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28. Januar 2015

„Betongebirge aus Ärger und Groll“

Die Veranstaltungsreihe „Systemischer Tag“ ging am 21. Oktober 2014 in die dritte Runde. Die für ausgewählte Kunden und Experten der Gesellschaft für systemische Unternehmensentwicklung Cum Nobis entwickelte Veranstaltung stand dieses Mal ganz im Zeichen der Führung von Familienunternehmen.

Referent Prof. Dr. Arist von Schlippe, anerkannter Experte für Familienunternehmen und Inhaber des Lehrstuhls Führung und Dynamik von Familienunternehmen an der Universität Witten/Herdecke, bewies den 25 Teilnehmern einmal mehr, dass Wissenschaft nicht nur graue Theorie sein muss. Anschaulich verband der ausgebildete Psychologe aktuelle Forschungsergebnisse zum Führungsverhalten in Familienunternehmen mit spannenden Anekdoten aus der Praxis.

Familie und Unternehmen klar abgrenzen

In Familienunternehmen verwischen typischerweise die Grenzen zwischen dem privaten Familienleben und der geschäftlichen Realität im Unternehmen. Es ist für Familienmitglieder daher häufig nicht einfach zu erkennen, in welcher Rolle das Gegenüber gerade kommuniziert. Aus dieser Unklarheit heraus resultieren vielfach Konflikte, die sich im Laufe der Zeit zu wahren „Betongebirgen aus Ärger und Groll“ aufbauen können. Um dies zu vermeiden, verwies Prof. von Schlippe auf unerwartet einfache und originelle Lösungsansätze zur Rollenklärung: „Für manche Familien ist es nur ein kleiner Anstecker unterm Revers, der einem Familienmitglied beim Vorzeigen signalisiert, dass es sich nun um eine geschäftliche Kommunikation handelt“, sagte der Experte.

Wandel bewusst gestalten

Als weitere Kernthemen wurden sowohl der Führungsstil als auch der Führungswechsel im Familienunternehmenskontext angesprochen. Unter den Anwesenden waren zahlreiche familieninterne Nachfolger, die die Bedeutung dieser Aspekte besonders unterstrichen und sich in den Fallbeispielen des Referenten wiederfanden.

Viele Familienunternehmen in Deutschland stehen aktuell vor der Herausforderung, eine auf die Führungsperson zentrierte Organisation in eine partizipative Struktur umwandeln zu müssen. Dabei kann keines der beiden Führungsprinzipien, so Prof. von Schlippe, als überlegen bezeichnet werden. Je nach Markt, Wettbewerb und Unternehmensgröße kann sich der eine oder andere Führungsstil besser eignen. Schwierig wird es nur in Situationen des Wandels. Hierfür präsentierte Prof. von Schlippe sein Patentrezept: „Bei allen Beteiligten in der Organisation muss zuerst das Bewusstsein für den Wandel geschaffen werden.“ Dieser Prozess sei zum Teil langwierig und mühselig. Doch durch Maßnahmen wie die schrittweise Einbeziehung der zweiten Führungsebene bei wichtigen Entscheidungen und die Schaffung von Strukturen für eine „dezentrale Intelligenz“ könne der Prozess des Umdenkens in Gang gebracht werden.

„Wandelprozesse gehören zum Menschen wie zu Organisationen“, sagte von Schlippe. Entscheidend sei dabei lediglich, dass man den Wandel nicht als Bedrohung oder Schicksal verstehe, sondern sich der Dynamik bewusst sei, um sie schließlich gezielt zu steuern.

www.cumnobis.de