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27. Dezember 2014

Fachkräfte für den Mittelstand

Seit kurzem gibt es im idyllischen Jagsthausen in der Region Heilbronn-Franken ein neues Bildungsangebot, den Schlosscampus Jagsthausen. Die Initiatoren haben sich zum Ziel gesetzt, Fachkräfte-Potenziale für mittelständische und Familienunternehmen in der Region und darüber hinaus zu erschließen. Das Konzept, das sie dafür entwickelt haben, basiert auf der Zusammenarbeit mit Universitäten, Schulen, Unternehmen und Wissenschaftlern.

Nicht erst seit gestern ist offensichtlich, dass es dem Mittelstand vor allem in ländlichen Regionen zunehmend schwerer fällt, geeignete Fachkräfte und Nachwuchs zu finden und dann auch zu halten. „In der Region Heilbronn-Franken sitzen viele Weltmarktführer. Der Fachkräftemangel ist eines ihrer drängendsten Probleme“, sagt Frank Kohler, einer der Initiatoren und Geschäftsführer des Schlosscampus. „Mit verschiedenen Bausteinen der Bildung und Weiterbildung möchten wir einen Beitrag dazu leisten, die Fachkräftebasis zu sichern. Die Unternehmen müssen auf sich aufmerksam machen. Diese Möglichkeit bieten wir.“

Kohler und Dr. Walter Zettl, ebenfalls Geschäftsführer, sind keine Neulinge im Geschäft mit der Bildung. Seit 15 Jahren betreiben sie in München CBZ, ein unabhängiges, privates Unternehmen der Personalwirtschaft. Der Dritte im Bunde ist Hans-Sigmund Freiherr von Berlichingen, ein Nachfahre des von Goethe unsterblich gemachten Ritters Götz von Berlichingen. Die im Besitz seiner Familie befindlichen Schlösser in Jagsthausen sind Namensgeber und Domizil des Schlosscampus, „ein Ort der Ruhe in wirtschaftlich turbulentem Umfeld“ wie Prof. Dr. Wilhelm Pfähler sagt. Der Professor begleitet zusammen mit anderen Wissenschaftlern das erste Projekt des Schlosscampus, die Summer School zum Thema China.

Wie wichtig ist Konfuzius?

An der dreiwöchigen, jährlich stattfindenden Summer School nehmen dieses Mal Studierende der Universität Hohenheim teil. Sie haben die Möglichkeit, ihre Kenntnisse über China in wirtschaftlicher und kultureller Hinsicht auszubauen und erste Grundkenntnisse der chinesischen Sprache zu erwerben. Dabei werden sie von renommierten Wissenschaftlern und Vertretern aus Unternehmen der Region begleitet. Im Anschluss können die jungen Frauen und Männer ein Praktikum bei Unternehmen in der Region absolvieren. Auf diese Weise erwerben die Studierenden zusätzliche Kenntnisse und Fähigkeiten und entdecken nebenbei die Karrierepotenziale in der Region.

„China wird für deutsche Unternehmen immer wichtiger“, ist Dr. Ines Eben von Racknitz, Assistant Professor am Geschichtsinstitut der Universität Nanjing, überzeugt. „Geschäfte und Verhandlungen sind von Ritualen bestimmt. Langfristige Beziehungen können am besten aufgebaut werden, wenn man die kulturelle und geschichtliche Identität des Gegenübers kennt und versteht.“ Oberflächliches interkulturelles Training sei dafür nicht ausreichend, sind die Wissenschaftlerin und ihre Kollegen überzeugt. Dr. Margot Schüller, Direktorin des Giga-Instituts für Asien-Studien in Hamburg mit langjähriger Chinaerfahrung, die den Bereich der aktuellen deutsch-chinesischen Wirtschaftspolitik lehrt, macht deutlich, dass es nicht nur darum geht, deutsche Produkte in China zu verkaufen, sondern das sich chinesische Investoren zunehmend für deutsche Unternehmen interessieren. „Wenn chinesische Investoren deutsche Unternehmen kaufen oder sich daran beteiligen, müssen auch die Mitarbeiter hier wissen, welche unterschiedlichen Regeln und Erwartungen es gibt.“

Welcome-Points und Adventure Days

Interkulturelle Kompetenz spielt auch eine große Rolle, wenn Unternehmen Fachkräfte aus dem Ausland für sich gewinnen möchten. „Große Unternehmen haben oft eine Abteilung, die sich um die ausländischen Kräfte kümmert, ihnen Sprachkurse vermittelt, sie bei der Suche nach Kindergarten und Schule unterstützt oder auf Ämter begleitet“, sagt Kohler. „Bei mittelständischen Unternehmen gibt es das nur eingeschränkt. Die Ressourcen fehlen. Viele der Arbeitnehmer aus dem Ausland gehen nach kurzer Zeit wieder zurück in ihre Heimatländer, weil sie sich nicht heimisch fühlen. Wenn sie sich zusammentun, können auch kleinere Unternehmen eine qualifizierte Hilfe bei der Integration bieten. Wir möchten dafür so genannte Welcome Points als Anlaufstelle schaffen. Es geht uns immer um dieselbe Frage: Wie gewinnen wir qualifizierte Mitarbeiter für unsere Unternehmen und wie halten wir sie? Jemand, der sich aus der Gemeinschaft ausgeschlossen fühlt, dessen Familie sich nicht wohlfühlt, der wird wieder gehen, auch wenn die Bezahlung gut ist. In ländlichen Gebieten fällt die Integration oft noch schwerer als in der Stadt. Man braucht jemanden, der einen an die Hand nimmt.“

Dieselbe Aufgabe, wenn auch in anderer Form, sehen die Bildungsspezialisten in Bezug auf den Nachwuchs. „Die Unternehmen müssen für junge Menschen attraktiv sein. Weshalb sollte sich ein Schüler für eine Ausbildung in einem Unternehmen entscheiden, von dem er gerade einmal den Namen kennt?“ provoziert Kohler. „Wir haben deshalb die Adventure Days im Angebot, zu denen Schüler eingeladen werden. Sie erleben einen aufregenden Tag beim Kanu fahren oder im Klettergarten und lernen in entspannter Atmosphäre die Unternehmer kennen. Je nach Wunsch der Unternehmen, können auch Betriebsbesichtigungen organisiert werden. Ein Unternehmen mit 40 Mitarbeitern hat für so etwas nicht die Ressourcen. Wir stellen sie gegen einen entsprechenden Beitrag zur Verfügung. Tun sich mehrere Unternehmen zusammen, halten sich die Kosten für den Einzelnen in Grenzen.“

Aus der Region für die Region

Prof. Pfähler fasst den Zweck der neuen Bildungseinrichtung zusammen: „Die jungen Leute und Fachkräfte sollen in der Region bleiben oder hierher kommen und ausländische Kräfte sollen sich heimisch fühlen und ebenfalls bleiben.“ Dr. Zettl sieht den Schlosscampus für seine Aufgabe gut gerüstet: „Wir sind ein eigentümergeführtes Unternehmen wie viele andere Unternehmen in der Region. Frank Kohler und ich bringen viel Erfahrung und Kompetenz in der Qualifizierung von Fachkräften unterhalb der Führungsebene mit. Wir haben ausgezeichnete Wissenschaftler als strategische Partner und mit dem Roten und dem Weißen Schloss eine ideale Location mitten in der Region. Wir kennen die Bedürfnisse des Mittelstands aus eigener Erfahrung, sind flexibel und können den Unternehmen maßgeschneiderte Pakete anbieten.“

www.schlosscampus.de