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19. Mai 2015

Johannes Warth: Coaching im Sauseschritt

Wenn ein Vortrag mit dem Titel „7 Schritte zum Erfolg“ angekündigt wird, erwartet man normalerweise eine Powerpoint-Präsentation und ernste Worte, im besten Fall den einen oder anderen neuen Gedanken. Wenn der Redner jedoch Johannes Warth heißt, gibt es Kabarett auf höchstem Niveau: tiefgründig, mitreißend, mit so viel Wortwitz, dass der Zuhörer genau hinhören muss, und einer gehörigen Prise Humor.

Johannes Warth, Ermutiger und Überlebensberater, brannte beim Familienunternehmertag des Weissman-Instituts in Nürnberg am 8. Mai ein wahres Feuerwerk an Inspiration ab. Er trommelte auf einer Blechdose und einem Pappkarton, spielte auf der Ziehharmonika, gab den Rapper, jonglierte, zog ein Schwert und versuchte sogar mit Pfeil und Bogen eine brennende Kerze auszuschießen. Mit viel schauspielerischem Talent und zahllosen Wortspielereien brachte er seinen Zuhörern die „7 Schritte zum Erfolg“ nahe und rockte den Saal. Um die 200 Familienunternehmer lachten Tränen, sangen mit ihm und wollten gar nicht mehr aufhören zu klatschen und zu jubeln.

Die oberschwäbische Variante des Events

Was bedeutet überhaupt das Wort Erfolg? Laut Warth natürlich „er folgt“. Die deutsche Sprache sei eine logische Sprache, sagte er. Auf die Saat folge die Ernte und so sei das auch mit dem Erfolg, man müsse säen, bevor man ernten könne. Entscheidend für den Erfolg sei jedoch die Einstellung, die innere Haltung und natürlich müsse man irgendwann los laufen, etwas beginnen. „Wenn Sie morgens im Badezimmer in den Spiegel schauen, sollten Sie sich zurufen: ‚Das Beste, was den Menschen heute begegnen kann, bin ich!‘“, empfahl Warth seinen Zuhörern. „Wenn Sie diese Einstellung nicht haben, bleiben Sie am besten im Badezimmer.“

Seine Einstellung sich selbst und anderen gegenüber könne man jederzeit verändern. Dabei helfe der „Event“, den der bekennende Oberschwabe als „i wend“, also ich wende/verändere meine Denkweise, identifizierte. „Der Erfolg beginnt mit der Einstellung“, sagte Warth. Dabei sei es wichtig, auf die Körpersprache zu achten, denn wer einen Schritt zurückgehe, übermittle den anderen, dass er nicht zu dem stehen könne, was er sage. „Zu Recht fragt dann die Generation Y: ‚Why soll ich das machen, was der sagt?‘ Dagegen zeigt der Ausruf ‚Wie geil ist das denn!‘, dass derjenige, der es sagt, fest zu der Sache steht,“ untermauerte Warth die Aufforderung zur Selbstreflexion. „Sie sollen sich nicht in Frage stellen, sondern sich hinterfragen“, empfahl er.

Change-Prozesse seien in vielen Unternehmen gefürchtet. Widerstand und Angst verhinderten den Erfolg. Auch das eine Frage der Sichtweise – man müsse nur einen Buchstaben herausnehmen und einen anderen dafür einsetzen, dann werde aus dem gefürchteten Change die Chance. Außerdem stehe G für gewöhnlich und C für Celebration. Die Bedingungen für Unternehmen seien nie optimal. Man müsse sich fragen, was gute Bedingungen seien. „Hatten Carl Benz oder Robert Bosch gute Bedingungen?“, provozierte Warth.

Schwert-Kommunikation und Zielschießen

Dann zog der Ermutiger ein Schwert und kam zum Thema Kommunikation. „Führungskräfte kommunizieren oft nicht“, sagte er. „Sie teilen sich mit.“ Das ähnle dem Schwertkampf unserer Vorfahren, da werde es schnell schwierig, wenn jemand nicht hieb- und stichfest sei. „Worte, die einmal draußen sind, kann man nicht mehr zurückholen“, mahnte Warth und empfahl vorauszudenken, Position zu beziehen und keine Angst zu haben. Geradlinigkeit und Aufrichtigkeit seien die Basis nachhaltigen Erfolgs.

Immer noch mit dem Schwert in der Hand wandte sich Warth dem Thema Ziele zu. „Ziele müssen eindeutig sein. Die Mitarbeiter müssen wissen, wo es hingehen soll. Der Unternehmer oder Vorstand muss das sagen, schließlich steht er vorn“, frotzelte er. Der Vorstand sei sozusagen das Pendant zum Herzog, der „vor dem Heer herzog“. „Der kann sich nicht einfach hinter das Heer verkriechen. So wie Mel Gibson in Braveheart muss ein Heerführer sein. FK für Führungskraft steht schließlich nicht für fauler Krieger, sondern für fleißiger Kämpfer.“ Auch das Bergsteigen sei ein guter Vergleich. Das Ziel sei das Gipfelkreuz. Man könne nicht sagen: „Wir laufen so lange herum bis wir schwitzen.“

„Und natürlich muss man ein Ziel auch sehen – so wie das Gipfelkreuz“, sagte Warth und zündete eine Kerze an. „Die Führungskräfte müssen das Ziel und den Weg dorthin erklären und sich vergewissern, dass die Mitarbeiter es auch sehen. Es reicht nicht, neben der Kerze zu stehen und zu sagen: ‚Sie brennt noch‘. Die Mitarbeiter pusten aus vier Meter Entfernung und wundern sich, dass die Kerze nicht einmal flackert. Um das Ziel zu erreichen braucht man Werkzeuge, und muss wissen, wie man sie anwendet.“ Auf ein Ziel müsse man sich konzentrieren, einfältig sein, sagte Warth und versuchte sich im Bogenschießen quer über die Bühne.

Frohlockend bleiben

Offensichtlich reichte die Konzentration nicht aus, denn auch nach drei Schüssen hatte er die Kerze nicht getroffen, eine Steilvorlage für die nächste Weisheit: „Bleiben Sie frohlockend, auch wenn einmal etwas nicht klappt. Wer froh ist, der lockt andere an. Vertrieb dagegen kommt von vertreiben.“ Zur Ermunterung wurde mit der oberschwäbischen Schlagzeugvariante getrommelt und dazu gesungen. Nein, das ist untertrieben: Warth strich sich die Haare nach vorn, rappte und rockte, die Unternehmer johlten, pfiffen und brüllten den Refrain mit.

Wenn jemand sage „ja bist du denn verrückt“, sei das ein Kompliment. Verrückte Märkte, verlangten mutige Unternehmer. Man solle sich nicht an die Vergangenheit klammern, die sei ja schon weg. Das Beste, was man habe, sei das Jetzt. Wer auch in schwierigen Situationen frohlockend bleibe, sei mit-reißend, er sage, wo die Reise hingehe und nehme andere Reisende mit. „Geben Sie nicht auf, wenn etwas nicht funktioniert. Probieren Sie es immer wieder. Sie können alles lernen. Vertrauen Sie auf sich selbst“, sagte Warth und jonglierte unter dem Applaus der Zuhörer mit fünf Kugeln.

Hätte Warth seine sieben Schritte zum Erfolg auf eine Powerpoint-Präsentation gebracht, wäre die relativ kurz gewesen und längst nicht so kurzweilig: Seien Sie authentisch, kommunikativ, einfältig, frohlockend, mitreißend, tragend, vertrauend. (-ap)