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21. November 2015

Deutsche Transport- und Logistikbranche profitiert vom Export

Der Branchenbericht Transport und Logistik der Commerzbank zeichnet für 2015 ein uneinheitliches Bild. Zwar zeigt sich die Güterverkehrsnachfrage insgesamt durch eine geringere Wirtschaftsdynamik der Schwellenländer mit schwächerem Wachstum, aber Paketdienste und die Kontraktlogistik sowie im Personenverkehr der Kreuzfahrtmarkt und das Fernbussegment zeigen sich wachstumsstark.

Probleme bereiten den deutschen Transporteuren besonders bei einfachen Transporten nach wie vor bestehende Überkapazitäten, geringe Markteintrittsbarrieren und die Konkurrenz aus Osteuropa. Insgesamt ist der Logistik-Standort Deutschland jedoch weltweit mitführend und profitiert vom starken deutschen Export. Allerdings sind hohe Investitionen zur Aufrechterhaltung der Infrastruktur erforderlich. Darüber hinaus muss sich die Industrie auf Big Data und Industrie 4.0 vorbereiten.

Größe und Netzwerke nützlich

Laut den Experten haben kleinere Unternehmen zunehmend Schwierigkeiten, sich am Markt zu behaupten. Sie arbeiten vermehrt als Subunternehmer großer Logistiker, verfügen kaum über Verhandlungsmacht und erzielen nur geringe Margen. Insbesondere bei einfachen Transportdienstleistungen ist die Insolvenzanfälligkeit überdurchschnittlich hoch. Chancen liegen hier in Kooperationen. Sie bringen Größen- und Netzwerkvorteile, vor allem bei mittleren Betrieben. Auch neue Anforderungen durch verkehrsübergreifende Vernetzung und mittelfristig regionale Verlagerungen von Warenströmen, zunehmende Sicherheits- und Umweltschutzauflagen sowie anhaltend volatile Märkte sprechen für Kooperationen.

Qualität nach wie vor eine Chance

Deutsche Logistikunternehmen sind für gute Qualität bekannt und haben sich auf zum Teil hochwertige Dienstleistungen spezialisiert. IT-Kompetenz und Asset-Light-Konzepte steigern die Flexibilität und reduzieren Überkapazitäten in der Branche, die auf den Kunden beziehungsweise die Branche zugeschnittene Logistikdienstleistungen bietet. Darüber hinaus verfolgen deutsche Logistiker und Transporteure häufig eine klare Nischen- und Spezialisierungsstrategie. Aus diesen Stärken ergeben sich verschiedene Chancen, die genutzt werden sollten. So wird zum Beispiel Green Logistics zunehmend ein Instrument der Differenzierung werden. Auch Beratungs-Know-how bei Logistik 4.0 ist ein Plus.

Auswirkungen von Bahnstreik und niedrigen Benzinpreise

Streiks bei der Bahn und niedrige Benzinpreise haben dazu geführt, dass besonders im Fernverkehr Transporte auf andere Verkehrsträger verlagert wurden, vor allem auf die Straße. Davon profitierten beim Personenverkehr vor allem die Fernbusse. Während im Jahr 2013 acht Millionen Menschen in Fernbussen unterwegs waren, nutzten 2014 schon 16 Millionen dieses Angebot. Allerdings wird sich die Dynamik 2015 abschwächen.

Gut entwickelt hat sich auch der Luftverkehr. Die Passagierluftfahrt steuert auf Rekorde zu: Von Januar bis August 2015 wurden auf deutschen Flughäfen über 140 Millionen Passagiere abgefertigt (+4,6 Prozent), soviel wie noch nie. Sowohl die touristische Nachfrage als auch der Geschäftsreiseverkehr wächst, stimuliert durch den heftigen Wettbewerb in der Branche. Gerade die Billigflieger expandieren weiter im deutschen Markt. Positiv wirkte sich auch der geringere Kerosinpreis aus, der ebenfalls die Ticketpreise drückte. Selbst die Pilotenstreiks taten der positiven Entwicklung keinen Abbruch.

Branche mittelständisch geprägt

Der deutsche Transportsektor (Personen- und Güterverkehr einschl. der damit zusammenhängenden Dienstleistungen) erzielte im Jahr 2013 nach der Dienstleistungsstatistik des Statistischen Bundesamts einen Umsatz von rund 280 Milliarden Euro und wies einen Anteil von rund 4,5 Prozent an der Bruttowertschöpfung in Deutschland auf. Umsatzstärkste Segmente sind die verkehrsträgerübergreifenden Speditionen (Umsatzanteil 24 Prozent), der Straßengüterverkehr (14 Prozent), der öffentliche Straßenpersonenverkehr (elf Prozent), die Güterseeschifffahrt sowie die Kurier-, Express- und Paketdienste (KEP) mit jeweils zehn Prozent und die Passagierluftfahrt (sechs Prozent).

Die Unternehmensstruktur ist mittelständisch geprägt: Über 90 Prozent aller Unternehmen der Branche in Deutschland erzielen Jahresumsätze in Höhe von weniger als zwei Millionen Euro. Innerhalb des Transportsektors ist der Konzentrationsgrad aber sehr unterschiedlich ausgeprägt. Im Güterverkehr dominieren vor allem im reinen Transportgeschäft auf der Straße kleine Unternehmen. Einen niedrigen Konzentrationsgrad weist auch die industrielle Kontraktlogistik auf: Aufträge werden meist noch an bekannte regionale Speditionen vergeben. Die Konsumgüter- und industrielle Kontraktlogistik weisen die höchsten Umsatzanteile des deutschen Logistikmarkts auf. In der Kontraktlogistik liegt im Gegensatz zu anderen Segmenten zudem noch hohes Outsourcing-Potenzial.