Aktuelles
4. Januar 2015

Rückblick 9. Familienunternehmer-Konferenz (mit Video)

Über 250 Familienunternehmerinnen und -unternehmer trafen sich am 10. Juli in Stuttgart zur 9. Familienunternehmer-Konferenz der News. In der Alten Reithalle im Hotel Maritim wurde nicht nur auf dem Podium angeregt diskutiert, sondern auch in Gesprächskreisen und in den Pausen. Die von Verleger Dr. Theo Breitsohl initiierte und seit neun Jahren von ihm und seinem Team ausgerichtete Konferenz hat sich inzwischen als Forum der Familienunternehmen aus Süddeutschland etabliert. Das diesjährige Motto „Faszination Verantwortung“ treibt Familienunternehmer in mehrfacher Hinsicht um, wie die Vorträge und Diskussionen zeigten: Verantwortung für das Unternehmen, für die Mitarbeiter, für die Familie und nicht zuletzt für die Gesellschaft.

Verantwortung für die Zukunft und Tradition

Nach der Begrüßung durch Veranstalter Dr. Theo Breitsohl, Nelly Kostadinova vom Verband deutscher Unternehmerinnen, VdU, und Joachim Schramm von „Die Familienunternehmer – ASU“, machte Angelique Renkhoff-Mücke, Vorstandsvorsitzende der Warema Renkhoff SE, den Auftakt mit ihrem Vortrag „Gratwanderung zwischen sozialer Verantwortung und Ergebnisorientierung“. Sie führt das 1955 in Marktheidenfeld gegründete Unternehmen in zweiter Generation. Die Unternehmerin begann ihren Vortrag mit einem Zitat ihres Vaters: „Wenn es dem Unternehmen gut geht, geht es auch den Mitarbeitern gut.“ Renkhoff-Mücke unterstrich, dass soziales Engagement nie ganz uneigennützig sei und auch nicht sein solle. Das Unternehmen müsse auch etwas davon haben, sei es ein gutes Image oder eine höhere Mitarbeiterzufriedenheit. Es gelte bei CSR-Projekten immer zu überlegen, welchen Zweck man mit dem Engagement verfolge, ob es sich das Unternehmen leisten könne oder sogar müsse. Gesellschaftliches Engagement müsse zielgerichtet sein und langfristig dem Unternehmenserfolg dienen.

Jan Rinnert, Vorsitzender der Geschäftsführung der Heraeus Holding GmbH, sprach über „Veränderungsbereitschaft mit Tradition“. Das 1851 gegründete Unternehmen aus Hanau bestand schon seit 1648 als Apotheke und wird heute in fünfter beziehungsweise siebter Generation geführt. 200 Gesellschafter aus drei Generationen sind heute Besitzer des Edelmetallhandels. „Wir müssen uns immer wieder neu erfinden. Die Tradition kann der größte Feind der Veränderung sein oder aber die Basis dafür“, sagte Rinnert. „Für uns ist die Tradition die Basis und das Wertegerüst, auf dem wir Schritt für Schritt die Zukunft aufbauen.“

Gründer und Nachfolger im Gespräch

Zur Podiumsdiskussion „Unternehmer im Dialog“ konnte Moderator Wolf R. Hirschmann dieses Mal dm-Gründer Goetz W. Werner, ein unternehmerisches Urgestein und ausgewiesenen Querdenker, und Michael Rampf, geschäftsführender Gesellschafter der Rampf-Gruppe aus Grafenberg bei Reutlingen, begrüßen. Der 70-jährige Werner, Verfechter eines allgemeinen Grundeinkommens, und der 40-jährige Rampf, der 2012 das Unternehmen gemeinsam mit seinem Bruder Matthias vom Vater übernommen hat, diskutierten engagiert und offen. Und lagen letztlich mit ihren Meinungen gar nicht so weit auseinander. Werner, der als 23-Jähriger vom Vater aus dem elterlichen Unternehmen hinausgeworfen worden war, sprach von der „Faszination der Gerüche einer Drogerie“, mit denen er aufgewachsen war und sagte: „Ich wusste, was ich will. Heute wissen das viele nicht.“ Rampf konterte: „Ich bin im Nebel einer Chemiefabrik aufgewachsen und schon als Kind mit dem Gabelstapler statt dem Gokart gefahren. Irgendwann kann man sich gar nichts anderes mehr vorstellen, als das Unternehmen einmal zu übernehmen.“

Verantwortung zu tragen, ist für beide Unternehmer eine Frage des Charakters und für Werner muss ein guter Unternehmer ein „Sinnstifter“ sein. Rampf setzt auf Vertrauen: „Als unser Vater von Bord ging, mussten wir als Nachfolger zuerst das Vertrauen der Mitarbeiter gewinnen. Deshalb haben wir die Werte gesammelt, die in der Firma gelebt wurden, und unter Einbeziehung der Mitarbeiter durch eine Wertebroschüre deutlich gemacht, dass diese Werte weiterhin gelten, auch wenn sich vieles verändern wird.“ Über eine Stunde lang offenbarten beide Unternehmer ihre Ansichten zu Führung, Arbeitgeberattraktivität und Veränderung, diskutierten über Profit und Beteiligungsgerechtigkeit.

Nach der Unternehmer-Diskussion verteilten sich die Konferenzteilnehmer auf fünf parallel stattfindende Gesprächskreise. Favoriten waren eindeutig der Nachfolger-Kreis, bei dem nur unter 40-Jährige zugelassen waren, und der Gesprächskreis zum Thema Markenführung. Obwohl die Zeit für die Gesprächskreise großzügig bemessen war, hätten sich wohl viele ein Open End gewünscht und mochten nicht aufhören zu diskutieren.

Von Häuslesbauern und Herrn Vader

Prof. Dr. Arnold Weissman, Strategieberater für Familienunternehmen aus Nürnberg, fasste seine Erkenntnisse aus 25 Jahren Beratungsarbeit zusammen und beschrieb in 21 Thesen die „DNA der Champions“. Er bezeichnete Unternehmer als „Häuslesbauer“. Die Werte bildeten das Fundament des Unternehmenshauses, Mission und Vision seien die Aussichtsplattform, Strategie, Organisation, Führung und Familie bildeten die tragenden Wände des Hauses. Die Aussage „2020 wollen wir ein EBIT X erreichen“ sei jedoch kein strategisches Ziel, sondern Quatsch oder Wahrsagerei, kritisierte der Professor. Die Frage müsse lauten: „Welche Kompetenzen braucht mein Unternehmen, um auch in Zukunft erfolgreich sein zu können.“

Das letzte Highlight setzte Dominik Kuhn alias Dodokay mit seinem Vortrag über virales Marketing, gespickt mit zahlreichen unterhaltsamen Kurzfilmen, angefangen mit „Herr Vader erklärt Viralwerbung“, eine herrliche Parodie auf eine Szene aus „Krieg der Sterne“ in Schwäbisch. Kuhn machte klar, dass es nicht mehr darum gehe, ob virales Marketing nötig sei oder nicht, sondern nur noch um das Wie. „Internet ist das neue Fernsehen“, sagte er. „Der Mensch ist übermüdet. Er möchte der Werbeflut ausweichen, keine Werbung zwangsweise vorgesetzt bekommen. Virale Werbung, die mit Emotion begeistert, will man anschauen und sogar an seine Freunde weiterschicken.“ (-ap)

Tipp: Auf dieser Website finden Sie weitere Berichte zur 9. Familienunternehmer-Konferenz. In unserer Bildgalerie unten gibt es viele Fotos von der Konferenz. (Alle Fotos: Hanselmann Production)