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7. April 2016

Unternehmerinnen: Kinder sind kein Handicap für Chefposten

Die Mehrheit der Unternehmerinnen sieht die Familiengründung nicht als Handicap, um ein Unternehmen zu lenken. Das ergab eine aktuelle Umfrage des Verbands deutscher Unternehmerinnen (VdU) und der Deutschen Bank. Zwei Drittel aller Unternehmerinnen sind Mütter, jede Zehnte hat drei oder mehr Kinder.

Knapp 40 Prozent der Arbeitgeberinnen gaben an, Unternehmertum und Elternschaft ließen sich besonders gut vereinbaren. Für weitere 14 Prozent war die die Familiengründung sogar der Auslöser für die Selbstständigkeit. Lediglich elf Prozent sagten, die Selbstständigkeit habe sie von der Familiengründung abgehalten. Dabei ist auch in den Familien der Unternehmerinnen die Elternzeit überwiegend eine Angelegenheit der Frauen. 57 Prozent kümmern sich um die Kinderbetreuung größtenteils selbst, in nur jeder zwanzigsten Familie übernimmt der Partner komplett diese Aufgabe. Um den Mitarbeitern die Vereinbarkeit von Familie und Beruf zu ermöglichen, setzen laut der Umfrage mehr als drei Viertel der Unternehmerinnen auf flexible Arbeitszeiten. „Die Vereinbarkeit von Familie und Beruf hilft nicht nur den Müttern und Vätern, zufriedene Arbeitnehmer liegen im ureigenen Interesse des Unternehmens“, sagt Martina Eich-Ehren, Managing Director bei der Deutschen Bank und für die Zusammenarbeit mit dem VdU verantwortlich. „Kinder dürfen kein Grund für einen Karriereknick sein, ganz egal ob im Kleinunternehmen oder im Konzern.“ Die Einführung einer Regelarbeitszeit von wöchentlich 32 Stunden hält die große Mehrheit der Befragten allerdings nicht für dringlich: „Unternehmerinnen finden jetzt bereits maßgeschneiderte Lösungen für flexible Arbeitszeiten und Home Office in ihren Betrieben. Eine gesetzlich geregelte Familienarbeitszeit widerspricht dem Gedanken der Flexibilität und wäre eine staatliche Bevormundung“, sagt VdU-Präsidentin Stephanie Bschorr.

Handlungsbedarf erkennen vier von fünf Unternehmerinnen, um die statistische Entgeltlücke von 22 Prozent zwischen Männern und Frauen zu schließen. Allerdings hält nur eine Minderheit von weniger als einem Drittel das in der Politik diskutierte Entgeltgleichheitsgesetz für die geeignete Lösung. Dieses habe bürokratischen Aufwand zur Folge, negative Auswirkungen auf den Betriebsfrieden und schränke die unternehmerische Entscheidungsfreiheit ein. „Das geplante Entgeltgleichheitsgesetz ist marktfern und mittelstandsfeindlich, es führt zu erheblichem bürokratischen Aufwand ohne wesentliche Effekte auf die Lohnlücke“, kritisiert Bschorr. Die Unternehmerinnen möchten stattdessen Frauen für Berufe in Hochlohnbranchen gewinnen, die vollzeitnahe Berufstätigkeit sowie den schnellen Wiedereinstieg nach Erwerbspausen fördern.

Die komplette Studie gibt es hier als Download