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17. Oktober 2014

Studie: Familienunternehmern sind Mitarbeiter besonders wichtig

Zwischen Familienunternehmern und Geschäftsführern von Nicht-Familienunternehmen bestehen bezogen auf die Motivlage der Unternehmensführung signifikante Unterschiede. Familienunternehmer agieren mitarbeiterorientierter und fokussieren stärker soziale Ziele als die Lenker von Nichtinhabergeführten Firmen. Zu diesem Ergebnis kommt die Studie „Soziales Wesen oder kalter Zahlenmensch“ des Instituts für Mittelstandsforschung der Universität Mannheim. Die repräsentative Untersuchung im Auftrag der Stiftung Familienunternehmen sollte herausfinden, wie nahe beide Gruppen dem Konzept des „homo oeconomicus“ stehen, der für sich Nutzen und Gewinn maximiert.

In der Befragung gaben 92,2 Prozent der Familienunternehmen an, es sei eher beziehungsweise äußerst wichtig, ihren Mitarbeitern einen sicheren Arbeitsplatz zu bieten, aber nur 76,5 Prozent der Nicht-Familienunternehmen. 59,7 Prozent der Familienbetriebe, jedoch nur 43,7 Prozent der Nicht-Familienunternehmen unterstützen karitative oder sportliche Aktivitäten, Vereine oder Stiftungen. In ihrer Gewinnorientierung oder Risikobereitschaft unterscheiden sich die beiden Gruppen dagegen kaum. „Familienunternehmen sind offensichtlich anders. Sie verfolgen ihre wirtschaftlichen Ziele auf eine gesellschaftlich verträglichere Art und Weise als Nicht-Familienunternehmen“, sagt Prof. Rainer Kirchdörfer, Vorstand der Stiftung Familienunternehmen. Prof. Michael Woywode, einer der Autoren, ergänzt: „Die Familienunternehmen kommen dem ‚Good Corporate Citizen‘ nahe, der eher verantwortlich und im Sinne der Gesellschaft handelt.“

Erbschaftsteuer fehlt es an Akzeptanz

Im Rahmen der Studie wurde auch das Thema Besteuerung näher beleuchtet. Rund 90 Prozent der befragten Entscheider beider Unternehmenstypen gaben an, dass es sehr wichtig oder wichtig sei, Steuern zu zahlen, um die staatliche Handlungsfähigkeit zu gewährleisten. Ebenfalls 90 Prozent halten es für eine moralische Verpflichtung, Steuern zu zahlen. 63 Prozent sind weiter der Meinung, dass man bereit sein müsse, seinen Beitrag zum Gemeinwesen zu leisten, auch wenn andere mehr staatliche Leistungen in Anspruch nähmen. „Diese Befragungsergebnisse zeigen, dass es um die Steuermoral in großen Teilen der Wirtschaft besser bestellt ist als immer wieder behauptet“, merkt Kirchdörfer an.
Als höchst ungerecht jedoch bewerten die Verantwortlichen von Familienunternehmen und Nicht-Familienunternehmen die Erbschaftsteuer. Weniger als 17 Prozent der Befragten halten sie für eher oder sehr gerecht. 47,1 Prozent der Familienunternehmer und 45,3 Prozent der Nicht-Familienunternehmer halten sie hingegen für ungerecht beziehungsweise sehr ungerecht. Abgelehnt wird diese Form der Substanzbesteuerung vor allem von Unternehmen, die vor 1945 gegründet wurden, sowie von solchen, die in den vergangenen Jahren eine Unternehmensnachfolge vollzogen haben oder in den nächsten Jahren planen. Die Studie belegt nach Ansicht der Autoren auch, wie gut die Bundesregierung daran tut, auf Vermögensteuern zu verzichten. Die Befragung zeigt, dass eine Vermögensteuer gerade von den Unternehmen abgelehnt wird, die soziales Engagement freiwillig und nicht ökonomisch motiviert betreiben. Zudem würde fast ein Viertel der Familienunternehmen im Fall einer jährlichen Vermögensteuer von ein oder 1,5 Prozent eine Verlagerung ins Ausland in Betracht ziehen, ein gemessen an der regionalen Verankerung der Firmen sehr hoher Wert.

Die Stichprobe für die Befragung umfasste 587 Interviews mit Inhabern beziehungsweise Geschäftsführern von Familienunternehmen sowie mit Geschäftsführern bei Nicht-Familienunternehmen jeweils in der Größenklasse von mehr als 50 Mitarbeitern. 44,12 Prozent davon sind Familienunternehmen.

Die Studie „Soziales Wesen oder kalter Zahlenmensch“ gibt es hier als kostenlosen Download.