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10. Dezember 2014

Liebe am Arbeitsplatz – (k)ein Grund zur Freude?

Wenn man den Statistiken und Umfragen Glauben schenken darf, ist der Arbeitsplatz die reinste Beziehungsbörse. Jeder vierte Deutsche hatte bereits einmal eine Beziehung am Arbeitsplatz und 17 Prozent der Deutschen haben nach Analyse von parship.de sogar ihren Lebenspartner durch oder in Verbindung mit ihrem Job kennen gelernt.

Arbeitsrechtlich ist eine Beziehung zwischen Kollegen grundsätzlich nicht zu beanstanden. Eine Versetzung des Arbeitnehmers in einen anderen Arbeitsbereich zur Unterdrückung der Liebesbeziehung ist ebenso unzulässig, wie eine Kündigung. Der Umgang der Betriebe mit Pärchen am Arbeitsplatz ist freier und toleranter geworden. Dennoch werden die meisten Beziehungen am Arbeitsplatz nicht bekannt. Selbstverständlich ist auch kein Arbeitnehmer verpflichtet, im Betrieb mitzuteilen, wenn er zu einem Kollegen eine persönliche Beziehung unterhält. Dennoch erscheint es allgemeiner Konsens, dass spätestens dann, wenn ein Paar beschließt, zusammenzuleben, dieses zumindest den Vorgesetzten im Betrieb zu offenbaren ist.

Vorsicht bei Versetzungen

In den Betrieben wird auf eine bekannt gewordene Beziehung von Mitarbeitern meistens prophylaktisch reagiert. So wird beispielsweise vermieden, dass ein Liebespaar gemeinsam in einem kleinen Team arbeitet. Denn hier sind Konflikte mit anderen Teamkollegen vorprogrammiert, die eine Sonderstellung des Paares vermuten und eine Interessenkollision.

Aus betrieblicher Sicht erscheint es auch problematisch, wenn in einer hierarchischen Über-/ Unterordnungsstruktur eine Liebesbeziehung entsteht. Verliebt sich also die Sekretärin in ihren Chef, ist der Anschein der Bevorzugung dieser Mitarbeiterin durch ihren Vorgesetzten nicht von der Hand zu weisen. Auch der Pflichtverstoß im Arbeitsverhältnis, beispielsweise bei bevorzugter Weiterleitung von Informationen und sogar Preisgabe von Betriebsinterna, um dem Partner einen Vorteil zu sichern, ist eine realistische und unerwünschte Folge einer vertieften persönlichen Beziehung.

Um dieses auszuschließen reagieren die Betriebe häufig dadurch, dass einer der Partner in eine andere Abteilung oder in ein anderes Team versetzt wird und die direkte Zusammenarbeit der Partner beendet wird. Dieses ist jedoch nur zulässig, wenn damit keine Verschlechterung der Arbeitsbedingungen oder des Fortkommens des versetzten Partners verbunden ist. Andernfalls kann der Betroffene erfolgreich arbeitsrechtliche Maßnahmen gegen die Umsetzung oder Versetzung ergreifen. Dies gilt insbesondere dann, wenn die bisherige Arbeitsplatzbeschreibung sich durch eine solche arbeitgeberseitige Maßnahme ändern würde.

Kein Liebesgeflüster, kein Sex

Der Betrieb wird in jedem Fall verlangen können, dass eine Beziehung zwischen Mitarbeitern nicht offen zur Schau gestellt wird. Wenn permanent geflirtet wird, ständig Liebensbekundungen gesäuselt und Zärtlichkeiten ausgetauscht werden oder aber Eifersuchtsszenen stattfinden und privater Beziehungsstreit während der Arbeitszeit ausgetragen wird, berechtigt dies zur Abmahnung. Auch das Versenden von privaten E-Mails oder Kurznachrichten wie SMS während der Arbeitszeit oder gar im firmeninternen System an die Firmen-E-Mail-Adresse des Partners sind ein Grund zur Abmahnung, im schlimmsten Fall zur Kündigung.

Dass Sex am Arbeitsplatz völlig tabu ist und zudem gem. §183a StGB wegen Erregung öffentlichen Ärgernisses strafbar, sollte ebenfalls jedem bekannt sein. Denn die Räume eines Betriebes sind auch dann „öffentlich“, wenn zum Beispiel das Pärchen, um ungestört zu sein, die Bürotür schließt. Ein Verstoß kann eine außerordentliche Kündigung nach sich ziehen.

Stört eine Beziehung zwischen Mitarbeitern nachhaltig den Betriebsfrieden, ist es unausweichlich, dass zumindest einer der Mitarbeiter den Betrieb verlässt. Dabei ist eine soziale Auswahl vorzunehmen.

Arbeitsplatzwechsel häufig

Doch auch wenn sich das Pärchen wohl verhält, weder betrogene Ehepartner auftauchen noch die Beziehung im Streit beendet wird und auch betriebsseitig keine Probleme auftauchen und sich die Kollegen nicht gestört fühlen, ist der Verlust eines, wenn nicht gar beider betroffener Mitarbeiter im Laufe der Zeit an der Tagesordnung. Sei es, dass die Beziehung zerbricht und ein weiteres Zusammenarbeiten im Betrieb nicht mehr möglich ist oder dass der Mitarbeiter sich nicht mehr wohl fühlt, zum Beispiel weil er im Kollegenkreis isoliert, wegen der Beziehung aufgezogen wird oder gar weil beruflicher Stress das Privatleben negativ beeinflusst oder privater Streit die berufliche Produktivität und Zusammenarbeit mit dem Partner zeitweilig unmöglich macht. Die wenigsten Paare sind so diszipliniert, dass sie die berufliche Zusammenarbeit und das private Miteinander völlig voneinander trennen können, sodass die betriebliche „Frau Meyer“ erst auf der gemeinsamen Heimfahrt im Auto wieder zur privaten“ Susi-Maus“ wird. Darüber hinaus fehlt es häufig an einem partnerfreien Rückzugsort, wenn man nicht nur privat liiert ist, sondern auch beruflich eng zusammen arbeitet. Nicht Jeder/ Jede kann so viel Nähe und Miteinander permanent ertragen.

So ist es nicht verwunderlich, dass etwa 50 Prozent der befragten Personen, die bereits eine Beziehung am Arbeitsplatz eingegangen sind, in verschiedenen Umfragen erklärten, dass sie deswegen bereits einmal den Arbeitsplatz gewechselt hätten.

Und an dieser Stelle steht dann doch fest, dass die Unternehmen keinen rechten Grund zur Freude haben, wenn sich zwischen Mitarbeitern Liebesbeziehungen entwickeln: Sie müssen der Tatsache ins Auge sehen, dass sie statistisch gesehen langfristig mindestens einen der betroffenen Mitarbeiter verlieren werden. (Nicole von Ahsen)

Tipp: Hier finden Sie einen ausführlichen Beitrag der Autorin zum Thema „Liebe im Büro“.