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3. Mai 2015

Nicht viel verloren, aber viel gelernt

Neugründungen von Unternehmen sind Nachwuchs für den Mittelstand und Familienunternehmen. Die Gründungskurve in Deutschland zeigt jedoch seit Jahren nach unten. Nur wenige Menschen sind bereit, die Mühen einer Unternehmensgründung auf sich zu nehmen. Mladen Panov und seine beiden Mitgründer haben es sogar zweimal versucht. Beim ersten Versuch sind sie gescheitert. Beim zweiten Mal hat es geklappt. Seit 2013 unterstützt das Team nicht nur Start-ups, sondern berät erfolgreich mittelständische Unternehmen und Konzerne bei der Implementierung von Intrapreneurship-Programmen und Start-up-Innovationsprozessen.

„Bei unserem ersten Gründungsversuch waren wir vor allem verliebt in unsere Idee“, erzählt Panov. „Ich war gerade mit dem BWL-Studium fertig und für mich war immer klar, dass ich einmal selbstständig sein wollte. Als ein Studienkollege mit seiner Idee für eine App auf mich zukam, rannte er offene Türen ein. Ich fand die Idee gut und zusammen mit einem Informatiker stürzten wir uns in die Arbeit.“ Mit der App sollte die Buchung von Minicars und Funkmietwagen möglich sein, ganz ähnlich wie bei „Uber“.

Im Science-Fiction-Bereich

Die Ausbildung an der Universität hatte die jungen Gründer gut auf den Einstieg in ein Großunternehmen vorbereitet, die Frage „wie startet man mit einer eigenen Gründung?“ war jedoch nicht Teil des Lehrplans gewesen. „Wir schrieben Businesspläne, machten eine SWOT-Analyse und entwickelten eine Firmenidentität. Zwei Wochen lang suchten wir nach einem Namen für unsere App (Cabismo)“, schmunzelt Panov im Rückblick. „Dann entwickelten wir eine Liste mit den funktionalen Anforderungen – es wurden immer mehr. Wir erkannten, dass ein Programmierer nicht ausreichen würde und begannen mit der Suche nach dem vierten Mann. Wir bastelten Stellenausschreibungen und führten Bewerbungsgespräche. Doch eigentlich bewegten wir uns während der ganzen Zeit im Science-Fiction-Bereich, denn wir hinterfragten unsere Idee kein einziges Mal. Wir dachten nie darüber nach, ob es überhaupt einen Bedarf für unsere App gab, ob irgendjemand sie haben wollte.“

Ende 2012 nahm das Team an einem Bootcamp für Start-ups mit erfolgreichen Gründern und Mentoren teil. Die entscheidende Erkenntnis aus der Veranstaltung war für Panov und sein Team, dass sie ihr Büro verlassen mussten. „Uns war klar, dass wir nicht weiter an schönen Konzepten feilen durften, sondern in den Markt hören mussten“, erzählt der 27-Jährige. „Wir führten Interviews bei unseren potenziellen Zielgruppen und entwickelten einen Prototyp der App. Schweren Herzens machten wir Abstriche an Schönheit und Funktionalitäten. Schnell war klar: Es gab keine Nachfrage für unsere App. Es gab sogar Alternativen am Markt und die Nutzer waren nicht bereit, auf unsere App umzusteigen.“ Das Team begrub seine Idee schließlich schweren Herzens. Das Abenteuer hatte die drei ein Jahr intensive Arbeit und etwa 10.000 Euro gekostet. „Wir haben nicht viel verloren, aber viel gelernt“, sagt Panov heute. Der Markt müsse immer an erster Stelle stehen. Das spare nicht nur Zeit, sondern auch Geld. „Heute brauchen wir nur noch wenige Hundert Euro, um eine neue Idee zu testen.“

