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5. Oktober 2016

Investieren in Start-ups: Wachstumsstrategie muss passen

Start-ups sind junge Unternehmen, die die Chancen der Digitalisierung nutzen. Sie fordern mitunter ganze Industrien heraus. Eine Zusammenarbeit zwischen Start-ups und etablierten Unternehmen kann Sinn ergeben, wenn es in die jeweilige Wachstumsstrategie passt.

Foodist ist ein Start-up aus Hamburg, das eine hochwertige Delikatessenbox im Abonnement direkt an seine Kunden versendet. Das Start-up, 2012 gegründet, beschäftigt 33 Mitarbeiter und erzielt monatlich einen mittleren sechsstelligen Umsatzbetrag. Im August 2016 kaufte die Ströer AG, ein inhabergeführtes Unternehmen im Bereich der Außenwerbung, Foodist auf. Zuvor hatten die Gründer ihr Unternehmenswachstum über die Crowdinvesting-Plattform Companisto finanziert. Dies ist eine Finanzierungsform, bei der viele Privatpersonen über eine Internetplattform in Start-ups investieren und an den Unternehmenserfolgen beteiligt werden, so wie bei Foodist.

Etablierte Unternehmen und der Mittelstand verschaffen sich mit einer solchen Beteiligung einen strategischen Zugang zu Geschäftsfeldern, die durch Start-ups und die Digitalisierung verändert werden. Sie gewinnen auch Zugang zu neuen Technologien und Innovation. Start-ups profitieren wiederum durch Netzwerke, Kapital und Erfahrungen, die etablierte Unternehmer bereitstellen. Im Idealfall entsteht so eine Partnerschaft beziehungsweise Kooperation, bei der beide ihre jeweiligen Stärken einbringen. Eine Kooperation bringt also Menschen mit Ideen und unternehmerischem Mut zusammen und sichert auf diese Weise auch die Zukunftsfähigkeit der deutschen Wirtschaft.

Mittelstand schöpft Potenzial nicht aus

Start-ups sind junge Unternehmen, die sich noch in einer frühen Unternehmensphase befinden. Da sich ihre Geschäftsideen am Markt noch durchsetzen müssen, finanzieren sie sich über Wagniskapital. Sie sind der Mittelstand von morgen. Sie haben ein hohen Innovationsgrad und legen den Fokus auf Wachstum. Sie sind flexibel, schnell und meistens digital. Sie denken sehr kundenorientiert und passen ihre Geschäftsmodelle an. In einer sich rasch verändernden Welt sind dies Fähigkeiten, von denen etablierte Unternehmen profitieren können, stehen sie doch vor der Herausforderung, die Digitalisierung für sich zu nutzen. Solche Herausforderungen können durchaus das Kerngeschäft betreffen: Das US-amerikanische Start-up Airbnb, das Privatpersonen ermöglicht, die eigene Wohnung über das Internet zu vermieten, war einst nur eine Geschäftsidee. Mittlerweile gibt es in vielen Städten Übernachtungskonkurrenz – und das weltweit. Als in Deutschland das Personenbeförderungsgesetz geändert wurde, traten plötzlich Start-ups auf den Markt, die mit Fernbussen eine Reisealternative anboten.

Im August stellte die Förderbank KfW eine Studie vor, der zufolge der Mittelstand das Potenzial der Digitalisierung bei Weitem nicht ausschöpft. Gleichzeitig ist die Digitalisierung vielen Führungskräften wichtig: In einer anderen Studie, die das Prüfungs- und Beratungsunternehmen Deloitte gemeinsam mit dem Massachusetts Institute of Technology (MIT) durchgeführt hat, erklärte unter den Führungskräften rund jeder dritte weltweit Befragte, den Arbeitsplatz wechseln zu wollen, wenn das Unternehmen in Sachen Digitalisierung nicht mithalte.

Win-Win-Situation gefragt

Eine erste Anlaufstelle, um einen Überblick zu gewinnen, sind Gründer-Medien wie gruenderszene.de oder deutsche-startups.de Auf Messen oder Kongressen, die sich digitalen Themen widmen, kann man ebenfalls jungen Unternehmen begegnen. Auch örtliche IHKs bieten Veranstaltungen an. Bekannt ist die „Lange Nacht der Startups“, die jährlich durch die Telekom in Berlin veranstaltet wird. Der Bundesverband Deutsche Startups hat die Initiative „Mittelstand von heute plus Startups = Mittelstand von morgen“ ins Leben gerufen. Im nächsten Jahr findet in Baden-Württemberg dazu eine Konferenz statt. In Panels, Expertenrunden und Vorträgen sollen die Potenziale von Partnerschaften zwischen Mittelständlern und Start-ups ausgelotet werden.

Ein möglicher Partner sollte nach unternehmensstrategischen Gesichtspunkten ausgesucht werden. Passt das Start-up in die Wachstumsstrategie? Können beide Partner langfristig profitieren und gleichzeitig die unternehmerische Unabhängigkeit bewahren? Diese Fragen werden sich auch Start-ups stellen. Wichtig ist, dass am Ende eine Win-Win-Situation für beide entsteht. Grundsätzlich sollten deshalb Kooperationsbedingungen vereinbart werden. Da beide Partner auch Betriebsinterna preisgeben, können sie sich mit entsprechenden Geheimhaltungsvereinbarungen absichern.

Doch welche Kooperationsszenarien sind denkbar? Etablierte Unternehmen können beispielsweise zu einem frühen Stadium Anteile erwerben oder als Mentoren unterstützen. Damit eine Partnerschaft langfristig funktioniert, sollten sich beide Partner auf Augenhöhe begegnen und die unternehmenskulturellen Unterschiede berücksichtigen. Zu guter Letzt hängt jede Kooperation vom Einzelfall und den Besonderheiten der beiden Partner ab und bedarf einer maßgeschneiderten Lösung. Dennoch sollte am Ende nicht vergessen werden, dass Start-ups und etablierte Unternehmer die gleichen Ziele haben: Aus einer innovativen Idee ein marktfähiges Produkt entwickeln, dass für die Kunden Mehrwerte schafft. Und das ist doch schon einmal eine gute Basis für eine Zusammenarbeit. (Tamo Zwinge)

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