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4. Juli 2015

Günther H. Oettinger auf der Familienunternehmer-Konferenz der News

Die einen mögen ihn, die anderen halten sich an seinem Englisch auf, manche beklagen seine Nähe zu den Brüsseler Lobbyisten, aber die meisten haben eine Meinung zu Günther H. Oettinger, seit November 2014 EU-Kommissar für Digitale Wirtschaft und Gesellschaft. Er selbst hat auch eine Meinung und äußert sie meistens ziemlich unverblümt.

Man darf gespannt sein, was er in der Diskussionsrunde mit Martina Koederitz, IBM, Ulrich Dietz, GFT, Fabian Henrichsen, Henrichsen AG, und Carsten Unnerstall, Tocario, zum Thema „Digitale Revolution und globaler Wettbewerb“ zu sagen hat. Eines ist sicher – Oettinger mahnt zur Eile. Das Internet für und von Konsumenten habe Deutschland beziehungsweise Europa schon an die USA verloren, sagte er auf der Hannover Messe. Jetzt gehe es darum, dass dies bei der Vernetzung der Produkte samt darauf basierenden Dienstleistungen nicht passiere.

Der 61-Jährige geht seine Aufgaben mit Leidenschaft an, arbeitet sich schnell in neue Themengebiete ein und straft diejenigen Lügen, die behaupten, er habe keine Sachkenntnis. Der Schwabe war von 2005 bis 2010 Ministerpräsident in Baden-Württemberg. Danach ging er als Energiekommissar nach Brüssel. Auch in dieser Funktion war er unbequem, wenn er zum Beispiel sagte: „Die einseitige Förderung Erneuerbarer Energien mittels EEG setzt die falschen Investitionsanreize. In Verbindung mit den günstigen Energiepreisen in den USA und Asien und unserer eigenen Energieverschlossenheit werden wir über kurz oder lang eine schleichende De-Industrialisierung in Deutschland erleben.“ Die Energiewende erschöpfe sich nicht in neuen Leitungen, Photovoltaik auf den Dächern und ein paar Windrädern im Schwarzwald, schrieb er den Schwaben ins Stammbuch.

Digitalisierung: „Wir vervespern unseren Vorsprung“

Bezüglich der Digitalisierung formulierte er auf einer Veranstaltung der Komet Group in Besigheim: „Im Moment vervespern wir unseren Vorsprung. Die USA sind zurück, während wir uns ausruhen. Wir befinden uns in einer Aufholjagd. Wir müssen aus der Theorie in die Praxis kommen.“ Europa und Deutschland seien bei der Digitalisierung weit abgeschlagen, monierte Oettinger. „Wenn das E-Auto kommt, brauchen wir keine Kolben von Mahle mehr, keine Anlagen von Eberspächer und keine Motorenteile, die mit Werkzeugen von Komet produziert werden“, malte er ein Krisenszenario an die Wand. „Das Auto wird ein digitales Büro auf vier Rädern sein.“

Daten, so Oettinger, seien die Rohstoffe der Zukunft. „Wer die Daten hat, hat die Macht“, sagte er. In Europa brauche es einen Bewusstseinswandel und eine gemeinsame Strategie. „Europa braucht eine digitale Infrastruktur über Ländergrenzen hinweg, ein paneuropäisches digitales Netz“, so Oettinger weiter. „Die Digitalisierung wird die Realwirtschaft revolutionieren. Wir sind gerade einmal im ersten Drittel der Entwicklung angekommen.“

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