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4. Mai 2016

Gelebte Integration im Europa-Park

„An einem Arbeitsplatz, an dem Europa gelebt wird, können wir Flüchtlingen anschaulich Sprache und Kultur näherbringen und ihnen eine Perspektive bieten“, sagt Roland Mack, geschäftsführender Gesellschafter des Europa-Parks. Seit der Eröffnung des Freizeitparks im Jahr 1975 spielt gesellschaftliche Verantwortung für die Eigentümerfamilie Mack eine große Rolle. Jetzt wurde das Förderprogramm „Sprint“ gestartet, um Flüchtlinge bei der Integration zu unterstützen.

Das Familienunternehmen verpflichtet sich unter dem Dach von „Wir zusammen – Integrationsinitiativen der deutschen Wirtschaft“ einen konkreten, nachhaltigen Beitrag zur Integration von Flüchtlingen in Deutschland zu leisten. „Ein geregeltes Arbeitsleben ist der Grundpfeiler für eine langfristige Integration“, sagt Matthias Kirch, verantwortlich für Personal. „Mit unserem Förderprogramm Sprint, eine Kombination aus Sprache und Integration, können wir dazu einen Beitrag leisten. Sprint basiert auf drei Säulen: einem kostenlosen Intensiv-Sprachkurs in der Europa-Park-Akademie, einem Training on the Job und einem Mentoring in der jeweiligen Sprache der Flüchtlinge. Im Europa-Park arbeiten Menschen aus 50 Nationen. Ein Drittel unserer Arbeitskräfte ist bereits internationaler Abstammung. Es findet sich immer jemand, der arabisch, französisch oder sogar seltene Sprachen wie das eritreische Tigrinya spricht und versteht.“

Chance für Flüchtlinge und Unternehmen

Im Oktober 2015 ist Sprint in einem Testlauf mit vier Flüchtlingen gestartet. In Zusammenarbeit mit der Agentur für Arbeit Offenburg und deren Vorsitzendem Horst Sahrbacher wurden Flüchtlinge in bestimmten Bereichen des Freizeitparks eingesetzt. Spätestens im Juni geht das Programm mit zehn weiteren Flüchtlingen in die nächste Runde. Zusätzlich sollen fünf Flüchtlinge im Anschluss an den Deutschkurs im September ihre Ausbildung beginnen. „Bei der Auswahl der Kandidaten arbeiten wir eng mit der Agentur für Arbeit und der kommunalen Arbeitsförderung zusammen“, sagt Kirch. „Uns ist wichtig, dass die Flüchtlinge, die wir in Sprint aufnehmen, eine langfristige Bleibeperspektive in Deutschland haben, den Willen mitbringen, die schwierige deutsche Sprache zu lernen und motiviert sind, hier zu arbeiten und sich ein glückliches Leben aufzubauen.“ In der Region habe man nahezu Vollbeschäftigung, die Arbeitslosenquote liege bei gerade einmal drei Prozent, so der Personalverantwortliche weiter. „Branchenweit bleiben zahlreiche Ausbildungsstellen, zum Beispiel in der Gastronomie, unbesetzt. Auch in der Dekoration, in der Küche und im Verkauf bestehen Beschäftigungsmöglichkeiten.“ Das sei sowohl für die Flüchtlinge als auch für das Unternehmen eine Chance.

Die Politik habe ihre Hausaufgaben gemacht und Rahmenbedingungen geschaffen, die Flüchtlingen und Unternehmen eine Perspektive ermöglichten, zum Beispiel durch die vorübergehende Abschaffung der Vorrangprüfung. „Anfangs war alles etwas chaotisch. Die Menschen mussten erst einmal untergebracht werden“, sagt Kirch. „Erst jetzt kann richtig an der Integration gearbeitet werden. Es geht darum, für diejenigen, die bleiben, eine langfristige Perspektive zu entwickeln.“ Das Wichtigste für Unternehmen und Flüchtlinge sei Planungssicherheit, ist Kirch überzeugt. Jemandem, der aus einem sicheren Herkunftsland komme und in absehbarer Zeit zurückgeschickt werde, fehle sicherlich die Energie zur Integration. „Die Chance, langfristig bleiben zu können, entscheidet über die Motivation zu lernen und zu arbeiten. Wenn man nicht weiß, wie es weitergeht, ist die Motivation gering.“

„Ich kümmere mich um dich“

Kirch hat in seinen 15 Jahren im Europa-Park mit internationaler Mitarbeiterschaft eine wichtige Erfahrung gemacht: „Der Mensch muss vor dem System kommen. Unser System mit geregelten Ausbildungsgängen und diesem und jenem Schein, den man vorweisen muss, ist in Ordnung für Menschen, die mit diesem System aufgewachsen sind und es kennen. Für alle anderen ist es eine zusätzliche Hürde. Wir gehen den Weg der individuellen Förderung. Es gibt immer Menschen, die überfordert sind. Andere sind unterfordert. Der einfachste und schnellste Weg zu helfen, ist zu sagen ‚ich kümmere mich um dich‘. Wir brauchen keine anonymen Kurse, sondern Menschen, die sich um die Menschen bemühen und ihnen ein Vorbild sind. Mit unseren Mentoren haben die Flüchtlinge im Europa-Park Ansprechpartner zur Seite, die ihnen dabei helfen, unsere Kultur besser zu verstehen.“ Den Unternehmen rät Kirch, das Thema Flüchtlinge mutig und unkompliziert anzugehen und nach einfachen Wegen zu suchen. „Es geht darum, konkrete Integrationsmöglichkeiten für den Einzelnen zu schaffen, Gemeinsamkeiten mit den Menschen aus anderen Kulturkreisen zu finden und Unterschiede, die unsere Gesellschaft auch bereichern und nach vorne bringen können, zu entdecken“, sagen Roland und Michael Mack.

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