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16. Februar 2016

Lapp nimmt neue Branchen ins Visier

Das Stuttgarter Familienunternehmen hat bereits in der Vergangenheit neue wachstumsträchtige Branchen wie erneuerbare Energien und E-Mobility ins Visier genommen. Jetzt hat der Spezialist für Verbindungstechnik ein Portfolio für die Lebensmittel- und Getränke-Branche aufgelegt. Damit will das Unternehmen in den nächsten Jahren den Umsatz mit dieser Branche von heute 25 Millionen Euro auf 100 Millionen Euro 2020/21 steigern. Lapp nutzt dabei sein Anwendungs-Know-how aus bestehenden Kundenbeziehungen und entwickelt exakt auf die Anforderung der Branchen zugeschnittene Lösungen.

Anlässlich der Jahrespressekonferenz gab Georg Stawowy, Vorstand für Technik und Innovation, Einblick in die Gründe für das neue Engagement und in die Vorgehensweise. „Die wachsende Weltbevölkerung verlangt mehr und bessere Nahrung, auch in den westlichen Ländern ändern sich die Konsumgewohnheiten. Das bedeutet, dass Lebensmittel in höherer Qualität, effizienter und mit höherer Vielfalt produziert werden müssen. Dafür braucht man maßgeschneiderte Verbindungstechnik, die höchste Hygieneansprüche erfüllt“, begründete der Vorstand den Fokus auf die Lebensmittelbranche. In den USA zum Beispiel sei der Food- und Beverage-Markt fast so groß wie der Maschinen- und Anlagenbau und habe ein höheres Wachstumspotenzial.

Bedürfnisse der Branche identifizieren

Potenzielle Kunden für Lapp sind nicht nur die Nahrungsmittel- und Getränkehersteller, sondern auch der Maschinenbau, der Abfüll- und Verpackungsanlagen, Dosier- und Portioniermaschinen sowie Cutter, Mischer und vieles mehr für die Nahrungsmittelbranche liefert. Um die Anforderungen der Branche genau zu definieren, hat das Unternehmen eine klassische Primär- und Sekundärmarktforschung durchgeführt. Die Analyse ergab, dass ein sehr wichtiges Kriterium in der Branche die Beständigkeit gegenüber mechanischer und chemischer Beanspruchung ist, die vor allem bei der Reinigung der Anlagen in der Lebensmittelproduktion eine Schwachstelle darstellt.

Sicherheit der Anlagen gefragt

„95 Prozent der Betriebe in der Ernährungsindustrie sind mittelständische Unternehmen mit weniger als 250 Mitarbeitern. Sie haben in der Regel wenig spezielles Know-how über die Verkabelung ihrer Anlagen“, sagte Stawowy. „Sie möchten die Gewissheit, dass die Anlage einschließlich aller Komponenten zuverlässig und sicher funktioniert und die Anforderungen an Hygiene und Haltbarkeit erfüllt. Normen, Gesetze und Materialanforderungen müssen eingehalten werden. Das können wir mit unserem Know-how und unseren Produkten für die Verkabelung garantieren. Die Beratungs- und Lösungskompetenz ist unser Trumpf.“

Höchste Ansprüche an Hygiene

Mittels einiger Fotos stellte Stawowy eindrucksvoll klar, worum es geht: Kabel dürfen nicht aufquellen, nicht aufplatzen, müssen Fetten, Ölen und hochaggressiven Chemikalien und Reinigungsmitteln standhalten. „Ohne die Anwendungen zu verstehen können wir nicht die richtigen Produkte anbieten“, sagte Stawowy. „Dieses Know-how mussten wir uns aneignen. Er zeigte als Beispiel einen blauen Kabelbinder. „Blau ist die Farbe, die in Lebensmitteln außer bei Blaubeeren eigentlich nicht vorkommt. Deshalb ist Blau die Farbe der Wahl, wenn es um Teile für Anlagen im Lebensmittelbereich geht. Dieser kleine blaue Kabelbinder enthält außerdem Ferrit, sodass er metallisch detektiert werden kann, sollte er sich doch einmal lösen.“

