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20. März 2015

Fitschen: „Überzeugt von Europa“

Viele Familienunternehmer und Führungskräfte trafen sich am 19. Januar in der Alten Reithalle im Hotel Maritim zum Neujahrsempfang der Deutschen Bank in Stuttgart. Man war gespannt darauf, was Jürgen Fitschen, Co-Vorsitzender des Vorstands der Deutschen Bank, zum Thema Euro und EZB-Politik zu sagen haben würde.

Thomas Keller, Sprecher der Geschäftsleitung der Bank in Stuttgart, begrüßte die Gäste und gab einen Rückblick auf das Jahr 2014 in der Region. 2014 sei nicht ganz so gut gelaufen wie erhofft, aber insgesamt „nicht schlampig“, wie der Schwabe sagen würde. „Die Wirtschaft hat sich auf hohem Niveau gehalten und ist leicht gewachsen“, fasste Keller zusammen. 2015 würde sicherlich weiterhin die Digitalisierung eine große Rolle für alle spielen. Auch die Deutsche Bank habe eine Digitalisierungsinitiative eingeläutet. „Wir wollen den Wandel als Verbündeten gewinnen“, sagte Keller.

Für 2015 empfahl der Bankier den Unternehmen, achtsam zu sein und Erfolge zu hinterfragen. „Wir sind aus dem Tal im Jahr 2008 in lichte Höhen gestiegen und jetzt in der mühsamen Ebene angekommen“, beschrieb er die Entwicklung der letzten Jahre. Er warnte vor dem „süßen Gift der Abwertung“. „Wir müssen uns fragen, ob unsere Erfolge der eigenen Exzellenz geschuldet sind oder dem Rückenwind einer weichen Währung“, mahnte Keller und kritisierte auch die verhaltene Investitionstätigkeit, die nicht zur aktuellen Situation passe.

Unsicherheit bleibt

Jürgen Fitschen machte klar, dass die Unsicherheit weiterhin ein Begleiter der Weltwirtschaft sein werde. Mit der Entwicklung in der Ukraine stehe wieder „so etwas wie ein kalter Krieg“ vor der Tür. Die Welt sei nicht in Ordnung, man müsse nur den Mittleren Osten anschauen, wo mittlerweile statt des erwünschten „arabischen Frühlings“ wieder der politische Winter eingekehrt sei; die schwelenden Konflikte zwischen dem Iran und Saudi-Arabien oder zwischen China und Japan. Die neue Regierung in Indien pflege eine sehr nationalistische Sprache. Doch es gebe auch Positives, wie die Entwicklung in Tunesien und die Annäherung zwischen den USA und Kuba.

„Insgesamt scheint das globale Wirtschaften nicht durch die Krisen beeinträchtigt“, bilanzierte der Co-Vorstandsvorsitzende. „2014 ist die Weltwirtschaft etwa 3,2 Prozent gewachsen, 2015 werden es voraussichtlich 3,5 oder 3,6 Prozent sein. Der niedrige Ölpreis wirkt als Konjunkturprogramm, könnte allerdings auch zur Waffe werden.“ Die Konsequenzen des sinkenden Ölpreises würden unterschätzt, denn die nationalen Budgets der Förderländer seien nicht mehr abgedeckt. Für die USA würde sich das Fracking bei weiter sinkenden Ölpreisen nicht mehr lohnen und die Verfügbarkeit von billigem Öl und Gas nehme wieder ab. Auch dass das Wachstum primär durch billiges Geld gefördert werde, sei ein Unsicherheitsfaktor.

Die Zeiten der D-Mark sind passé

Im Hinblick auf die viel diskutierte Geldpolitik der EZB stellte Fitschen die Frage, was denn passiert wäre, wenn die EZB und Draghi nicht gehandelt hätten, wie sie es taten. „Die Zeiten der D-Mark sind endgültig passé“, sagte Fitschen. „Wir dürfen die Währungsunion nicht aufgeben, auch wenn die Politik des billigen Geldes weitergehen wird. Ich bin zwar nicht überzeugt, dass diese Politik Erfolg haben wird. Sie wirkt offensichtlich in 'jungen' Staaten wie den USA – in den 'alten' Ländern aber nicht. Dennoch unterstütze ich die Maßnahme, denn die Märkte erwarten, dass die EZB ihren Ankündigungen Taten folgen lässt. Tut sie es nicht, sind weitere Kapriolen zu befürchten.“ 2015 erwarteten die Wirtschaft große Unsicherheit und Volatilität, deshalb empfahl Fitschen den Zuhörern: „Tun Sie nichts, von dem Sie nicht überzeugt sind.“

Insgesamt werde es darum gehen, die Europäische Union weiter nach vorne zu bringen, andere dabei zu unterstützen und Vorreiter darin zu werden, Europa weiterzubauen. „Ich bin immer noch überzeugt vom europäischen Weg. Es hapert lediglich bei der Umsetzung“, schloss Fitschen. (-ap)