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5. Januar 2015

Studie: Mittelstand verfügt über hohe Liquiditätspolster

Die fünfte Studie der Fachhochschule des Mittelstands (FHM) zum Anlageverhalten des Mittelstands in Kooperation mit der Commerzbank zeigt, dass die Unternehmen nach wie vor über hohe Liquiditätspolster verfügen und dass sie zunehmend offener für komplexere Anlageformen werden. Die Unternehmen wollen offensichtlich einen höheren Ertrag aus ihrem Anlagevermögen ziehen und sind dafür nicht nur bereit, erhöhte Risiken in Kauf zu nehmen, sondern auch längere Anlagehorizonte.

Sowohl der Anlagebedarf als auch das Anlagevolumen sind nach der Studie geringfügig gesunken. 53 % der befragten Unternehmen sehen 2014 einen Anlagebedarf, 2013 waren es noch 58 Prozent. Das Anlagevolumen ist von 3,16 Millionen Euro auf rund 2,75 Millionen Euro nur leicht gesunken. Ein Grund dafür könnte sein, dass der wirtschaftliche Aufschwung zu einem erhöhten Investitionsbedarf
führt. Viele Unternehmen holen zudem jetzt die Investitionen nach, die sie vorab aufgrund der unsicheren wirtschaftlichen und konjunkturellen Entwicklung nicht getätigt haben. Eine weitere Ursache könnte das niedrige Zinsniveau sein, das Unternehmen nach anderen Investitionsmöglichkeiten suchen lässt.

Mehr Mut zum Risiko

Die Unternehmen sind sich durchaus bewusst, dass sie für ihr Geld kaum noch einen Ertrag erwarten dürfen. Das dürfte der Grund dafür sein, dass sie ihr Geld für einen längeren Zeitraum anlegen und die relative Bedeutung der Sicherheit der Anlage abnimmt. Haben 2013 nur 23 % der befragten Unternehmen ihr Geld länger als ein Jahr festgelegt, sind es 2014 bereits 40 Prozent. Nur noch weniger als ein Viertel der Unternehmen legt sein Geld für drei Monate an, im vergangenen Jahr war das immerhin noch ein Drittel. Zwar legen derzeit noch immer 86 % der befragten Mittelständler in Sichteinlagen an (2013 waren es 97 %) und 82 % (2013: 87 %) in Festgelder beziehungsweise Termingelder, aber gleichzeitig stieg die Nachfrage nach Investmentfonds über alle Anlageklassen hinweg. Erstmals investierten fünf Prozent der Mittelständler in Immobilienfonds. Die Gefahr möglicher Kursschwankungen wir als nicht mehr so wichtig für die Auswahl einer Anlageform gesehen. „Wir beobachten, dass sich das Anlagevolumen zwar stabil hält, jedoch ändert sich das Anlageverhalten unserer Firmenkunden“, bestätigt Martin Keller, Geschäftsbereichsleiter Zins-, Anlage- und Währungsmanagement der Mittelstandsbank der Commerzbank.

Diese Entwicklung ist eine logische Folge der Renditeerwartungen der Unternehmen. Sie erwarten eine Mindestverzinsung von 2,83 %. Das ist ein % mehr als im Vorjahr. Die Autoren der Studie stellen sich die Frage, weshalb die Zinserwartung in diesem Jahr trotz annähernd gleichem Zinsniveau angestiegen ist und kommen zu dem Schluss, dass dabei die Überlegung mitspielt, dass vor dem Hintergrund der positiven wirtschaftlichen Entwicklung für Deutschland eine Zinserhöhung angebracht wäre. Doch im Rahmen einer europaweiten Geldpolitik ist dies nicht durchsetzbar. Deshalb ziehen die Autoren das Fazit: „Die geforderte Mindestverzinsung lässt sich nicht mit den hauptsächlich von mittelständischen Unternehmen genutzten Anlageformen erzielen.“ Das mag auch der Grund dafür sein, dass letztlich nur ein Drittel der Mittelständler auf das niedrige Marktzinsniveau bei der Finanzanlage reagiert.

Netzwerke auch bei der Geldanlage

Bei der Informationsgewinnung für ihre Anlageentscheidungen verlassen sich die Unternehmen nicht nur auf eine Quelle. Zeitungen und Zeitschriften (52 Prozent), Anlegerportale im Internet (25 %), ntv/N-24, Bloomberg und Reuters zählen zu den Informationsmedien. Die überwiegende Zahl der Unternehmen setzt nach wie vor auf Beratung durch die Bank, obwohl auch bei der Geldanlage ein Trend zum Online-Banking erkennbar ist. Etwa die Hälfte der Befragten wickelt Wertpapiergeschäfte online ab oder kann es sich vorstellen. „Dies unterstreicht den Trend zur integrierten Multikanalbank, in der einfache Geschäftsvorgänge online vorgenommen, komplexe Entscheidungen hingegen weiterhin durch eine fundierte Beratung unterstützt werden sollen“, sagt Keller. Dafür spricht, dass bei der Frage nach den Informationsquellen für die Geldanlage das Research der Hausbank an zweiter Stelle steht. Über 50 % der Unternehmen besorgen sich ihre Informationen über Geschäftspartner und Freunde – ein Phänomen, das sich immer wieder bei mittelständischen Unternehmen zeigt, die sich gerne über ihre Netzwerke austauschen.