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28. Juli 2016

Zukunft braucht Freiheit – viele Hürden für junge Unternehmen

Dr. Hubertus Porschen ist seit September 2015 Bundesvorsitzender des Verbands „Die Jungen Unternehmer“. Die News-Redaktion sprach mit dem 33-jährigen Gründer über die Zukunftsfähigkeit junger Unternehmen.

Mit welchen Herausforderungen haben speziell Jungunternehmer zu kämpfen, wenn es um die Zukunftsfähigkeit ihrer Geschäftsmodelle, ihrer Unternehmen geht?

Dr. Hubertus Porschen: Die besonderen Herausforderungen für junge Unternehmen beziehungsweise Start-ups liegen in den Bereichen Kapital, Innovation und Fachkräfte. Gerade die Beschaffung von Fremdkapital stellt Gründer in Deutschland trotz Niedrigzins-Phase vor große Probleme. Da spreche ich aus eigener Erfahrung. Als IT-Unternehmen einen Kredit zu bekommen, ist äußerst schwierig. Viele Banken denken hier immer noch wie vor zehn, fünfzehn Jahren, wollen Sachwerte als Sicherheiten. Dass das Kapital in diesen Unternehmen aber in den Köpfen und nicht in Maschinen steckt, scheint bei einigen immer noch nicht angekommen zu sein. Nicht besser sieht es aus, wenn es hierzulande darum geht, Geldgeber und -nehmer zusammenzubringen, um eine vernünftige Zweitfinanzierung auf die Beine stellen zu können. Ein Blick ins Ausland zeigt, wie es funktioniert. Schaut man auf den Bereich Innovation, muss man ganz klar sagen, dass auch hier viele andere Länder inzwischen besser aufgestellt sind. Hauptursache ist ein deutsches Bildungssystem, das auf Besitzstandswahrung und Optimierung ausgelegt ist, aber nicht auf das bewusste Eingehen von Risiken, aus denen wirklich bahnbrechende Innovationen entstehen können. Dieses Denken muss in den jungen Unternehmen mühsam entwickelt werden. Hier schließt das Thema Fachkräfte nahtlos an. Viele Gründer, vornehmlich im IT-Sektor, haben enorme Probleme, geeignete Leute für Themen zu finden, die heutzutage relevant sind. Es fehlt nicht nur an Kompetenzen, sei es im Umgang mit Software oder das Arbeiten in der Cloud, sondern auch an kreativem Denken und an der Fähigkeit, Fehler zuzulassen.

Wo gibt es hier Unterschiede zu den „etablierten“ Unternehmen?

Einen wesentlichen Unterschied sehe ich zum Beispiel beim Thema Digitalisierung. Bei den meisten Start-ups ist sie von Anfang an Teil der DNA, bei den etablierten Unternehmen ist es ein sehr mühevoller Schritt bis alle Prozesse und Abläufe entsprechend umgestellt sind.

Was können junge Unternehmen von traditionsreichen Firmen lernen, wenn es um die Zukunftsfähigkeit einer Firma geht?

Viele Familienunternehmen bestehen nicht ohne Grund über Generationen hinweg, haben also vieles richtig gemacht. Da wären zum Beispiel eine gute Führungskultur, eine durchdachte Strategie, sehr gut funktionierende Prozesse. Nicht zu vernachlässigen ist ein stabiles familiäres Umfeld. Ein Blick auf die besonders erfolgreichen Familienunternehmen zeigt, dass es nicht um ein Wachstum um jeden Preis gehen darf, sondern ein Wachsen mit Augenmaß. Der Strategie und den Prozessen kommt eine maßgebende Rolle zu. Und hier herrscht auf Seiten junger Unternehmen noch viel Lernbedarf.

In der Start-up-Szene scheint es ein neues Denken in Bezug auf die Zukunftsfähigkeit eines Unternehmens zu geben. Ziel ist nicht mehr unbedingt eine Weitergabe an die nächste Generation, sondern der mittelfristige Verkauf der Firma. Wie sehen Sie diese Entwicklung als Unternehmer, der selbst in dieser Szene aktiv ist?

Die Digitalisierung macht heute eine Gründung weitaus einfacher als früher. Häufig reicht ein Laptop und schon kann es losgehen. Und sollte die eine Geschäftsidee nicht funktionieren, kann relativ schnell eine neue in Angriff genommen werden. Gründungen mit dem klaren anfänglichen Ziel, das Unternehmen bei einem Erfolg zu verkaufen, sind bei uns aber die Ausnahme. Ich habe die Erfahrung gemacht, dass das Gros der jungen Unternehmer ebenfalls ein Interesse an einer nachhaltigen Entwicklung hat. Das heißt in manchen Fällen: Wenn ein Unternehmen verkauft wird, dann nur, wenn der Käufer über bessere Kapazitäten verfügt, um die Firma voranzubringen. Das Monetäre steht dabei nicht so sehr im Vordergrund.

Wie ist es um die Zukunftsfähigkeit Ihres eigenen Unternehmens bestellt?

Die App-Arena GmbH ist in einem Bereich aktiv, der von sehr schnellen Innovationszyklen geprägt ist. Das heißt, wir müssen permanent unser Geschäftsmodell den Gegebenheiten anpassen. Mit unseren Apps helfen wir Unternehmen, über ihre Onlinekanäle Kunden zu gewinnen und zu binden. Waren wir anfangs nur auf Facebook mit unseren Apps unterwegs, sind wir heute viel breiter aufgestellt, haben unsere Kompetenzen unter anderem in Bezug auf Landing Pages und Business Intelligence ausgebaut. Dank der digitalen Technik können wir Ideen schnell testen und bei einem Erfolg zügig implementieren. Auch auf der Gesellschafterebene haben wir uns zukunftsfähig aufgestellt und sehr erfahrene Persönlichkeiten mit ins Boot geholt. Sie stehen uns bei der Strategie-Entwicklung und beim Aufbau vernünftiger Prozesse zur Seite. Dieser objektive Blick ist unbezahlbar. Daher ist mir die Kombination von Alt und Jung, von Analog und Digital so wichtig.

Als Bundesvorsitzender des Verbands „Die Jungen Unternehmer“ treten Sie auch für die politischen Interessen der jungen Unternehmerschaft ein. Was muss sich auf der politischen Ebene tun, um die Zukunft junger Unternehmen nicht zu gefährden?

Die Politik muss für die richtigen Rahmenbedingungen sorgen. Start-ups brauchen als erstes Kapital. Und hier könnte die Regierung Anreize für neue Anlagemöglichkeiten schaffen. Wenn sie zum Beispiel die Anlageregeln für Rentenfonds lockern würde, die bisher nur in risikoarme Realwerte investieren dürfen, wären wir schon einen Schritt weiter. Dass das funktioniert, beweist Frankreich, wo Rentenfonds einen Teil ihres Geldes in junge Betriebe stecken. Die Politik muss das Bewusstsein dafür schaffen, dass das Geld in Fluss kommt. Ein weiteres Ärgernis ist die zunehmende Bürokratie. Wenn zum Beispiel ein junges Unternehmen eine Kapitalerhöhung oder nur eine schlichte Namensänderung durchführen möchte, ist das immer mit einem erheblichen, nicht zu rechtfertigenden Aufwand verbunden. Da leben wir noch wie in der Steinzeit. Ein Blick in andere Länder wie Estland zeigt, wie es sein sollte. Last but not least ist eine Reform des Bildungssystems notwendig, damit junge Unternehmen bessere Chancen haben, fähige Mitarbeiter zu finden. (-hf)

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www.junge-unternehmer.eu