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6. Juni 2015

Kommunikation: Der Chef ist gefragt

Nicht immer gefallen alle Entscheidungen, die in Unternehmen getroffen werden, allen. Die richtige Kommunikation kann entscheidend dazu beitragen, Konflikte zu verhindern und die Umsetzung von Entscheidungen zu verbessern.

Entscheidungen der Unternehmensführung stehen immer im Spannungsfeld zwischen Inhabern oder deren Beauftragten, den Mitarbeitern und dem Markt. Es gehe nicht nur um „Kommunikation im Vorfeld“, sondern um eine kontinuierliche und möglichst vertrauensvolle Kommunikation zwischen den Hierarchie-Ebenen, auch zwischen ganz oben und ganz unten, ist Kommunikationsexperte Helmut von Stackelberg überzeugt. „Dieses Vertrauen, das idealerweise über die Jahre hinweg aufgebaut wird, zahlt sich dann im ‚Ernstfall‘ aus – sei es nun eine Übernahme eines anderen Unternehmens, ein Stellenabbau, der Wegfall eines Werks, eine Standortverlagerung oder Ähnliches“, sagt er. „Betrachten wir die Megafusion von Nokia und Alcatel-Lucent. Wirtschaftlich gesehen absolut richtig, um der chinesischen Konkurrenz im Ausrüstungsmarkt Paroli bieten zu können. Atmosphärisch gesehen vielleicht etwas zu hemdsärmelig, denn dass die Franzosen den Namen Alcatel nicht verschwinden sehen wollen, war vorhersehbar. Bezüglich der Mitarbeiter wird alles darauf ankommen, dass die Kommunikationsmaßnahmen, die schon seit Wochen, zum Teil seit Monaten vorbereitet und realisiert wurden, zügig bei den Empfängern ankommen. Sachlich-inhaltlich und vor allem emotional. Denn Mitarbeiter, die Entscheidungen nicht nachvollziehen können, die Angst um ihren Arbeitsplatz haben oder sich schlecht behandelt und übergangen fühlen, gehören selten zu den produktivsten.“

Alle Kommunikationskanäle nutzen

Welche Formen der Kommunikation sich anbieten, hängt nach Erfahrung des Experten auch von der Unternehmensgröße ab: „Egal, ob sich der Chef live in einer Mitarbeiterversammlung in der Kantine an seine 50 Mitarbeiter wendet, oder ob der Vorstandsvorsitzende eines globalen Konzerns über eine Videobotschaft an 50.000 Beschäftigte weltweit für die Entscheidungen wirbt, Kommunikation muss immer über mehrere Kanäle erfolgen.“ Von Stackelberg empfiehlt hier als schnellsten Kanal das Intranet, denn damit könne man die meisten Mitarbeiter erreichen. „Der Sachverhalt kann per Aushang am nach wie vor lebendigen schwarzen Brett erklärt und erläutert werden oder durch Handzettel in der Kantine. Auch eine Mitarbeiterzeitung, die ganz aktuell in der Nacht zuvor gedruckt wird, oder die Regelkommunikation in Betrieben mit hohem Anteil gewerblicher Arbeitnehmer sind mögliche Kommunikationsmittel.“ Eigentlich sei die Antwort auf die Frage nach den richtigen Formaten ganz einfach: Alle die, bei denen der Unternehmer die Kommunikationsfäden in seinen Händen führt und die Deutungshoheit behält. Von Stackelberg warnt: „Niemals aber darf der Mitarbeiter über die wichtigsten Rahmenbedingungen seines Arbeitsplatzes aus der Zeitung oder aus dem Radio erfahren.“

Rechtzeitig informieren

Besonders gut, um einen Konsens zu fördern, eigne sich die partizipative Kommunikation, auch wenn das „schrecklich abgedroschen klingt und nicht in allen Fällen realisierbar ist“. Damit ist gemeint, dass nicht nur professionell, umfassend und zeitnah über alles informiert wird, was kommuniziert werden kann, sondern dass Mechanismen wie Workshops, Diskussionsplattformen und Foren dazu genutzt werden, in einen Dialog mit den Mitarbeitern zu treten. „Natürlich geht das nicht bei einer bevorstehenden Megafusion“, sagt der Kommunikationsexperte. “ Aber es gibt eine Vielzahl von Unternehmensentscheidungen, die deshalb nicht allen gefallen, weil sie ‚mal wieder nicht gefragt worden sind‘. Untersuchungen zeigen, dass Mitarbeiter Entscheidungen des Managements auch dann positiver sehen, wenn sie eigentlich anderer Meinung waren – vorausgesetzt, sie waren in irgendeiner Weise in den Entscheidungsprozess einbezogen. Und sei es nur durch rechtzeitige Information.“

Auch Querköpfe ansprechen

Kommunikation müsse immer personenbezogen erfolgen. „Sie entfaltet dann ihre produktive Kraft, wenn der Absender und der Empfänger in eine Beziehung treten. Je wichtiger eine Entscheidung für das Unternehmen ist, desto mehr ist der Chef selbst gefordert, und zwar als Persönlichkeit, nicht nur als Funktionsträger“, ist von Stackelberg überzeugt. „Je höher der Stellenwert der Kommunikation in einem Unternehmen gesehen wird, desto persönlicher wird auch der Mitarbeiter angesprochen, als Mensch, nicht nur als Produktionsfaktor. Aktuelle Informationen über wichtige unternehmerische Entscheidungen personalisiert mit der nächsten Gehaltsabrechnung an die Mitarbeiter auszuteilen, ist ein überschaubarer Aufwand, der sich auszahlt.“ Alle anzusprechen sei also einfach, aber zu erreichen, dass sich auch alle angesprochen fühlen, schon schwieriger. Dass alle Querköpfe auf die Meinung der Unternehmensleitung einschwenken, ist nach Erfahrung des Experten nahezu ausgeschlossen. „Aber es kann sich lohnen, zumindest zu versuchen, die Querköpfe mit in die Kommunikationsüberlegungen einzubinden. Denn welchen Input, den man nicht schon selbst kennt, kann man von Ja-Sagern oder Strebern erwarten?“, fragt von Stackelberg.

Inhaber und Führungskräfte seien naturgemäß die Ansprechpartner für die Stakeholder außerhalb des Unternehmens von den Medien über die Kunden und die Banken bis zur allgemeinen Öffentlichkeit. „Sie sind gleichzeitig die personifizierte Reputation des Unternehmens“, unterstreicht der Experte. „Führungskräfte, die sich dieser Rolle bewusst sind und sie verantwortungsvoll mit Leben füllen, tun nicht nur ihrer Firma etwas Gutes. Sie schaffen damit auch die Grundlagen für eine konfliktärmere Durchsetzung von Entscheidungen, wenn es einmal hart auf hart gehen sollte.“