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24. Dezember 2014

Familienunternehmen bleiben ein starkes Geschäftsmodell

… auch wenn es sich verändert. Das zeigen die Ergebnisse der Studie „Neue Trends in der Unternehmensnachfolge“, durchgeführt von der Hannover Finanz-Gruppe und dem „wir“-Magazin aus der F.A.Z.-Verlagsgruppe. Für die Studie gaben 72 Familienunternehmer in unterschiedlichen Altersstufen detailliert Auskunft zu ihrer Nachfolgeplanung.

„Seit Jahrhunderten prägen Familienunternehmen die Wirtschaft in der D-A-CH-Region, in der wir tätig sind. Auch heute noch bleiben familiengeführte Unternehmen ein starkes Geschäftsmodell. Die Hannover Finanz arbeitet seit ihrer Gründung 1979 mit Unternehmern, ihren Familien und ihren Gesellschaftern bei Nachfolgelösungen zusammen und unterstützt deren Wachstumspläne. Mit unserer neuen Studie zur Unternehmensnachfolge wollen wir nachvollziehen, ob sich unsere aktuellen Erfahrungen aus der täglichen Arbeit mit den Aussagen der Umfrage decken“, beschreibt der Vorstand der Hannover Finanz Jürgen von Wendorff die Motivation zur Durchführung der Studie.

„Wir erleben bei den Familienunternehmen in unserem Portfolio und bei neuen Anfragen inzwischen eine größere Offenheit gegenüber der Einbindung eines Fremdmanagements. Die Familie muss nicht mehr das alleinige Sagen im täglichen Geschäft haben und unterstützt das Unternehmen aus der Beiratsfunktion heraus. Die Bereitschaft zur Zusammenarbeit mit Beteiligungsgesellschaften hat ebenfalls zugenommen“, fasst von Wendorff seine Erfahrungen aus der täglichen Arbeit zusammen. „Der Generationenwechsel in Familienunternehmen ist erst abgeschlossen, wenn der Familienunternehmer sowohl auf operativer Ebene die Nachfolge geregelt hat als auch eine Lösung für die Übertragung der Gesellschafteranteile gefunden hat“, sagt von Wendorff weiter.

Pure Finanzspritze reicht nicht

Für die befragten Familienunternehmer ist die Beteiligung eines Eigenkapitalgebers mehr als nur eine pure Finanzspritze. Sie sehen laut Studie vielfältige Anknüpfungspunkte: Für 33 Prozent käme im Falle einer Beteiligung eine Minderheitsbeteiligung in Betracht, 20 Prozent erwarten von einem Beteiligungskapitalgeber die Stärkung der Eigenkapital- und Finanzstruktur und 27 Prozent sehen den Finanzinvestor darüber hinaus in der Rolle des Sparringspartners über eine Beiratsfunktion. Ganz oben auf der Wunschliste steht im Rahmen einer Eigenkapitalpartnerschaft die Entwicklung eines Beteiligungsmodells, das den Rückkauf der Anteile durch die Familie ermöglicht. Von Wendorff dazu: „Das deckt sich auch mit unseren Erfahrungen. Der Rückkauf der Anteile ist oft schon bei den ersten Gesprächen Thema.“ Der Wunsch nach Minderheitsbeteiligungen entspringt ganz klar dem Wunsch der meisten Unternehmer die Fäden in der Hand zu behalten, auch wenn sie nicht mehr im operativen Geschäft sind.

Schere zwischen Eigentum und Führung öffnet sich weiter

Die Ergebnisse der Studie zeigen auch, dass sich die Schere zwischen Führung und Eigentum weiter öffnen wird. Die Unternehmer treibt die Frage um, wie sie ihre Anteile gerecht an alle Kinder übertragen können. Soll derjenige, der die operative Verantwortung trägt, auch über die Mehrheit der Anteile verfügen? Nur knapp zwei Drittel der Geschäftsführer wird nach den Ergebnissen der Studie künftig die Mehrheit der Anteile halten. In 27 Prozent der Fälle werden sogar die nicht operativ tätigen Gesellschafter die Mehrheit halten. 46 Prozent der Befragten geben an, dass in Zukunft weniger Familienmitglieder in die Geschäftsführung einziehen werden. Daher wird der Anteil der passiven Gesellschafter zunehmen. 14 Prozent der Befragten wollen Minderheitsanteile an Fremdmanager abgeben. „Die Rolle der Manager, die von außen ins Unternehmen geholt werden, wird in Zukunft größer. Das erleben wir in unserem täglichen Geschäft auch“, sagt von Wendorff. Laut Studie geschieht das Loslassen der operativen Verantwortung in Zukunft schneller und konsequenter als die Trennung von Gesellschafteranteilen. Gut die Hälfte der Befragten wird sich in den nächsten zehn Jahren aus dem operativen Geschäft zurückziehen. Von den Gesellschafteranteilen will sich dagegen in den nächsten Jahren nur gut ein Fünftel trennen.

Beteiligungsgesellschaften als Brückenbauer

Von Wendorff sieht Beteiligungsgesellschaften als Brückenbauer, die die notwendige Brücke zwischen den Generationen bauen und die Unternehmer dabei unterstützen, den Gesellschafterkreis neu auszurichten. „Da die Nachfolge nicht wie früher am Tag X stattfindet, sondern ein Prozess in einzelnen Schritten ist, sind Eigentümer heute eher bereit, für eine begrenzte Zeit einen Partner mit ins Boot zu holen“, ist der Hannover Finanz-Vorstand überzeugt. „Wir können Unternehmen sowohl bei der Überbrückung einer Lücke in der Generationenabfolge begleiten als auch die stufenweise Überführung des Unternehmens in einen managementgeführten Betrieb unterstützen, sollte kein Nachfolger da sein. Die schrittweise Übergangsregelung durch eine Minderheitsbeteiligung oder einen Management-Buy-out sind ebenso denkbar wie die Vorbereitung des Unternehmens auf die Eingliederung in einen größeren Unternehmensverbund. Familienunternehmer sind sich nach unserer Wahrnehmung inzwischen viel bewusster geworden, dass sie alle modernen zur Verfügung stehenden Instrumente nutzen müssen, um ihr Unternehmen international für die Zukunft sicher und tragfähig zu halten. In dieser Hinsicht bestätigt die Studie unsere Erfahrungen.“

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