Aktuelles
3. Dezember 2015

In der Veränderung stets glaubwürdig bleiben

Schnelligkeit scheint heute ein Schlüsselfaktor für Wettbewerbsfähigkeit zu sein. Andrea Przyklenk sprach mit dem Nürnberger Strategieberater für Familienunternehmen, Redner und Buchautor Prof. Dr. Arnold Weissman über Nutzen und Grenzen der Geschwindigkeit.

Ist Schnelligkeit per se positiv? Bringt es tatsächlich etwas, wenn wir immer schneller, immer mehr Innovationen auf den Markt werfen?

Prof. Dr. Arnold Weissman: Zeit ist sicher in vielen Märkten ein wesentlicher, manchmal entscheidender Wettbewerbsvorteil. Time-to-Market, Just-in-Time sind durchaus wichtige Kriterien für die Wettbewerbsfähigkeit von Unternehmen. Doch Geschwindigkeit an sich bietet noch keinen Nutzen. Schneller, höher, weiter macht ja keinen Sinn, wenn es als Selbstzweck betrachtet wird. Im Zentrum aller Überlegungen und Maßnahmen muss immer der Kundennutzen stehen. Dies gilt natürlich nicht nur für die Zeit (Time-based-Management), sondern auch für jede Innovation. Auf Dauer wird immer der gewinnen, der die bessere Lösung, das bessere Nutzen-Preis-Verhältnis bietet.

In welcher Hinsicht lohnt sich Schnelligkeit für Unternehmen tatsächlich?

Gerade in den digitalen Märkten hat der First-Mover schon einen entscheidenden Vorteil. Er bestimmt die Regeln, verändert sie zu seinen Gunsten. So wie dies früher Fielmann, Tchibo, Fressnapf und McFit in der analogen Welt geschafft haben, gilt dies auch in der digitalen Welt. Für die Marke ist es ebenfalls oft von entscheidender Bedeutung, der Erste zu sein. Sixt beispielsweise hat dies immer wieder geschafft und auch Audi hat einen Großteil seiner heutigen Markenstärke seinen Innovationen zu verdanken, mit denen das Unternehmen oft seiner Zeit voraus war.

Neben Geschwindigkeit werden heute Nachhaltigkeit und Werte gefordert – ein Widerspruch?

Das Rad des Wettbewerbs dreht sich tatsächlich immer schneller. Immer höhere Computerleistungen schaffen heute Möglichkeiten, die noch vor kurzem undenkbar waren. Verpasst das Unternehmen einen wesentlichen Trend, drohen die Schicksale von Nokia, Neckermann und Karstadt. Trotzdem glaube ich, dass Unternehmen auf Dauer nur zukunftsfähig sind, wenn sie auf einem stabilen Wertesystem aufgebaut sind. Nur so schafft man Halt, Bindung und auch Glaubwürdigkeit. Unternehmen können in einem dauernden Veränderungsprozess nur durch authentisches, glaubwürdiges Leben der eigenen Werte ihre Identität wahren. Celebrating the past, pioneering the future ist der Weg, den Familienunternehmen einschlagen sollten. Wie schnell Vertrauen zerstört werden kann, erleben wir gerade bei VW und Audi auf brutale Weise.

Gibt es Grenzen der Beschleunigung?

Wie immer im Leben gilt: Die Dosis macht den Unterschied. Zu schnell ist genauso schädlich wie zu langsam. Für mich ist die entscheidende Fähigkeit nicht die pure Schnelligkeit, die auch für Menschen eine Grenze hat, die einfach nicht überschritten werden kann. Ich halte eher Konsequenz für wichtig. Sich immer wieder in Frage zu stellen, systematisch und evolutionär sein Unternehmen zu entwickeln, ist der Schlüssel für nachhaltigen Erfolg.

www.weissman.de

Das könnte Sie auch interessieren:

Interview mit dem Zeitmanagement-Guru Prof. Dr. Lothar Seiwert