Aktuelles
9. März 2015

Familienunternehmer fürchten enges Arbeitsrecht-Korsett

Eine knappe Mehrheit der Familienunternehmer blickt weiterhin positiv ins neue Jahr. In einer Umfrage unter 853 Mitgliedsunternehmern der Verbände „Die Familienunternehmer“ und „Die Jungen Unternehmer“ rechnen 57 Prozent mit einem wachsenden operativen Geschäft. Im Vorjahr waren es noch 63 Prozent. Diese leichte wirtschaftliche Eintrübung spiegelt sich auch bei den Arbeits- und Ausbildungsplätzen wider. Wie im Vorjahr wollen zwar immer noch rund ein Drittel (34 Prozent) der deutschen Familienunternehmer im nächsten Jahr zusätzliche Arbeitsplätze schaffen, doch die Prozentzahl derer, die Arbeitsplätze reduzieren müssen, erhöht sich um drei Prozentpunkte auf zwölf. Eine ähnliche Tendenz ist auch bei den Ausbildungsplätzen zu erkennen. Die größten Sorgen bereitet den Unternehmern die De-Flexibilisierung des Arbeitsrechtes (60 Prozent) durch die Rente mit 63, den Mindestlohn sowie durch Genderquoten.

Arbeitsmarkt muss flexibler sein

Lutz Goebel, Präsident von „Die Familienunternehmer“, zieht ein ernüchterndes Fazit des Jahres 2014: „Die große Koalition hat einen für die Wirtschaft fatalen Start hingelegt. Die Folgen der wettbewerbsschädlichen Politik werden wir noch lange zu tragen haben. Für die verbleibende Zeit der Legislaturperiode ist es wichtig, den Standort Deutschland wieder attraktiver für Investitionen zu machen. Dazu gehört auch, den Arbeitsmarkt flexibler zu gestalten. In Zeiten extremen Fachkräftemangels stehen wir eher vor dem Problem, unsere Mitarbeiter nicht zu verlieren. Da sollten die Politiker nicht noch tiefer in die Vertragsfreiheit eingreifen und uns mit Zeiterfassungsbürokratie und Regulierungen, wen wir wann und wie lange zu welchem Gehalt einstellen, überfluten.“

Aktive Sparpolitik nötig

Vertrauen haben die Familienunternehmer in Schäubles Versprechen, 2015 keine neuen Schulden zu machen. Gaben im vergangenen Jahr noch 44 Prozent der Befragten an, wegen der Verschuldung des Bundes besorgt zu sein, waren es 2014 nur noch 31 Prozent. Lencke Steiner, Bundesvorsitzende des Verbands „Die Jungen Unternehmer“ sagt: „Die GroKo hat 2015 die einmalige Chance, die maßlose Verschuldungspolitik der vergangenen Jahrzehnte zu beenden. Die Rahmenbedingungen für einen Bundeshaushalt ohne neue Schulden sind besser denn je. Für die junge Generation ist es wichtig, dass die schwarze Null jedoch nicht zu einem einmaligen Spektakel verkommt. Sie muss auch über 2015 eingehalten und Alt-Schulden konsequent zurückgezahlt werden. Dazu ist eine aktive Sparpolitik notwendig, da die Steuereinnahmen nicht mehr so stark ansteigen werden wie zuletzt.“

Furcht vor Steuererhöhungen

Skeptischer sind die Familienunternehmer jedoch beim Versprechen der Union, die Steuern nicht zu erhöhen. 57 Prozent der Befragten gaben Steuererhöhungen als große Gefahr an. „Wir Familienunternehmer fürchten vor allem die Neugestaltung der Erbschaftsteuer, besonders die individuelle Bedürfnisprüfung für große Familienunternehmen. Hier ist der Gesetzgeber gefragt, mit Sorgfalt die Kriterien einer solchen Prüfung zu definieren“, betont Goebel. „Denn: Geraten diese Hidden Champions wirtschaftlich ins Schwanken, stehen schon Private-Equity-Fonds aus dem Ausland Schlange, um sie aufzukaufen. Damit würden wir unsere einzigartige Wirtschaftsstruktur in Deutschland zerstören, die auf einer eigenkapitalstarken Finanzierungskultur basiert und in der Krise unser Anker war. Das Urteil des Bundesverfassungsgerichts ist daher nicht nur eine wegweisende Entscheidung in Sachen Erbschaftsteuer. Das Urteil ist auch ein Wegweiser, in welche Richtung die deutsche Wirtschaft in Zukunft steuert.“