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24. Oktober 2014

Lapp-Gruppe auf Zukunftskurs

Das Geschäftsjahr 2012/2013 lief für die Lapp-Gruppe, führender Anbieter von integrierten Lösungen und Markenprodukten im Bereich der Kabel- und Verbindungstechnologie, nicht ganz so positiv wie erwartet, aber durchaus zufriedenstellend. Andreas Lapp, Vorstandsvorsitzender der Lapp Holding AG bekannte bei der Jahrespressekonferenz: „Ich schlafe dennoch gut, denn wir sind für die Zukunft gut aufgestellt.“

Das Familienunternehmen erwirtschaftete im zum 30. September 2013 abgelaufenen Geschäftsjahr einen Umsatz von 830 Millionen Euro (im Vorjahr 860 Millionen Euro). Das Ergebnis vor Steuern betrug 35,5 Millionen Euro und hat sich damit im Vergleich zum Vorjahr um 18,8 Millionen Euro vermindert. Gleichzeitig stieg die Eigenkapitalquote auf 54,3 Prozent. Die Zahl der Mitarbeiter stieg leicht auf rund 3.200 Beschäftigte.

Andreas Lapp machte für die verhaltene Entwicklung im Geschäftsjahr 2012/2013 die weiterhin schwache europäische Konjunktur verantwortlich sowie den Rückgang des Kupferpreises. Da der aktuelle Preis eines Kabels immer auf Kupferbasis berechnet wird, sinken bei einem fallenden Kupferpreis automatisch die Umsätze. Außerdem habe das Stuttgarter Unternehmen weltweit 26,2 Millionen Euro investiert und sich so in wichtigen Wachstumsmärkten in Position gebracht. In China wurde das erste eigene Produktionswerk in Shanghai in Betrieb genommen. In Korea wurde das bestehende Werk um modernste Produktionsanlagen erweitert. In Brasilien steht das erste eigene Produktionswerk kurz vor der Fertigstellung. Die Produktion soll im April starten. Für das Geschäftsjahr 2013/2014 rechnet Andreas Lapp mit einem stabilen Wachstum. Wesentliche Umsatzsteigerungen werden vor allem in Asien und Amerika erwartet.

Am Menschen orientiert

An der Unternehmensspitze gibt es Verstärkung. Vorstand Siegbert Lapp steht seit kurzem als Chief Technical Officer Georg Stawowy zur Seite. Für Finanzen und Controlling zeichnet künftig Andreas Hermann verantwortlich. Vorstand Werner Knies, viele Jahre als Finanzvorstand tätig, kümmert sich um den Bereich Human Ressources und Organisationsentwicklung. „Wir wollen mit der Schaffung dieses Bereichs zeigen, dass es uns um Menschen, um ein am Menschen orientiertes Ergebnis geht.“ Deshalb sei es auch keine Option gewesen, das schlechtere Ergebnis des Geschäftsjahrs 2012/2013 auf dem Rücken der Mitarbeiter aufzufangen. „Wir haben sogar neue Mitarbeiter eingestellt“, betonte Knies. „Selbstverständlich bilden wir auch nach wie vor aus.“ Andreas Lapp ergänzte mit Blick auf Industrie 4.0: „Bei der Aufstellung für die Zukunft, spielt der Umsatz im Moment nicht die entscheidende Rolle. Wir wissen nur: Wir müssen dabei sein. Und Menschen spielen die wichtigste Rolle. Sie können kreativer sein, wenn sie eine hochwertigere Ausbildung haben. Dadurch haben wir als Europäer gute Chancen auf dem Weltmarkt.“

Einig sind sich die Lapp-Vorstände darüber, dass sich die Berufsbilder ändern. Das Spektrum sei schon jetzt viel breiter als früher. Es gebe zunehmend hochwertige Tätigkeiten. „Die Schulverwaltung muss sich darauf einstellen, jeden einzelnen Schüler zu fördern und aus jedem Schüler das Beste herauszuholen“, mahnte Andreas Lapp. „Wir nutzen schon jetzt alle Möglichkeiten. Denn die Vorstellung, dass einmal Roboter alles übernehmen und wir uns bequem im Sessel zurücklehnen, ist ein Traum“, sagte der Vorstandsvorsitzende. „Vor zehn Jahren haben wir in fünf Berufen ausgebildet, heute sind es schon 18.“ Knies sagte, Lapp spare nicht an Menschen. „Wir fördern unsere Mitarbeiter und geben jungen Menschen eine Chance. Das ist Unternehmenspolitik.“

Lapp setzt auf 4.0

Der Vortrag von Siegbert Lapp mit dem Titel „Flexible Fertigung durch Plug & Produce“ zeigte, wie sich das Familienunternehmen die Zukunft vorstellt und dafür bereits seit längerem die Weichen stellt. Siegbert Lapp umriss, wie die vierte industrielle Revolution die Fabriken verändert: „Maschinen, Anlagen und Geräte werden intelligent, indem man sie über das Internet der Dinge miteinander verbindet. Die so entstehenden cyber-physischen Systeme bilden die Grundlage der intelligenten Fabrik von morgen. Deren Vision: maximale Flexibilität und wirtschaftliche Fertigung mit Losgröße eins.“ Technik, Produktion, Entwicklung, Zulieferer, Hersteller, Kunden – alles werde vernetzt. Letztlich könne dann der Maschinenbauer standardisierte Module je nach Kundenwunsch flexibel und individualisiert zusammenstellen und mit den Daten füttern, die sie für die Produktion benötigten. Dazu sei der Austausch großer Datenmengen nötig. Und überall wo Daten ausgetauscht würden, brauche man Kabel. Plug & Produce sei jedoch nur möglich, wenn eine Netzwerkleitung nicht mehr im Schaltschrank ende, sondern weitergeführt werde, zum Beispiel direkt bis zum Motor in einer Maschine selbst.

„Für die Hersteller von Verbindungstechnik bedeutet das, dass sie Leitungen, deren Einsatz bislang vor allem in Büroumgebungen üblich war, nun für industrielle Anwendungen fit machen müssen“, erklärte Siegbert Lapp. „Die Leitungen müssen unter anderem einer höheren mechanischen Beanspruchung, extremen Temperaturen, Vibration und Schmutz, eventuell aggressiven Medien standhalten. Eine zusätzliche Anforderung an Ethernet-Leitungen im Industrieeinsatz besteht in der Abschirmung gegenüber wesentlich stärkeren EMV-Einflüssen (elektromagnetische Verträglichkeit).“ Siegbert Lapp hat keinen Zweifel daran, das „die bestimmende Entwicklung der nächsten Jahre in der deutschen Industrie die zunehmende Vernetzung innerhalb der Produktionsanlagen und die damit einhergehende Flexibilisierung der Fertigung sowie die zunehmende Individualisierung der Produktvarianten“ sein wird.

Die Lapp-Gruppe beteiligt sich deshalb an Forschungsprojekten und engagiert sich in der Technologie-Initiative „SmartFactoryKL“ des Deutschen Forschungszentrums für Künstliche Inteligenz, eine Demonstrationsfabrik im Labor. „Wir bieten bereits heute Lösungen für die moderne Fabrik an“, betonte Siegbert Lapp und verwies unter anderem auf die speziellen Ethernet-Kabel für den Einsatz im industriellen Umfeld und Kabel mit integrierten RFID-Chips inklusive Sensorik. „Wir wissen, weshalb wir im vergangenen Geschäftsjahr weniger Gewinn gemacht haben: vor allem wegen Investitionen in die Zukunft“, sagte Andreas Lapp.