Aktuelles
4. November 2014

Deutsche Bank setzt auf Nähe und Vertrauen

Neben vielen Zahlen über das Geschäftsjahr 2013 in Stuttgart versuchte Thomas Keller, Sprecher der Geschäftsleitung Stuttgart und Regionsleiter Firmenkunden Württemberg der Deutschen Bank, bei seinem Gespräch mit Journalisten vor allem eins zu vermitteln: Die Deutsche Bank arbeitet an sich. Ein Kulturwandel findet statt. Unumwunden gab er zu, dass in den letzten Jahren „viel Porzellan zerschlagen“ worden sei, aber „wir haben hier vor Ort für unsere Kunden viel erreicht“ und nach wie vor sei die Kunde-Berater-Beziehung die entscheidende und erfolgskritische Größe.

Das Internet könne längst nicht alle Bedürfnisse der Bankkunden abdecken. Filialen und Beratung von Angesicht zu Angesicht seien ebenso notwendig wie Online Banking. Eine Bank müsse heute eine Multi-Channel-Bank sein. „Bei wichtigen und großen Entscheidungen gibt es für die meisten Kunden nach wie vor nur eine Adresse: die Filiale und den persönlichen Berater, dem er vertraut“, sagte Keller. Für mittelständische Unternehmenskunden spiele zudem die Fähigkeit eine entscheidende Rolle, die Unternehmen auch im Ausland mit Kredit und Zahlungsverkehr, mit Zins- und Währungsabsicherung begleiten zu können. „Es ist unser Ziel, unseren Kunden überall dort auf der Welt zu helfen, wo sie uns brauchen“, sagte der Bankier weiter. „Alle unsere Firmenkunden erhalten daher Zugang zum weltweiten Netzwerk und dem internationalen Know-how der Deutschen Bank.“

Mehr Beratung für den Mittelstand

Um eine umfassende und direkte Beratung zu gewährleisten, wurden in 180 Filialen neue Beratungszentren für Firmenkunden eingerichtet, bundesweit sind es jetzt 250. „Die Deutsche Bank ist mit 1.750 Geschäfts- und Firmenkundenbetreuern an rund 750 Standorten in ganz Deutschland präsent“, sagte Keller, der seit Herbst 2013 das breite Mittelstandsgeschäft in Württemberg verantwortet. Bundesweit zählen zu dieser Gruppe mehr als 900.000 Kunden, etwa 90.000 von ihnen sind in Baden-Württemberg angesiedelt, etwa 10.000 in Stuttgart. Rund 1.250 größtenteils international tätige, große Firmenkunden mit einem Umsatz von mehr als 300 Millionen Euro, so genannte „German Large Corps“, werden von der Deutschen Bank gesondert betreut, in Baden-Württemberg sind es 250, für die im Südwesten Kellers Vorstandskollege Michael Kahrs zuständig ist. „Künftig profitieren unsere Kunden auch von schnelleren und kundennäheren Entscheidungsprozessen“, freute sich Keller. „Dafür haben wir Verantwortung aus der Zentrale in Frankfurt zurück in die Filialen verlagert. Viele Entscheidungen über Budget, Preise und Konditionen werden wieder vor Ort getroffen.“

Globalisierung bewegt Mittelstand weiterhin

Die Globalisierung wird laut Keller auch in diesem Jahr ein Hauptthema des Mittelstands bleiben. „Die Mehrzahl unserer Kunden geht die Globalisierung langfristig und strategisch an. Zuerst wird der Vertrieb aufgebaut, dann der Service, anschließend vielleicht eine Montage, der Produktion und die Entwicklung für Anwender folgt“, erklärte Keller. „Die Unternehmen erwarten, dass wir sie dabei vor Ort begleiten und unterstützen. Das tun wir in mehr als 70 Ländern.“

Investitionen im Ausland unterliegen hohen Wertschwankungen. Die Währungen Russlands, der Türkei und Brasiliens zum Beispiel sind in den letzten Monaten stark unter Druck geraten. Der Mittelstand braucht deshalb Expertise, um die Risiken bewerten und absichern zu können. Und trotz einer generell guten Ausstattung der Unternehmen mit Eigenkapital ist eine Zinssicherungsstrategie und vorausschauende Planung des Finanzierungsbedarfs von großer Wichtigkeit für Wachstumspläne.

Keller hat zwei weitere Themen ausgemacht, die den Mittelstand zunehmend umtreiben: die Regelung der Nachfolge und teils grenzüberschreitende Übernahme- und Fusionspläne. „Die Anlässe zur Partnersuche sind vielfältig, sagte der Bankier. „Ein Wechsel im Gesellschafterkreis, ungelöste Unternehmensnachfolgesituationen, zusätzlicher Kapitalbedarf, etwa für einen Markteintritt in Asien oder zusätzliches Know-how. Familienunternehmen treffen die Entscheidung zur Partnersuche oft zu spät und dann aus einer schwächeren Position heraus. Daher stehen wir im engen strategischen Dialog mit den Eigentümerfamilien und bieten auch in solchen Situationen unsere Branchenkenntnis und das internationale Netzwerk durch unsere Kollegen in allen bedeutenden Märkten an.“

Aussichten im Prinzip sonnig

Allgemein erwarten die Experten der Deutschen Bank für 2014 und 2015 ein weiteres Wachstum der Weltwirtschaft von 3,8 bzw. 4,0 Prozent. In den USA erwarten die Banker einen robusten Anstieg und selbst in der Eurozone anziehende Wachstumsraten von 1,0 Prozent im laufenden Jahr und 1,4 Prozent im Jahr 2015. Schwankende Währungs-, Energie- und Rohstoffpreise werden ein ständiges Risiko sein. Positiv für die Unternehmen: Die Kurz- und Langfristzinsen liegen nach wie vor auf historisch niedrigem Niveau. Allerdings deuten laut Keller Zinsprognosen auf einen moderaten Anstieg hin.