Know-how und komplette Lösungen bieten

Die speziellen Anforderungen der Lebensmittelbranche haben auch Auswirkungen auf das Produktdesign. Stawowy erklärt das am Beispiel der Hutmutter einer Kabelverschraubung: „Im klassischen Maschinenbau muss die Hutmutter möglichst griffig sein, damit man guten Halt findet. An einer Teigrührmaschine soll der Schraubenschlüssel zwar gut zupacken, vor allem aber dürfen Lebensmittelreste oder Keime keinen Halt finden. Die neu entwickelte Kabelverschraubung „Skintop Hygienic“ aus Edelstahl hat deshalb statt eines Sechskants nur zwei Flächen, an denen ein Schraubenschlüssel greifen kann. Die Oberfläche weist dank einer speziellen Bearbeitung eine sehr geringe Rauheit auf. Statt Standard-Dichtungen kommen spezielle Formteile zum Einsatz, die durchgängig vollkommen ebene Übergänge sicherstellen – ohne Ritzen oder Zwischenräume, in denen sich Verschmutzungen festsetzen könnten.“

Mittlerweile kann das Familienunternehmen ein komplettes Portfolio (Kabel, Verschraubungen, Stecker, Kabelkennzeichnungssysteme) für die Lebensmittel- und Getränkeindustrie anbieten. Die Komponenten erfüllen strenge internationale Anforderungen wie die Design-Vorgaben nach EHEDG oder sind für die Verträglichkeit mit Ecolab-Reinigungsmitteln zertifiziert. „Wir treten als Lösungsanbieter auf und haben so dem Wettbewerb etwas voraus“, sagt Stawowy.

Zufrieden, aber nicht euphorisch

Die Zahlen für das abgelaufene Geschäftsjahr 2014/15 zeigen, dass das 1959 gegründete Familienunternehmen besser als der Markt abgeschnitten hat. Der Umsatz stieg im Vergleich zum Vorjahr um 8,1 Prozent auf 886 Millionen Euro. Allerdings wurde das Umsatzergebnis von der Währungsentwicklung außerhalb des Euroraums und dem für das Unternehmen wichtigen Kupferpreis beeinflusst. Rechnet man diese Effekte heraus, liegt das Plus bei 4,5 Prozent. Das Ergebnis vor Steuern erhöhte sich um 11,3 Prozent auf 41,3 Millionen Euro. Die Eigenkapitalquote betrug 57 Prozent. „Damit sind wir weitgehend schuldenfrei und haben genügend Mittel für Investitionen“, sagte Finanzvorstand Andreas Hermann. Die Investitionen im abgelaufenen Geschäftsjahr betrugen 20,4 Millionen Euro ohne die 28 Millionen Euro für die neue Europazentrale am Stammsitz.

Mitarbeiter wichtigste Ressource

Weltweit beschäftigt die Lapp Gruppe etwas mehr als 3.300 Mitarbeiter, ein Anstieg um 3,1 Prozent. Der Vorstandsvorsitzende Andreas Lapp betonte die Wichtigkeit der Mitarbeiter. Man habe ein Personalentwicklungskonzept für alle Gesellschaften der Lapp Gruppe aufgelegt, um die Mitarbeiter weiter zu qualifizieren und die Zahl der Führungskräfte aus den eigenen Reihen zu erhöhen. „Am Ende geht es immer um den Menschen“, betonte Andreas Lapp. „Wir tun dasselbe für alle Mitarbeiter weltweit zu denselben Standards. Als Familie möchten wir nicht nur in Stuttgart Gutes tun, sondern auch in Djakarta und überall, wo Lapp präsent ist. Wenn ich sehe, wie die Menschen zum Beispiel in Indien alles aufsaugen wie ein trockener Schwamm, erfüllt mich das mit großer Freude.“ Deshalb sei es für ihn auch keine Option das Werk in Russland wegen der aktuellen Sanktionen zu schließen. „Unsere Mitarbeiter dort vertrauen auf uns.“ (-ap)