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23. November 2014

Wenige Investitionen in Wachstum

In Frankfurt stellte die Commerzbank eine neue Studie zum Investitionsverhalten mittelständischer Unternehmen und Familienunternehmen vor. Wichtigste Erkenntnis: Unsichere Rahmenbedingungen hemmen zwar die Investitionsbereitschaft, aber generell ist die Bereitschaft zu langfristigen Entscheidungen und Risiko gewachsen.

Für die 14. Studie der Reihe „UnternehmerPerspektiven“ mit dem Titel „Vorsicht versus Vision: Investitionsstrategien im Mittelstand“ wurden von TNS Infratest zwischen November 2013 und Januar 2014 mehr als 4.000 Unternehmer und rund 70 Volkswirtschaftler an deutschen Hochschulen befragt. Die Ergebnisse zeigen, dass eine Mehrheit von 53 Prozent der Unternehmen bereit ist, wieder langfristig zu planen und entsprechende Risiken einzugehen. Vor zwei Jahren waren dies nur 38 Prozent. „Es ist zwar sehr erfreulich, dass sich immer mehr Mittelständler vom reinen ‚Fahren auf Sicht‘ verabschieden und die Krisenjahre endgültig hinter sich lassen“, sagte Markus Beumer, Mitglied des Vorstands der Commerzbank und zuständig für das Mittelstandsgeschäft. „Die Frage ist jedoch, wann und wie sich dies in konkretem Handeln niederschlägt, denn die Zufriedenheit der Mittelständler mit ihrer Umsatzrentabilität sinkt.“

73 bzw. 75 Prozent der befragten Unternehmen halten ihre Investitionstätigkeit in Wachstum und in den Erhalt der Substanz für ausreichend. Die ebenfalls befragten Volkswirtschaftler sind da anderer Meinung. Die Investitionen in Wachstum halten 54 Prozent von ihnen nicht für ausreichend, bei den Investitionen in den Erhalt der Substanz sind es 45 Prozent. Professor Michael Hüther, Direktor des Instituts der Deutschen Wirtschaft in Köln und Schirmherr der aktuellen Studie, forderte mehr Initiative. „Die Investitionsstrategien des Mittelstands entscheiden heute so grundlegend über den weiteren Erfolg des deutschen Geschäftsmodells wie lange nicht. Dass Vorsicht dominiert und offenkundig die Fantasie fehlt, muss Sorgen machen“, sagte er.

Obwohl sie sich zögerlich verhalten, sehen sich die Unternehmen für Investitionen gut aufgestellt. Nur 17 Prozent der Befragten sehen Finanzierungsprobleme für anstehende Investitionen. 66 Prozent wollen sogar ganz ohne Fremdkapital investieren. Allerdings fühlen sich die Unternehmen bei ihren Investitionen von unsicheren Rahmenbedingungen ausgebremst. 45 Prozent beklagen schwankende Rohstoff- und Energiepreise, 43 Prozent den anhaltenden Fachkräftemangel. Komplexe behördliche Genehmigungsprozesse stellen für 36 Prozent und unsichere gesetzliche Rahmenbedingungen für 35 Prozent eine Bedrohung dar.

Innovationsführer setzen auf Wachstum

Die Studienergebnisse zeigen, dass für den Mittelstand Kundenerwartungen, Qualitätssicherung, Abnutzung, Kostensenkung und Energieeffizienz die häufigsten Anlässe sind, Geld in die Hand zu nehmen. Expansion auf den Binnenmärkten und Internationalisierung geben vergleichsweise selten Anlass zu Investitionen. Gleiches gilt für die Entwicklung und Einführung neuer Produkte. Allerdings zeigt die Studie auch, dass innovations- und wachstumsorientierte Unternehmen stärker aus eigenem Antrieb handeln und neue, selbstgesetzte Unternehmensziele verfolgen.

Der häufigste Anlass für Investitionen sind mit 77 Prozent Kundenerwartungen. Am Ende der Liste steht mit 32 Prozent die Ausweitung der Geschäftstätigkeit im Ausland. Die Entwicklung neuer Produkte und deren Markteinführung wurden von 47 beziehungsweise 44 Prozent der Befragten als Grund für Investitionen angegeben. Das scheint viel zu sein. Im Vergleich mit heute besonders profitablen Unternehmen und wachstumsorientierten Innovationsführern zeigt sich jedoch, dass diese weit mehr in diese Bereiche investieren, vor allem die Innovationsführer.

Und noch etwas unterscheidet die Innovationsführer von der breiten Mehrheit: Sie investieren deutlich mehr in Maschinen, Produktionsanlagen, Patente, strategische Kooperationen und Beteiligungen, während die Mehrheit sich vorrangig um den Erhalt der Substanz kümmert.
Nahezu alle befragten Unternehmen investieren in die Aus- und Weiterbildung ihrer Belegschaften (91 Prozent), 86 Prozent in die Optimierung von Arbeits- und Organisationsstrukturen und 75 Prozent in die Rekrutierung neuer Mitarbeiter. Investitionen in Markenaufbau und -werbung sowie in Forschung und Entwicklung fallen hier mit 60 beziehungsweise 41 Prozent spürbar zurück.

Mittelstand sieht Aufwand statt Erträge

Die Ergebnisse zeigen, dass es dem Mittelstand erkennbar an Motivatoren für wachstumsbezogene Investitionen fehlt. Die wirtschaftlichen Megatrends wie Digitalisierung, Industrie 4.0 und Energiewende rufen beim Mittelstand keine Euphorie hervor. Die Unternehmen nehmen eher den Aufwand und die Kosten wahr, die daraus resultieren, als die Erträge. Chancen sehen die Unternehmen am ehesten in der Digitalisierung (41 Prozent), Industrie 4.0 scheint zumindest für 24 Prozent der Unternehmen in der Fertigungstechnik ein positives Geschäftspotenzial zu enthalten. Das Wachstum in den BRICS-Staaten und den Schwellenländern betrachten nur 19 Prozent der Befragten als Chance, das Freihandelsabkommen mit den USA nur 15 Prozent. Selbst die Energiewende sehen gerade einmal 20 Prozent der Unternehmen als Chance für sich. Die überdurchschnittlich wachstumsorientierten und innovativen Unternehmen erkennen sehr viel häufiger ihre Chancen in den Megatrends.

Investitionsbedarf aufgrund der Megatrends erkennen die Mittelständler vor allem bei der Digitalisierung (45 Prozent), bei der Energiewende (43 Prozent), beim demografischen Wandel (43 Prozent) und beim Fachkräftemangel (49 Prozent).

Dank gut gefüllter Kassen und deshalb geringer Finanzierungsprobleme halten die Unternehmen zur Fremdfinanzierung kritisch Abstand. Zwei Drittel aller Befragten wollen Investitionen möglichst ohne Fremdkapital von Banken und Sparkassen stemmen. Nur sieben Prozent der Ökonomen halten das für sinnvoll. Trotz dieser „Kreditaversion“ erwarten 51 Prozent der Unternehmen bei Investitionsvorhaben Beratung von ihrer Bank, vor allem hinsichtlich des schwer einschätzbaren Umfelds, in dem Unternehmen ihre Investitionsentscheidungen treffen müssen. 67 Prozent wünschen sich, dass Banken und Sparkassen stärker als Motivator und Ideengeber für Investitionen auftreten. „Unsere Aufgabe ist es, den Mittelstand kompetent zu beraten, ihn zu begleiten und ihm immer da, wo es verantwortbar ist, Mut zu mehr Wachstum und entsprechenden Investitionen zu machen“, sagte Markus Beumer.

http://www.unternehmerperspektiven.de