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26. November 2014

Lieber Geld statt Verantwortung?

Seit Jahren befragt die Stiftung Familienunternehmen auf dem „Karrieretag Familienunternehmen, den sie gemeinsam mit dem Entrepreneursclub veranstaltet, die Bewerber nach ihren Erwartungen an einen Arbeitgeber und nach ihrer Meinung über Familienunternehmen. Eine kürzlich veröffentlichte Studie, die gemeinsam mit der Technischen Universität München, erstellt wurde, hat zu interessanten Erkenntnissen geführt: Die meisten Bewerber haben im Wesentlichen eine gute Meinung von Familienunternehmen als Arbeitgeber, sehen sie allerdings im Hinblick auf eine attraktive Vergütung und Sozialleistungen sowie Internationalität und Standort im Nachteil.

Das ist an sich nichts Neues. Interessant wird diese Sichtweise vor allem, wenn man sich anschaut, was Bewerbern am wichtigsten ist. Der Wunsch nach einer attraktiven Vergütung und Sozialleistungen erfreut sich nämlich bei den hochqualifizierten Fach- und Führungskräfte wachsender Beliebtheit. Im Jahr 2008 zählten nur 12,7 Prozent der Frauen eine attraktive Vergütung zu den drei wichtigsten Merkmalen bei der Arbeitgeberwahl, 2013 hatte sich der Anteil auf 38,1 Prozent verdreifacht. Auch bei den Männern ließ sich ein Anstieg von 33,9 Prozent im Jahr 2008 auf 46,8 Prozent im Jahr 2013 beobachten. Der Wunsch nach eigenverantwortlichem Handeln trat in der Bedeutung dagegen etwas zurück. 2008 zählte eigenverantwortliches Handeln noch für 38 Prozent der Befragten zu den wichtigsten Arbeitsplatzcharakteristika, 2013 waren es nur noch knapp 31 Prozent.

Die Erwartungen verändern sich auch mit zunehmendem Alter und Berufserfahrung. Erfahrenen Kräften sind „gute Karriereperspektiven und Entwicklungsmöglichkeiten“ am wichtigsten (49,1 Prozent. Auch die Wunschliste von Männern und Frauen unterscheidet sich. Während für Frauen an erster Stelle „gute Arbeitsatmosphäre und Teamgeist stehen, an zweiter Stelle „gute Karriereperspektiven und Entwicklungsmöglichkeiten und an dritter Stelle „attraktive Vergütung und Sozialleistungen“, erwarten Männer vor allem gute Karriereperspektiven, gefolgt von einer guten Vergütung. Die Arbeitsatmosphäre kommt erst danach.

Familienunternehmen gut angesehen

Die ersten drei Plätze im Ranking der 14 Antwortoptionen auf die Frage, welche Faktoren für die Wahl des künftigen Arbeitgebers am wichtigsten seien, belegten gute Karriereperspektiven und Entwicklungsmöglichkeiten, eine gute Arbeitsatmosphäre/Teamgeist und die Möglichkeit zum eigenverantwortlichen Handeln. Vor allem bezüglich Arbeitsatmosphäre und eigenverantwortlichem Arbeiten konnten die Familienunternehmen punkten: 99,56 Prozent beziehungsweise 98,53 Prozent sahen Familienunternehmen hier im Vergleich zu großen Publikumsgesellschaften positiv.

Dieses positive Bild der Familienunternehmen bei Fach- und Führungskräften sollte jedoch nicht darüber hinwegtäuschen, dass man Arbeitskräfte nur über die „Soft Facts“ gewinnen kann. Die harten Fakten wie Vergütung und Sozialleistung müssen ebenfalls stimmen und das sehen die Befragten Familienunternehmen gegenüber Konzernen eher im Nachteil. Nur 34,29 Prozent gehen davon aus, dass ihnen Familienunternehmen hier ein attraktives Angebot machen können, aber 65,71 Prozent trauen dies den Konzernen zu. Auch Internationalität und Standort-Attraktivität werden von mehr als 71 Prozent der Fach- und Führungskräfte eher bei den großen Publikumsgesellschaften vermutet. Auch bei der Frage nach der Reputation gehen die Befragten davon aus, dass sie die eher bei den Konzernen als bei den Familienunternehmen finden.

Unbekannte Familienunternehmen

Familienunternehmen sind also gut beraten, wenn sie in diesen Bereichen ihre Attraktivität erhöhen beziehungsweise mehr Energie in den Aufbau ihrer Arbeitgebermarke stecken. Potenzielle Bewerber müssen das Unternehmen mit seinem Angebot überhaupt erst einmal auf dem Radar haben, es kennen. Sonst werden sie sich auch nicht damit beschäftigen, ob das Unternehmen ein attraktiver Arbeitgeber sein könnte.

Dabei mag eine andere Erkenntnis der Befragung helfen: Nicht soziale Netzwerke wie Facebook, Xing oder Linkedin gehören zu den bevorzugten Informationskanälen von Fach- und Führungskräften bei der Suche nach einem Arbeitsplatz, sondern Unternehmenswebsites, Internet-Stellenbörsen, Jobmessen und Karrieretage.

Die Studie zum Download finden Sie auf der Seite der Stiftung Familienunternehmen.