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19. November 2014

Weissman-Unternehmertag in Nürnberg: Ein magischer Event

Um Magie sollte es bei diesem Unternehmertag gehen, um die „Magie erfolgreicher Familienunternehmen“ und das war nicht zu viel versprochen. Die Redner zeichneten sich durch Leidenschaft und Begeisterung aus und boten den etwas mehr als 200 Gästen ein wahres Feuerwerk an Inspirationen.

Den Auftakt am Abend des 9. Mai machte allerdings Colin, ein „echter“ Zauberer. Er verblüffte das Publikum mit seinen Tricks und sorgte gleich zu Anfang für Entspannung und Gelächter. Mit Hartmut Jenner, Vorsitzender der Geschäftsführung der Kärcher-Gruppe, Stefano Castelletti, verantwortlich für den Kosmetikbereich des fränkischen Traditionsunternehmens Faber-Castell, Paolo Dell’Antonio, Vorstandssprecher der Mast-Jägermeister SE, und Torsten Toeller, Gründer und Chef von Fressnapf, standen außergewöhnliche Führungspersönlichkeiten mit viel Erfahrung auf der Bühne, die den Teilnehmern des Unternehmertags zahlreiche Impulse mit auf den Weg gaben. Martin Kowalewski, Ex-Fußballer, Diplom-Sportwissenschaftler und Geschäftsführer der Bayer 04 Marketing GmbH, zeigte einen etwas anderen Aspekt des Themas „Kunden und Mitarbeiter begeistern“ – sein Kunde ist der Fußballfan.

Frühzeitig an die Zukunft denken

Hartmut Jenner betrat gleich nach dem Zauberer Colin die Bühne. Es gelang ihm ebenso schnell, das Publikum in seinen Bann zu ziehen, als er berichtete, wie es der 1935 gegründete, schwäbische Weltmarktführer im Bereich Reinigungstechnik immer wieder schafft, sich an der Spitze zu behaupten. Als Erfolgsfaktoren eines nachhaltigen Wachstums nannte er den Produktmix, ständige Innovation, Kundenfokussierung, Unternehmenskultur und den Menschen, die Mitarbeiter. Sie sollten nicht als Kostenfaktor betrachtet werden, sondern als Aktiva. Aus- und Weiterbildung, die Entwicklung der Mitarbeiter auf beruflicher und persönlicher Ebene seien bei Kärcher eine Selbstverständlichkeit. „Wir beschäftigen Menschen aus etwa 130 Nationen. Die Werte, denen wir uns verpflichtet fühlen, sind für alle gleich: Spitzenleistung als innere Geisteshaltung; Hingabe im Sinne von ‚mach es richtig oder lass es sein‘; Verantwortung für die Menschen, Werte und das Vermögen des Unternehmens; Disziplin, also effektiv und konsequent im Denken und Handeln sein; Leidenschaft und Ehrgeiz“, erklärte Jenner.

Besonders fasziniert zeigten sich die Zuhörer von Jenners Ausführungen zum Thema Kundenfokussierung. Er stellte dar, wie intensiv sich das Unternehmen mit Zukunftstrends und ihren Auswirkungen auf künftige Entwicklungen im Kunden- und Konsumentenverhalten auseinandersetzt. Hier sieht der Kärcher-Chef ganz klar die Digitalisierung auf dem Vormarsch, was er mit Beispielen untermauerte. So gebe es in Südkorea bereits die Möglichkeit, auf Zugwaggons dargestellte Produkte mit dem Smartphone zu fotografieren und zu bestellen, ein virtueller Einkaufswagen. Wenn man nach Hause komme, sei die Bestellung schon da.

„Das Konsumverhalten wird sich verändern. Die Menschen erwarten zunehmen, dass ihnen die Unternehmen Aufgaben abnehmen. Aber nur wenn man vor Ort präsent ist, bekommt man die konkreten Kundenwünsche mit“, sagte Jenner. „Es wird immer Freaks geben, die Dübel riechen möchten und durch den Baumarkt gehen, aber die Mehrheit der nächsten Generationen wird erwarten, dass es jemand gibt, der die Dinge für sie erledigt. Viele junge Menschen lernen gar nicht mehr, handwerkliche Aufgaben selbst zu erfüllen. Ein Baumarkt-Besitzer muss sich schon jetzt überlegen, wie er künftig die Ware zum Kunden bringen will.“ Als weitere relevante Trends für sein Unternehmen nannte Jenner das Gesundheitswesen, die Individualisierung, die BRICS-Staaten und Asien als Wachstumstreiber. Man gehe zum Beispiel davon aus, dass 2030 59 Prozent der Konsumausgaben der Mittelschicht in Asien getätigt würden. Das bedeute ein Überdenken unseres Innovationsgedankens. „Bei Kärcher verwenden wir für die Produkte für diese Region den Begriff SMART – Simple, Maintenance friendly, Affordable, Reliable, Time to Market.“ Auch der wachsende Dienstleistungssektor inklusive Outsourcing und Big Data, und die fortschreitende Urbanisierung hätten Auswirkungen auf die Unternehmen.

Was zieht Fußballfans an?

Am Samstagvormittag erlebten die Zuhörer einen etwas nervösen Martin Kowalewski, der dem abendlichen Spiel seines Clubs Bayer Leverkusen gegen Bremen um die Teilnahme an der Champions-League-Qualifikation entgegenfieberte. Dass es dabei auch um viel Geld geht, gab Kowalewski unumwunden zu. Er berichtete den Zuhörern über einen „Traditionsverein“, die „Werkself“, der seine Marke überarbeitet, um gemeinsam mit den Fans in die Zukunft zu schreiten, neue Anhänger zu gewinnen und das Stadion zu füllen. Dafür wurde eine Werbekampagne aufgesetzt, die Menschen durch mehr Nähe und Emotionalität anziehen soll. Familienfreundlich, nah am Fan, professionell und selbstbewusst waren die wichtigsten Schlagworte aus einer Analyse der Marke, die jetzt in einer regionalen Werbekampagne realisiert werden, in die die Fans als Models eingebunden wurden. Ihre Fotos sind nun auf dem Mannschaftsbus zu sehen. Auf Großplakaten sind Fans mit Spielern abgebildet. Fans und Mannschaft fahren gemeinsam zu Auswärtsspielen. Selbst auf der Wuppertaler Schwebebahn wird für die Werkself geworben. Mit „Stadium Vision“ wird der Stadionbesuch digital, die erste Stadion-App in Deutschland macht’s möglich. „Wir machen mit unserer Kampagne deutlich, dass Fußball nicht nur auf dem Platz stattfindet“, sagte Kowalewski. „Erste Erfolge sind bereits sichtbar. In der Rückrunde waren fast alle Spiele ausverkauft, obwohl wir einen sportlichen Hänger hatten.“ Und übrigens: Die Werkself gewann das Spiel am 10. Mai gegen Werder Bremen mit 2 : 1. (-ap)

Mehr über den Weissman-Unternehmertag erfahren Sie auf dieser Website:

Lernen von traditionsreichen Familienunternehmen – Faber-Castell und Mast Jägermeister.

Torsten Toeller über die Neuausrichtung von Fressnapf.

Lessons learned – eine Zusammenfassung von Prof. Dr. Arnold Weissman.