktwirtschaft zu tun hat, sondern sich immer weiter von den von der Freiburger Schule gelegten Grundlagen entfernt. Soziale Gerechtigkeit, Staatsquote, Wettbewerb, Mindestlohn und Globalisierung waren nur einige der Stichworte, die er in seinem Vortrag aufnahm. In seinem Schlusswort mahnte er: „Es liegt an uns allen, ob es uns gelingt, das in der Vergangenheit so erfolgreiche Modell in die Zukunft zu transferieren.“

Mehr Mut

Im Anschluss an den Vortrag von Dr. Bischoff wurden die Jubilare geehrt. Einer von ihnen war Till Casper, Geschäftsführer der Karl Casper GmbH & Co. KG in Remchingen, der auf 45 Jahre Zugehörigkeit zum Wirtschaftsrat zurückblicken konnte. Er erzählte von seinem Eintritt in die CDU: „Das war 1966 im Hinterzimmer einer Wirtschaft in Ispringen. Dort sagte ein angereister Staatssekretär zu mir, dass es schlecht um Deutschland bestellt wäre, wenn junge Unternehmer sich nicht engagieren würden. Der Staatssekretär war Helmut Kohl.“ Im Hinblick auf die aktuelle Politik sagte Casper: „Es ist einen Unverschämtheit, was auf dem Rücken der jungen Generation gemacht wird. Wir müssen junge Leute ermutigen, sich zu engagieren.“

Besondere Location

Erwähnenswert in diesem Jahr ist die Location, in der der Neujahrsempfang 2014 stattfand, denn das „Goldbergwerk“ der Rauschenberger Gastronomie ist nicht nur wunderbar restauriert worden, sondern stellt auch ein Stück regionaler Unternehmensgeschichte dar. Wo heute gefeiert, gelernt und gearbeitet wird, wurden früher Druckgussteile der Firma Mahle gefertigt. Auf das damalige Werk und auf die Fellbacher Weinlage Goldberg weist der neue Name hin. „Es war für uns eine erhebliche Investition“, sagte Familienunternehmer Jörg Rauschenberger. „Dazu brauchte es Mut und ein bisschen Gottvertrauen.“ Um sein Vertrauen in die Große Koalition sei es nicht so gut bestellt. Da habe er eher Magenschmerzen.

www.wirtschaftsrat.de

Tipp: Einmal im Jahr, in diesem Jahr vom 22. Februar bis 2. März, öffnet sich das Goldbergwerk für „Rauschenberger’s Supper Club“ – kein Restaurant, sondern „eine flüchtige Erscheinung für ein neugieriges Publikum“.

www.popup-restaurant.de