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6. Dezember 2014

Pilotkonzept für elektromobile Zustellung

Die Stuttgarter Unternehmenszentale von Lapp-Kabel, einem der führenden Hersteller und Systemanbieter für Verbindungstechnologie, wird dauerhaft zum Stützpunkt eines Elektrofahrzeugs des internationalen Paketdienstes DPD. Damit ermöglicht das Familienunternehmen eine emissionsfreie Zustellung in den Stuttgarter Stadtbezirken Vaihingen, Büsnau und Kaltental. Dank der firmeneigenen Solaranlage von Lapp-Kabel wird mit dem vollständig elektrisch angetriebenen Zustellfahrzeug, das durch die Initiative „Schaufenster Elektromobilität“ von der Bundesregierung gefördert wird, eine CO2-neutrale Zustellung möglich. Ein neues Logistikkonzept sorgt darüber hinaus für eine dauerhafte Reduzierung von Verkehren und senkt damit die CO2-Emissionen beim Paketversand.

„Dank der Kooperation mit unserem Dienstleister DPD können wir völlig neue Nutzungskonzepte für Elektromobilität aufzeigen“, sagte Josef Holz, Geschäftsführer Operations von Lapp-Kabel, zum Abschluss des dreimonatigen Testlaufs. „Wir freuen uns sehr, dass unser gemeinsames Modell im Praxistest überzeugt hat und nun in Linie gehen kann.“

Zustellkonzept vergrößert Einsatzgebiete für Elektromobilität

Gerd Seber, der als Sustainable Development Manager für die Nachhaltigkeitsstrategie von DPD verantwortlich ist, ergänzte: „Die begrenzte Reichweite von Elektrofahrzeugen ist für Paketdienste eine bedeutende Hürde. Dank Lapp-Kabel können wir nun auch Wohngebiete bedienen, die bisher zu weit von unserer Ludwigsburger Niederlassung entfernt waren. Solche Kooperationen können die möglichen Einsatzgebiete von Elektrofahrzeugen vervielfachen.“

Dies unterstreicht auch Franz Loogen, Geschäftsführer der Landesagentur für Elektromobilität und Brennstoffzellentechnologie „e-mobil BW“: „Die Belieferung städtischer Gebiete ist ein ideales Anwendungsfeld für Elektromobilität. Im Schaufenster-Projekt ‚Urbaner Logistischer Wirtschaftsverkehr‘ zeigen die Partner anschaulich, wie nützlich und relevant Elektromobilität im alltäglichen Leben sein kann.“ Die Landesagentur koordiniert im Großraum Stuttgart und in Karlsruhe das Schaufenster Elektromobilität „LivingLab BWe mobil“. Dabei handelt es sich um eine Initiative der Bundesregierung in deutschlandweit vier Regionen. DPD ist in Baden-Württemberg einer von mehr als 100 Projektpartnern und testet im Großraum Stuttgart insgesamt acht Vito E-Cells im Praxisbetrieb.

Intelligente Transportplanung spart zusätzliches CO2 ein

Da das Elektromobil von DPD, ein „Vito E-Cell“ von Mercedes-Benz, voll aufgeladen von der Lapp-Unternehmenszentrale in Stuttgart-Vaihingen starten und dorthin zurückkehren kann, ist nun eine emissionsfreie Zustellung in den drei Stadtbezirken möglich. Die energieintensiven Höhenunterschiede auf der Zustelltour meistert der Vito E-Cell dank einer energieoptimierten Tourenplanung: Das Fahrzeug startet bei Lapp von einem hoch gelegenen Ausgangspunkt und nutzt bei gefülltem Laderaum das Gefälle. Die Zustelltour endet im tiefer gelegenen Kaltental, sodass der Großteil der Steigungen ohne die schwere Ladung in Angriff genommen werden kann.

Die Pakete, die täglich auf diese umweltfreundliche Weise zugestellt werden, kommen morgens per LKW-Wechselbrücke aus dem DPD-Depot in Ludwigsburg nach Vaihingen und werden dort in den E-Cell geladen. Am Nachmittag geht wiederum eine volle LKW-Wechselbrücke zurück nach Ludwigsburg, diesmal gefüllt mit Paketen des Kunden Lapp. Vor Beginn des Testlaufs wurde ein herkömmliches Zustellfahrzeug in Ludwigsburg beladen und machte sich auf den Weg ins Vaihinger Zustellgebiet. Zusätzlich fuhr vom Depot eine leere LKW-Wechselbrücke zu Lapp-Kabel, um die Pakete des Kunden abzuholen. Im neuen Modell fällt der Transfer des Zustellfahrzeugs weg. Das neue Zustellmodell ist also deutlich effizienter und spart Fahrtkilometer ein, was die Menge des verursachten CO2 weiter senkt. Pro Jahr erwarten die beiden Unternehmen einen Einspareffekt von mehr als acht Tonnen CO2. Soviel CO2 würde ein durchschnittlich motorisierter VW Golf erzeugen, würde er die Erde zweimal entlang des Äquators umfahren. Die Kosten für den Strom, den das Fahrzeug auf seiner täglichen Runde verbraucht, belaufen sich auf rund 1,50 Euro.

Übrigens ist der Vito E-CELL von Mercedes Benz der weltweit erste batterieelektrisch betriebene Transporter ab Werk. Als eines der ersten Unternehmen überhaupt startete DPD im Jahr 2011 einen vierjährigen Testlauf und teilt die Erfahrungen dabei fortlaufend mit dem Hersteller. Bei einem zulässigen Gesamtgewicht von 3.050 Kilogramm bietet das Fahrzeug eine Nutzlast von 900 Kilogramm. Ermöglicht wird diese Transportleistung zum einen durch eine vergleichsweise kompakte und damit leichte Lithium-Ionen-Batterie mit einer hohen Energiedichte im Vergleich zu herkömmlichen Akkus. Zum anderen wurde der Elektroantrieb bereits im Rohbau konsequent integriert. Der E-CELL verfügt über eine Reichweite von rund 130 Kilometern. Die Höchstgeschwindigkeit von 80 Stundenkilometern ist für Transportaufgaben sowohl in der Stadt als auch für kurze Überlandstrecken im stadtnahen Bereich ausgelegt.