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9. April 2015

Franchise-Verband: Erste Anlaufstelle für Unternehmen

Matthias Lehner ist Gründer der Fitness-Kette „Bodystreet“, Vorstand des Deutschen Franchise-Verbands (DFV) und leitet den DFV-Marketing-Ausschuss. Im Interview mit der News-Redaktion erläutert er, wie der Verband die Vertriebs- und Organisationsform Franchising fördert.

Wie unterstützt der Deutsche Franchise-Verband Unternehmen bei der nachhaltigen Umsetzung ihrer Franchisesysteme?

Matthias Lehner: Der Verband versteht sich als Gemeinschaft, die sich zum Ziel gesetzt hat, dass Franchising in seiner ganzen Vielfalt immer bestimmten Werten und einem hohen Qualitätsgedanken gerecht wird. Wenn ein Unternehmen davon überzeugt ist, eine tolle Idee für ein Franchisesystem zu haben, sind wir die erste Anlaufstelle. Wir raten dringend davon ab, sich alleine auf dieses Feld zu wagen, denn es lauern nicht wenige Fallstricke. Die Erfahrung hat gezeigt, dass unzureichend geplante Franchisesysteme schnell scheitern und der an sich sehr gute Franchising-Ruf leidet. Daher gilt es erst einmal genau zu schauen, ob das Unternehmen überhaupt franchisefähig ist, wo die Firma steht und welche Kinderkrankheiten es gibt. Nur ein funktionierendes Franchisesystem kann letztlich auch gesund wachsen. Für all das finden Interessierte auf der DFV-Website kostenlose Checklisten und Hinweise von Experten. In einem zweiten Schritt bieten wir über das Deutsche Franchise-Institut (DFI) potenziellen Franchisegebern und Mitarbeitern der Franchisezentrale zweimal im Jahr die viertägige „Schule des Franchising“ an, um einen tieferen Einblick in die Materie zu erhalten und von erfahrenen Franchisegebern Tipps zu bekommen. Danach trennt sich relativ schnell die Spreu vom Weizen. Einige Unternehmen legen danach ihre Franchisebemühungen vorerst auf Eis.

Jungen Franchisesystemen steht eine assoziierte Mitgliedschaft offen, sobald sie mindestens zwei Franchisenehmer haben. Wir prüfen dann die Verträge und haben ein Auge darauf, inwieweit das Know-how in Form eines Handbuchs für die Franchisenehmer dokumentiert und wie das Unternehmen strukturiert ist. Nach zwei Jahren gibt es einen kompletten System-Check und eine unabhängige Partnerzufriedenheitsanalyse. Erst wer bei dieser Überprüfung eine bestimmte Punktzahl erreicht hat, wird Vollmitglied, muss sich aber alle drei Jahre wieder diesem Test unterziehen. Wer dabei schlecht abschneidet, wird zurückgesetzt. Doch selbst große Fastfood-Ketten wie Burger King oder Subway haben diese hohen Qualitätskriterien nicht erfüllt und sind damit nicht Teil der DFV-Qualitätsgemeinschaft.

Inwieweit haben sich die Franchisemodelle in den vergangenen Jahren verändert beziehungsweise die Anforderungen an Franchisegeber?

Da zitiere ich gerne unseren DFV-Präsidenten Dr. Dieter Fröhlich: „Früher musste man Hungrige satt und heute Satte hungrig machen.“ Das beschreibt sehr gut, wie sich das Profil der Franchisenehmer verändert hat. Sie sind nicht Unternehmer zweiter Wahl, die auf Anordnungen von oben ohne Wenn und Aber agieren. Franchisegeber haben es heute mit Unternehmern zu tun, die mitdenken wollen. Das heißt, hierarchische Modelle, wie wir sie von früher her kennen, gibt es nicht mehr. Gefordert sind stattdessen Transparenz, Mitbestimmung sowie eine Kommunikation, die andere motiviert. Natürlich gibt es eine klare Aufgabenteilung, aber immer mit dem Fokus auf das Wohl des gesamten Franchisesystems. Peter Stöger, Trainer des Fußball-Erstligisten 1. FC Köln, hat kürzlich gesagt: „Ich habe hier ein Franchiseunternehmen mit 22 Egoisten und ich muss ein Spielsystem durchsetzen, das alle begeistert und mitnimmt.“ So muss auch ein Franchisegeber heutzutage denken und handeln.

Ihr Verband bietet spezielle Weiterbildungen an. Welche Themenbereiche werden hier abgedeckt?

Unsere Weiterbildungsmaßnahmen entwickeln wir in Zusammenarbeit mit dem Deutschen Franchise-Institut. Natürlich stehen rechtliche Aspekte ganz oben auf der Agenda, die auch beim Franchising einiges von den Unternehmern abverlangen. Bei den Angeboten geht es aber auch um die Professionalisierung der Franchisezentrale, des Partnermanagements, des Krisenmanagements und des Marketings sowie um die strategische Ausrichtung im Allgemeinen. Auch ganz praktische Dinge wie der Aufbau eines Handbuchs spielen eine zentrale Rolle. Unser Flagship ist die Ausbildung zum Franchisemanager mit IHK-Abschluss.

Sie arbeiten auch mit dem Franchise Campus zusammen, der Fachschule im hessischen Weilburg. Wie profitieren Unternehmen von dieser Kooperation?

Gerade wenn es um die praktische Umsetzung, die Organisation von Franchisemodellen und den Aufbau einer Franchisezentrale geht, haben viele Unternehmen enorme Schwierigkeiten. Wir stellen hier Kontakt zu Studenten und Absolventen der Franchise-Fachschule her, die den Unternehmen dann in der Anfangsphase unter die Arme greifen. Damit haben wir gute Erfahrungen gemacht.

Im vergangenen Jahr hat Ihr Verband erstmals den DFV-Award verliehen. Was zeichnet die Gewinner aus beziehungsweise was macht einen guten Franchisegeber/eine gute Franchisemarke aus?

Bereits seit vielen Jahren zeichnet das Wirtschaftsmagazin „Impulse“ herausragende Franchise-Unternehmen aus. Doch es war an der Zeit, etwas Eigenes auf die Beine zu stellen. So fiel 2014 für uns der Startschuss. Für die Bewertung der Teilnehmer ziehen wir unter anderem die Partnerschaftsanalysen heran. Zudem nehmen wir das Systemwachstum und die Art und Weise wie Franchisenehmer unterstützt werden, genau unter die Lupe. Das heißt, es ist für uns enorm wichtig, was der Franchisegeber alles unternimmt, damit seine Partner möglichst erfolgreich sind. Auch das Thema Aus- und Weiterbildung der Mitarbeiter in den Zentralen ist ein Kriterium. Letztlich zeigt uns auch die Form der Bewerbung, wie sich das Unternehmen nach außen hin verkauft, ob es dabei besonders kreativ vorgeht oder eher unauffällig auftritt. Der Award wird in drei Kategorien von einer extern besetzten Jury vergeben: Einer geht an ein junges Franchisesystem, das aber mindestens fünf Jahre auf dem Markt sein muss. Zudem wird das Franchise-Unternehmen des Jahres gekürt und ein Award für das beste Marketing vergeben. (-hf)

www.franchiseverband.com

Tipp: Mehr zum Thema Franchise gibt es in der Januar/Februar-Ausgabe von DIE NEWS.