Aktuelles
26. Dezember 2014

Junge Unternehmer mit Engagement

Die Wirtschaftsjunioren gibt es in ganz Deutschland. Die Redaktion sprach mit dem Vorstand der Wirtschaftsjunioren Böblingen über die Aktivitäten und die ganz persönlichen Beweggründe, sich bei den Wirtschaftsjunioren zu engagieren. Ein Motiv war bei allen vier Vorständen gleich: das außergewöhnlich breit gefächerte und gute Netzwerk, das sich nicht nur auf die jungen, aktuell aktiven Wirtschaftsjunioren (zugelassen sind nur Mitglieder unter 40 Jahre) beschränkt, sondern auch die ehemaligen umfasst.

Netzwerk als Türöffner

Vorstandsmitglied Andreas Weeber führt in dritter Generation ein Familienunternehmen, das gleichnamige Weil der Städter VW-Autohaus. Er sagt: „Man kann nicht alles wissen. Bei den Wirtschaftsjunioren treffen sich Unternehmer und Führungskräfte aus vielen verschiedenen Branchen. Man bekommt sozusagen auf dem kleinen Dienstweg einen ehrlichen Rat und kommt auch über die Region hinaus. Bei den Unternehmensbesichtigungen, die wir regelmäßig durchführen, habe ich bisher jedes Mal etwas mitgenommen, sei es über Arbeitszeitmodelle oder Work-Life-Balance. Das hilft mir, das eigene Unternehmen voranzubringen.“

Vizepräsidentin Katja Pacholczyk, ebenfalls aus einem Familienunternehmen, Juniorchefin des Weissacher Softwarehauses Denzhorn Computer Services GmbH, schätzt vor allem die Ungezwungenheit innerhalb des Netzwerks. „Hier hat niemand den Zwang, etwas zu verkaufen oder unbedingt Geschäfte zu machen. Im Vordergrund steht immer der Austausch und die persönliche Weiterentwicklung“, sagt die 36-Jährige. „Das ist eine tolle Basis, um Vertrauen aufzubauen. Letztlich ist das Netzwerk bei vielen Gelegenheiten und Menschen ein Türöffner.“

Projektarbeit als Trainingsfeld

Amin Khalsi, 39, Präsident und nur noch „Junior auf Zeit“, wie die Vorstandskollegen lachend sagen, sieht das Netzwerk ebenfalls als eine der großen Stärken der Wirtschaftsjunioren, aber auch das soziale Engagement. „Man bleibt nicht auf die eigene Branche beschränkt“, sagt Khalsi, Chef der Rutesheimer „IBU Industriebuchbinderei, Y. Khalsi GmbH“ in zweiter Generation. „Man erfährt, wie andere ticken und dass sie oft die gleichen Probleme haben. Das soziale Engagement der Wirtschaftsjunioren trägt zur Entwicklung der eigenen Persönlichkeit bei. Gemeinsam haben wir hier auch viel größere Möglichkeiten als ein einzelnes Kleinunternehmen.“

Das Engagement – seien es Weiterbildungsveranstaltungen, Kochkurse oder ein Sommerfest, Unternehmensbesichtigungen oder soziale Projekte – erfolgt über Projektarbeit, der der 36-jährige Weeber „eine hohe Dynamik“ bescheinigt. Durch die Projektarbeit erreiche man eine schnelle Integration neuer Mitglieder. 25 Mitglieder hat der erst 2011 gegründete Kreis in Böblingen, in ganz Baden-Württemberg gibt es etwa 2.000 Wirtschaftsjunioren, bundesweit sind es um die 10.000. „Die Projektarbeit ist ein Trainingsfeld für junge Unternehmer und Führungskräfte“, sagt Khalsi. „Man übernimmt Verantwortung in Bereichen, mit denen man sonst keine Berührungspunkte hat und kann dadurch neue Erfahrungen sammeln. Und selbst wenn einmal Fehler passieren, hat man für die Zukunft gelernt.“

