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24. November 2015

Familienunternehmer tun sich nach der Übergabe schwer

Eine neue Studie zeigt: 75 Prozent der Unternehmer können sich ein Leben ohne Arbeit nicht vorstellen. Sie fürchten, nach der Übergabe an den Nachfolger in ein „schwarzes Loch“ zu fallen. Vielen würden es vorziehen, weiterhin 40 Stunden und mehr zu arbeiten statt sich aus dem operativen Geschäft zurückzuziehen.

In Deutschland stehen rund 27.000 Familienunternehmen pro Jahr vor einem Generationswechsel in der Führungsetage. Doch wie Familienunternehmer mit der Übergabe und dem Loslassen umgehen, ist bisher wenig bekannt. Aufschluss darüber gibt die aktuelle Studie „Nach der Übergabe: Ich bin dann mal weg!“, die die Wirtschaftsprüfungs- und Beratungsgesellschaft PwC und die Intes-Akademie für Familienunternehmen gemeinsam erstellt haben.

Eines der Ergebnisse bringt Dr. Peter Bartels, PwC-Vorstandsmitglied und Leiter des Bereichs Familienunternehmen und Mittelstand, auf den Punkt: „Ein guter Familienunternehmer zu sein, heißt auch, rechtzeitig das Ruder zu übergeben. Das haben die befragten Unternehmer erkannt. Dennoch tun sich die meisten schwer damit, vollständig loszulassen, sowohl von der Arbeit als auch vom eigenen Familienunternehmen.“

Kein reines Männerphänomen

So sagten 75 Prozent der befragten Unternehmer, dass sie sich ein Leben ohne Arbeit gar nicht mehr vorstellen können. Und knapp 40 Prozent erwarten, dass es „schwierig“ für sie wird, sich komplett aus der aktiven Rolle in ihrem Familienunternehmen zurückzuziehen. Folglich lehnen es gerade einmal 22 Prozent der Befragten ab, nach der Übergabe an die nächste Generation weiterzuarbeiten. „Familienunternehmer zu sein verpflichtet – so scheinen es die meisten der befragten Unternehmer zu sehen“, sagt Dr. Dominik von Au, Geschäftsführer der Intes-Akademie. „Interessant dabei ist eines: Je länger die Befragten in der Firma tätig sind, desto häufiger planen sie, weiter zu arbeiten.“

Weiterarbeiten gewünscht

41 Prozent wollen nach der Unternehmensübergabe weiter berufstätig sein, 37 Prozent sind noch unschlüssig, ob sie weiterarbeiten möchten. Auf die Frage „Wo würden Sie gerne noch arbeiten?“ antworteten 85 Prozent der Befragten: „In meinem jetzigen Unternehmen.“ Über 60 Prozent der Arbeitswilligen möchten zwischen 15 und mehr als 40 Stunden pro Woche weiterarbeiten. „Scheinbar fürchten sich einige Familienunternehmer vor einem ‚schwarzen Loch‘ und möchten sich deshalb nicht auf einen endgültigen Rückzug aus dem Unternehmen festlegen“, kommentiert PwC-Vorstand Dr. Bartels.

Eigene Kinder sind Wunschnachfolger

Die Weiterbeschäftigung im Familienunternehmen erscheint am besten möglich, wenn der Nachfolger oder die Nachfolgerin aus der eigenen Familie kommt. Kein Wunder, dass sich 74 Prozent der Befragten eine familieninterne Übertragung wünschen. 57 Prozent geben an, einen Sohn als Nachfolger im Blick zu haben. 24 Prozent plädieren für eine Übertragung an mehrere Kinder. Und 17 Prozent favorisieren eine Tochter.

Tipp: Anfang November ist das Handbuch „Nachfolge in Familienunternehmen“ erschienen, das Dr. Peter Bartels, PwC, und Prof. Dr. Peter May, Intes, gemeinsam herausgegeben haben. Darin befassen sich ausgewiesene Experten mit allen Fragen im Zusammenhang mit der Nachfolge – vom richtigen Gesamtkonzept über emotionale Hürden, rechtliche und steuerliche Fragestellungen bis hin zur Ausbildung und Heranführung der nächsten Generation.