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25. Dezember 2014

Anziehend wirken

Der Textilhersteller Rösch mit Sitz in Tübingen nutzt die ganze Bandbreite an Instrumenten zur Mitarbeitergewinnung und -bindung. Die Redaktion von Familienunternehmer-News.de sprach darüber mit Geschäftsführer Arnd-Gerrit Rösch.

Spüren Sie bei Rösch auch den überall propagierten Fachkräftemangel?

Arnd-Gerrit Rösch: Im kaufmännischen Bereich erhalten wir immer genügend Bewerbungen und können unsere Stellen dort relativ schnell besetzen. Anders sieht es bei unseren textiltechnischen Berufen aus, etwa bei Färbern, Ausrüstern, Maschentechnologen, also bei gewerblichen Ausbildungsberufen. Das hat aber in erster Linie nichts mit dem allgemeinen Fachkräftemangel zu tun, sondern ist branchenspezifisch bedingt und dem schlechten Image der Textilindustrie geschuldet. Hier junge motivierte Leute für einen Ausbildungsberuf zu gewinnen, ist sehr mühselig.

Viele Familienunternehmen agieren eher im Verborgenen und haben dann auch das Nachsehen, wenn es um das Finden von Fachkräften geht. Was unternimmt Rösch, um in der Öffentlichkeit positiv wahrgenommen zu werden?

Bereits 1971 haben wir einen betriebseigenen Kindergarten ins Leben gerufen. Das Medieninteresse daran ist nach wie vor sehr groß und hat unser Image in der Öffentlichkeit sehr positiv geprägt. Zudem wurden wir von Bund und Land mehrmals für unsere familienfreundliche Personalpolitik ausgezeichnet. Die Teilnahme an Wettbewerben, bei denen man „wirklich gewinnen muss“, ist für uns ein ideales Mittel, um der Öffentlichkeit zu zeigen, was man kann und wofür man steht. Das sind zum Beispiel der Axia-Award oder das Audit „Beruf & Familie“. Zudem suchen wir den engen Kontakt zu Hochschulen, etwa zur Uni Tübingen und der Fachhochschule Reutlingen. Die Zusammenarbeit ist sehr vielfältig, unter anderem vergeben wir an ausgewählte Studenten über die Gerhard-Rösch-Stiftung Stipendien. Auch in Sachen Ausbildung sind wir in der Öffentlichkeit auf allen Kanälen sehr präsent: Etwa mit unserer eigenen Homepage www.ausbildung-tuebingen.de, mit unserem Ausbildungsblog, auf Facebook, mit Info-Ständen auf Ausbildungstagen oder IHK-Aktionstagen wie „Speed Dating für Azubis“.

Wie gehen Sie bei der Suche nach Fachkräften vor?

Wir nutzen nach wie vor klassische Mittel wie Printanzeigen, setzen aber auch auf Stellenbörsen im Internet oder Xing. Zudem werden bei uns Mitarbeiter belohnt, wenn sie uns dabei unterstützen, neue Mitarbeiter ins Unternehmen zu holen. Als sehr hilfreich hat sich die Zusammenarbeit mit der Agentur für Arbeit erwiesen, die meiner Meinung nach sehr gute Arbeit leistet und uns bisher hervorragend unterstützt hat – übrigens auch im Bereich der Weiterqualifizierung von Menschen ohne Abschluss. Außerdem schreiben wir an Hochschulen regelmäßig Praktika aus und versuchen auf diesem Weg, Studenten für unser Unternehmen zu rekrutieren.

Fachkräfte der Generation Y stellen heute andere Ansprüche an Unternehmen als Vertreter früherer Generationen. Wie gehen Sie damit um?

Bei diesem Thema stört mich, dass immer alle Vertreter einer Generation über einen Kamm geschert werden. Bei uns können nur Menschen arbeiten, die zu unserer Unternehmenskultur passen. Zu dieser gehören Faszination, Leistungsbereitschaft, kooperatives und eigenverantwortliches Handeln in flachen Hierarchien und Teamfähigkeit. Generation Y hin oder her: Wenn Menschen fasziniert von etwas sind, wird sich der Erfolg und damit Freude einstellen. Da spielt der vorherrschende Zeitgeist keine Rolle.

Passende Mitarbeiter finden ist die eine, sie zu halten die andere Seite. Was unternimmt Rösch alles, damit Mitarbeiter möglichst lange im Unternehmen bleiben?

Da können wir natürlich mit unserem Kindergarten punkten. Unsere Mitarbeiter schätzen neben dem geregelten Betrieb auch die einwöchige Schulferienbetreuung von jeweils 8 bis 17 Uhr. Da machen die Kids dann zusammen mit Azubis und einer Erzieherin viele Ausflüge oder gehen auf den betriebseigenen Fußballplatz. Bewährt haben sich unsere flexiblen Arbeitszeiten, die sich mit unserem Verständnis vom eigenverantwortlichen Arbeiten hervorragend vereinbaren lassen. Großen Wert legen wir auf teamfördernde Maßnahmen, zu denen gemeinsame Aktivitäten wie Turniere, aber auch Reisen zählen. Erst kürzlich haben rund 20 unserer Tübinger Mitarbeiter in China einen unserer Partner besucht, wobei sie nur die Flugkosten übernehmen mussten. Eine Aktion, die gut ankam. Für ein Wir-Gefühl sorgt zudem unser Intranet „Myroesch.de“, in dem sich die Mitarbeiter untereinander austauschen können, über Geschäftliches wie Privates. Dort finden Neulinge außerdem alles über unsere Prozesse und die wichtigsten Formulare. Natürlich gehören auch Fort- und Weiterbildung dazu. In der Rösch-Akademie beispielsweise geben unter anderem eigene Mitarbeiter Einblicke in ihre Arbeitsgebiete. Wir bilden uns also auch gegenseitig weiter. -hf

Das Unternehmen

Die Gerhard Rösch GmbH hatte sich anfangs auf die Produktion von Nachtwäsche-Kollektionen spezialisiert. Inzwischen stellen die Tübinger auch Textilien für den Einsatz zum Beispiel in der Medizin- und der Automobilbranche her und haben sich im Bereich Funktionskleidung einen Namen gemacht.

ww.gerhard-roesch.de