Aktuelles
13. September 2014

Optimistisch ins neue Jahr

Unternehmer und Bankenvertreter zeigten sich beim Neujahrsempfang der Deutschen Bank in Stuttgart optimistisch für das gerade begonnene Jahr. Zu dem Empfang kamen um die 700 Gäste, unter ihnen zahlreiche Eigentümer und Geschäftsführer von Familienunternehmen. Thomas Keller, Sprecher der Geschäftsleitung der Bank in Stuttgart, ließ das vergangene Jahr Revue passieren und schaute ins neue Jahr. Jürgen Fitschen, Co-Vorsitzender des Vorstands äußerte sich zwar nicht zu den jüngsten Verlusten und Risiken durch diverse Rechtsstreitigkeiten und Überprüfungen, aber zu den Aussichten und Erwartungen für 2014 und zum Umbau der Bank.

Optimistisch gaben sich die Bankmanager nicht nur im Hinblick auf das eigene Haus, sondern auch hinsichtlich der Aussichten für die mittelständische Wirtschaft. Keller bezeichnete die Grundstimmung als „sehr positiv“. Der Aktienmarkt boome, die Exporte würden steigen, die Binnennachfrage werde angekurbelt und die Bautätigkeit sei gut. „Wir in Württemberg müssten besonders von der Aufbruchstimmung profitieren“, sagte der Bankier. Die positive Grundstimmung zeige sich auch an einer sprunghaft gestiegenen Nachfrage nach Krediten und Fördermitteln. In Bezug auf die Deutsche Bank machte Keller deutlich, dass das Institut im abgelaufenen Jahr seine Stellung als die Auslandsbank verteidigt habe. „Wir öffnen das Auslandsgeschäft für den breiten Mittelstand“, sagte Keller weiter. „Keine deutsche Bank ist so global wie wir und keine globale Bank ist so deutsch.“ Die Neuausrichtung der Bank, die Verknüpfung des Privat- mit dem Firmenkundengeschäft sieht der Manager sehr positiv. Der Wandel würde bereits erste Früchte tragen.

Stresstest muss Vertrauen zurückbringen

Fitschen teilte den Optimismus seines Kollegen. Man müsse dennoch sehen, dass Europa ein ganz besonderes Jahr bevorstehe. Das Ende der Krise sei noch nicht erreicht und „wir wissen noch nicht, welches Europa wir anstreben“, sagte Fitschen. „Immerhin wissen wir schon, dass wir unsere Probleme nicht alleine lösen können.“ Der Vorstand betrachtet die wachsende Regulierung in Europa mit Sorge, das gelte auch für die Finanzmärkte. Man müsse eine Balance zwischen notwendiger Kontrolle und Überregulierung finden. Mit der Bankenunion werde es jetzt ernst. Außerdem würden aktuell die 130 größten Banken in Europa hinsichtlich ihrer Bilanzen und ihres Eigenkapitals überprüft. Wie unsicher die Prognosen über den Ausgang der Tests seien, zeigten Berichte in den Medien: „In der einen Zeitung wird von einer Lücke von 3,5 Milliarden Euro gesprochen, in der anderen ist die Rede von 435 Milliarden Euro. Die Lücken müssen auf jeden Fall schnell gestopft werden.“

Der Stresstest, dessen Ergebnisse im November 2014 vorliegen sollen, müsse glaubwürdig sein und dürfe keine Zweifel mehr offenlassen, forderte Fitschen. „Wir brauchen Zugang zu Krediten, um damit Wachstum zu finanzieren“, sagte der Vorstand. „In Europa finanzieren sich die Unternehmen zu 70 Prozent über Bankkredite, in den USA nur zu 30 Prozent.“ Fragen müsse man auch, wie es mit der Staatsverschuldung in Europa weitergehe und mit den daraus resultierenden Verlusten der Banken. „Wir werden auf Jahre hinaus in dem Dilemma stecken, dass wir zwar Kredite für Wachstum brauchen, aber auch die Entschuldung vorantreiben müssen.“ Irland entwickle sich wieder positiv und auch in Griechenland gebe es zum ersten Mal einen Überschuss im Primärbudget. Dafür zahle die Bevölkerung jedoch einen hohen Preis, was großen Unmut hervorrufe.

Eingeladen mitzumachen

Das Wachstum wird 2014 nach Ansicht von Fitschen größtenteils aus den westlichen Ländern kommen und nicht aus den Schwellenländern. Die Zweifel an China, Indien und der Türkei würden aktuell wachsen. In Bezug auf China sei allerdings klar, dass man mit wachsendem Einfluss des Landes rechnen müsse. In China werde öffentlich ein neues Wachstumsmodell diskutiert. Ende letzten Jahres seien Strukturveränderungen eingeleitet worden, die die Konsumnachfrage im Inland unterstützen sollen. Fitschen prognostizierte, der Renminbi werde die Währung, auf die es in Asien künftig ankomme. „Wir sind eingeladen mitzumachen in dem Rahmen, den man uns vorgibt“, sagte er bezüglich der Chancen. „Die Deutsche Bank steht ihren Kunden mit ihrem Know-how zur Verfügung, wenn in dieser Währung fakturiert werden muss.“

Kulturwandel ist ernst gemeint

Der Kulturwandel bei der Deutschen Bank sei Ergebnis eines intensiven Diskussionsprozesses“, sagte Fitschen. „Daraus entstand ein Wertekanon, der nichts Sensationelles verspricht, im Gegenteil, wir haben alte Werte wieder entdeckt. Entscheidend wird jedoch die Umsetzung sein. Das geht nicht über Nacht.“ Der Manager gab zu, dass man noch mit den „Schmerzen der Vergangenheit“ zu tun habe, die immer wieder „Bremsspuren“ hinterlassen würde, aber man sei zuversichtlich, auf dem richtigen Weg zu sein. „Das vierte Quartal 2013 war nicht zufriedenstellend, aber das ist der Preis, den wir dafür zahlen, dass wir uns wandeln“, gab Fitschen zu. „Wir stehen weiter zu unserem Konzept einer global orientierten Universalbank. Der globale Anspruch ist jedoch nur realisierbar über eine sehr gute Aufstellung im Heimatmarkt.“