Weiterbildung plus

Für ein Projekt verantwortlich zu sein, ist insofern auch Führungskräfte-Weiterbildung. „Es geht uns darum, Know-how weiterzugeben und Wissen zu vermitteln“, sagt Pacholczyk, „und das geht am besten, wenn jeder Verantwortung übernimmt.“ Khalsi ergänzt: „Wir haben keine eingefahrenen Strukturen, auch nicht im Vorstand. Bei den Wirtschaftsjunioren gilt ‚one year to lead‘. Bei uns muss jeder ran. Alte Hasen, die alles wissen, gibt es nicht.“ Das hat auch Daniela Kuhlmey erfahren, die eine Steuerberatungskanzlei gegründet hat und jetzt bei den Wirtschaftsjunioren Schatzmeisterin ist. „Es hilft bei der eigenen Entwicklung und der Unternehmensentwicklung“, sagt die 31-Jährige. „Man bekommt viel Input.“

Viele Projekte befassen sich jedoch tatsächlich mit der klassischen Weiterbildung Auf dem Plan stehen Themen wie Gesundheits- und Zeitmanagement, Unternehmensnachfolge, Neukundengewinnung oder auch Xing. Die Referenten kommen häufig aus dem Netzwerk selbst oder aus dem Förderkreis der Wirtschaftsjunioren, in dem sich die Interessierten über 40 sammeln, sodass sich die Kosten für Referenten in Grenzen halten. Und auch Besichtigungen werden gerne zur Weiterbildung genutzt. „Vor kurzem waren wir zu Besuch in der Max-Grundig-Klinik“, erzählt Weeber. „Der Ärztliche Direktor, Priv.-Doz. Dr. Thorsten Kienast, hielt einen Vortrag über Mitarbeiterführung. Daraus habe ich sehr viel mitgenommen.“

Engagement für den Nachwuchs

Doch die Wirtschaftsjunioren kümmern sich keinesfalls nur um sich selbst. Besonders am Herzen liegt ihnen die Jugend. „Wir müssen uns schon deshalb um die Jugend kümmern, weil unsere Unternehmen auch in zehn Jahren noch qualifizierte Kräfte brauchen“, sagt Pacholczyk. „Das ist einer der Gründe, weshalb wir unter anderem mit dem Projekt ‚Deine Zukunft zählt‘ in die Schulen gehen.“ Aktuell erstreckt sich das Projekt bereits im zweiten Schuljahr auf zwei Schulen in Böblingen und jeweils drei Klassen. „Wir möchten den Schülern den Übergang von der Schule ins Berufsleben erleichtern und ihnen auch bei der Berufswahl Möglichkeiten aufzeigen“, so Pacholczyk weiter. Dabei geht es um Themen wie Sozialkompetenz, Zielsetzung und –erreichung oder darum, welche Eigenschaften und Fähigkeiten man für welchen Beruf braucht.

„Wir waren zum Beispiel mit vier Betrieben und deren Auszubildenden in den Schulen und haben Berufe vorgestellt“, erzählt die Vizepräsidentin. „Es ist natürlich viel besser, wenn die eigene Generation die Fragen der Schüler beantwortet statt Lehrer oder Berater. Ich war überrascht, wie die Schüler mitgegangen sind.“ Für das neue Schuljahr, soll ein Schwerpunkt auf das Bewerbertraining gelegt werden. Es sei wichtig, sich mit der Schule abzustimmen und passgenaue Angebote zu machen. Vom Bundesverband der Wirtschaftsjunioren gebe es sogar fertige Konzepte.

Netzwerken für Gründer

Weil das Netzwerken bei den Wirtschaftsjunioren so gut funktioniert und weil nicht jeder Gründer automatisch beitritt, wollen die Wirtschaftsjunioren jetzt ihr Wissen weitergeben und im Rahmen des Projekts „Zukunft Unternehmen“ ihre Erfahrung Existenzgründern und jungen Unternehmen zugänglich machen. Mit einer Veranstaltungsreihe im Landkreis Böblingen bieten sie dafür eine neue Plattform an. Mit Unterstützung des Stadtmarketing Böblingen e.V. findet am 23. Oktober die Auftaktveranstaltung im Rahmen der Böblinger Businesswochen statt. Dabei soll es nach dem Impulsvortrag gleich ganz konkret werden, wie der Vorstand verspricht. „Indem wir gleich mit dem Netzwerken anfangen, möchten wir den Teilnehmern einen echten Mehrwert bieten“, sagt Khalsi.

Im Übrigen können sich auch Existenzgründer eine Mitgliedschaft bei den Wirtschaftsjunioren leisten, denn sie kostet nur zehn Euro pro Monat. Über eine Gastmitgliedschaft kann man in den Kreis hineinschnuppern und an den Regeltreffen teilnehmen.

www.wj-boeblingen.de