Aus Erfahrung wird man klug

Doch das dreiköpfige Team machte weiter. „Schließlich hatten wir etwas Wichtiges gelernt“, sagt Panov. „Eine gute Idee reicht nicht aus. Letztlich trägt die Idee fünf Prozent zum Erfolg bei, den Rest bringt die richtige Umsetzung. Wir hatten außerdem gelernt, dass es wichtig ist, sehr schnell in den Markt zu gehen und das Potenzial einer Idee innerhalb kürzester Zeit zu validieren. Das senkt das Risiko erheblich. Mit einer Website für ein neues Produkt und der Möglichkeit zur Vorbestellung merkt man schnell, ob überhaupt Interesse an dem Angebot besteht.“

Panov hat festgestellt, dass viele Gründer denselben Fehler machen wie er und sein Team. Selbst etablierten Unternehmen unterlaufen diese Fehler. „In großen Unternehmen ist die lineare Denkweise sehr ausgeprägt. Es gibt meistens einen festgelegten Innovationsprozess, der sich ebenfalls auf die Idee konzentriert“, sagt er. „Zuerst werden hohe Beträge und viel Zeit bei der Produktumsetzung investiert, schließlich schaut man, ob der Markt das Produkt akzeptiert und dann heißt es Top oder Flop.“

Start-up-Kultur in die Unternehmen

Panov und seine Kollegen geben ihre Erkenntnisse mit ihrem Unternehmen „MAK3it“ an Start-ups und etablierte Unternehmen und Konzerne weiter. „Die Digitalisierung zwingt die Unternehmen, nach neuen Geschäftsfeldern zu suchen. Das tun sie entweder mit Projekten innerhalb des Unternehmens oder indem sie Start-ups kaufen. Meistens funktioniert beides nicht, denn um die Start-up-Innovationskultur in etablierte Unternehmen zu tragen, muss sich deren Denkweise ändern. Das muss bei den Entscheidungsträgern beginnen“, sagt Panov. „Viele betrachten Start-ups als die kleinen Versionen von großen Unternehmen, doch die Strukturen eines Start-ups unterscheiden sich sehr von denen eines großen Unternehmens. Während Start-ups vorwiegend nach einem erfolgreichen Geschäftsmodell suchen, schreiben Konzerne Prozess- und Kosteneffizienz groß.“ Panov uns seine Kollegen plädieren deshalb dafür, Unternehmer im Unternehmen zu schaffen und die Denkweise von Start-ups in den Unternehmen zu verankern, also schneller und mit weniger Risiko Produkte und Dienstleistungen zu entwickeln.

Das Konzept kommt an: Zu den Kunden des jungen Unternehmens zählen mittlerweile sogar Schwergewichte wie die Telekom. Im Jahr 2014 hat er mit seinem Unternehmen über 100 Geschäftsmodelle analysiert und 17 Corporate Start-up Teams gecoached. Vier davon testen schon intensiv erste Produkt-Prototypen am Markt. Darüber hinaus wurden zwölf Start-ups begleitet, die kumuliert über eine Million monatliche Webseitenbesucher haben.

„Unternehmen, die die Dynamik eines Start-ups nutzen möchten, sollten es nicht in das eigene Unternehmen integrieren, sondern externe Inkubatoren mit einer kompletten eigenen Infrastruktur schaffen, damit die Start-ups unabhängig von den Kernprozessen des Unternehmens gedeihen können“, schlägt Panov vor. „Einige Konzerne machen das bereits vor. Sie unterstützen die Start-ups mit ihren Netzwerken und Kundenkontakten. Langfristig erschließen sie sich auf diese Weise neue Geschäftsmodelle, stellen nachhaltiges Wachstum sicher.

Und noch etwas ist Panov bei jedem Innovationsprozess wichtig: das richtige Team. „Ein gutes Team mit einer schlechten Idee ist besser als ein schlechtes Team mit einer guten Idee“, sagt er. „Das haben wir selbst erfahren. Nachdem wir mit Cabismo gescheitert waren, konnten wir nur weitermachen, weil wir ein starkes Team waren und uns gegenseitig gestützt und motiviert haben.“

www.mak3it.de

Tipp: In der Ausgabe April des Unternehmermagazins „Die News“ finden Sie weitere Artikel zum Thema Unternehmensgründung.