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8. März 2015

„Wir wollen Haltung vermitteln“

Viele Familienunternehmen haben ein Compliance-System, aber nur die wenigsten reden darüber in der Öffentlichkeit. Eine der wenigen Ausnahmen: Der Laserspezialist Trumpf. Die Redaktion von den Familienunternehmer-News sprach mit Christian Greger, der bei Trumpf im Zentralbereich Recht und Gesellschaftspolitik für das Thema Compliance verantwortlich ist.

Wie ist Ihr Unternehmen bei der Implementierung des Compliance-Systems vorgegangen?

Christian Greger: Unser derzeit gültiges Compliance-Programm wurde im Geschäftsjahr 2009/10 eingeführt. Sein Kern ist ein für alle verbindlicher Verhaltenskodex. Das mehrseitige Dokument liegt in 14 Sprachen vor und gibt in Kapiteln wie „Wir verhalten uns gesetzestreu“, „Wir vermeiden Gefahren für Mensch und Natur“ oder „Wir schützen das geistige und materielle Eigentum“ klare Verhaltensrichtlinien. Grundlage für den Kodex sind die Werte, die wir seit langem in unseren Unternehmensgrundsätzen festgeschrieben haben. Ein zentraler Satz dieser Grundsätze lautet: „In allem was wir tun, leiten uns Fairness, Maß und Vertrauen.“ Das ist auch im Zusammenhang mit dem Thema Compliance wichtig. Wir wollen keine Überregulierung, wir wollen Haltung vermitteln und den Mitarbeitern vertrauen können.
Bei der Implementierung des Compliance-Programms haben wir viele verschiedene Kommunikationskanäle genutzt. Jeder Mitarbeiter hat seinen persönlichen Kodex ausgehändigt bekommen, FAQ-Listen, Schulungen und ein eigener Bereich im Intranet dienten und dienen als flankierende Maßnahmen. Das Thema war wichtiger Bestandteil von Führungskräfte-Besprechungen und wurde als Modul in die regelmäßigen Vertriebs- und Einkaufsschulungen integriert.

Mit welchen Herausforderungen sah sich Ihr Unternehmen konfrontiert?

Die größte Herausforderung war der Zeitpunkt der Einführung des Compliance-Programms: 2009 – mitten in der Krise. Inhaltlich ist entscheidend, die Thematik positiv zu besetzen, nicht mit Verbotslisten zu drohen, sondern auf verständliche Weise zu sensibilisieren.

Welches sind die zentralen Elemente Ihres Compliance-Systems?

Die zentralen Elemente sind der Verhaltenskodex, die dazugehörigen Schulungen und die Informationen im Mitarbeiterportal. Der zentrale Gedanke lautet, dass wir nicht nur Regeln aufstellen, sondern Haltung vermitteln wollen.

Wie wurden/werden Mitarbeiter für das Thema sensibilisiert?

Die Vorsitzende der Geschäftsführung hat ihr Bekenntnis zum Thema Compliance in einem Schreiben an alle Mitarbeiter verdeutlicht. Die Führungskräfte wurden in entsprechenden Veranstaltungen dazu angehalten, das Thema mit den Mitarbeitern zu diskutieren. Im laufenden Geschäftsjahr wollen wir das Compliance Programm modernisieren und erweitern. In diesem Zusammenhang planen wir eine erneute Kommunikationsoffensive, die das Bekenntnis der Geschäftsleitung erneuern und insgesamt für das Thema sensibilisieren soll.

Wie wird die Einhaltung der Vorgaben kontrolliert?

Durch ein internes Audit-Team, das weltweit in der Trumpf-Gruppe interne Revisionen durchführt.

Welche Tipps können Sie hier anderen Familienunternehmen geben, die ebenfalls ein Compliance-System aufbauen möchten?

Die Unternehmenskultur ist ein zentraler Aspekt, den es durch Leitlinien, Schulungen und andere Hilfsmittel zu ergänzen gilt, um den Mitarbeitern ein klares Bekenntnis zu vermitteln und Orientierung zu geben. Darüber hinaus darf es sich nicht um einen einmaligen Aktionismus handeln, das Thema muss vielmehr nachhaltig implementiert und in Wellen immer wieder in den Vordergrund geholt werden. So planen wir derzeit beispielsweise eine Modernisierung des Compliance-Systems verbunden mit einer Kommunikationskampagne, die Ende des Geschäftsjahres starten sollen.

www.trumpf.com

Tipp: In der Dezember-Ausgabe von DIE NEWS, dem Magazin für Familienunternehmen, dreht sich alles um das Thema Compliance.