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4. November 2016

Beliebige Themenwelten erschaffen mit Virtual Reality

Seit September 2015 gibt es im Europa-Park die erste Achterbahn weltweit mit VR-Technologie. Im „Alpenexpress Coastiality“ und im „Pegasus Coastiality“ können die Besucher jetzt durch virtuelle 360-Grad-Welten fahren. Mittlerweile werden auch andere Freizeitparks mit der in Rust entwickelten Technologie ausgestattet. Andrea Przyklenk sprach mit Michael Mack über Hintergründe und Potenziale der Technologie.

Was gab den Anstoß zum virtuellen Erlebnis? War das normale Achterbahn-Erlebnis nicht mehr genug?

Michael Mack: Mich haben technische Neuerungen und innovative Produkte schon immer interessiert. Als die VR-Technik und deren Massenkompatibilität noch in den Kinderschuhen steckte, war ich bereits Feuer und Flamme für diese Innovation und verspürte sofort den Drang „Virtual Reality“ auch im Europa-Park in Kombination mit unseren Fahrgeschäften anbieten zu wollen. Mit Christian von Elverfeldt, Geschäftsführer von Mack Rides, und Thomas Wagner, Professor für Virtual Design an der Hochschule Kaiserslautern, haben wir uns vor rund drei Jahren zum ersten Mal gemeinsam mit der Idee einer virtuellen Achterbahn beschäftigt. Daraus ist dann das Start-Up „VR Coaster“ entstanden. Anfangs haben viele an der Technik gezweifelt, aber ich habe fest daran geglaubt und das Potenzial des Headsets, das man während der Fahrt auf seinem Kopf trägt, schnell erkannt.

Viele Testfahrten und Entwicklungsarbeit auf mehreren Bahnen im Europa-Park später, ist das VR-System nun seit September 2015 einsatzbereit und in den Tagesbetrieb der ersten Achterbahn in der Geschichte des Europa-Parks, des „Alpenexpress Coastiality“, übergegangen. Was die Fahrgäste vor ihren Augen sehen, ist eine fantastische, virtuelle Traumwelt, die Mack Media entwickelt hat und die exakt auf das Streckenprofil und die Fahrtdauer des Alpenexpress abgestimmt ist. Seit Saisonstart 2016 ist zudem auch „Pegasus Coastiality“ im griechischen Themenbereich damit ausgerüstet. Seither haben wir über 650.000 Gäste mit dieser Technik begeistert.

Mittlerweile statten Sie auch andere Freizeitparks mit VR-Technologie aus. Welches Potenzial sehen Sie für die Zukunft, auch über die Freizeitparkszene hinaus?

Das Erlebnis, das die VR-Brillen erzeugen, ist immersiv. Das heißt, es lässt den Nutzer nahezu vollkommen in die Virtual Reality eintauchen. Der Europa-Park hat damit die Möglichkeit, eine Attraktion in eine beliebige Themenwelt zu setzen und die Intensität für den Besucher stufenlos zu skalieren und ständig schnell und einfach zu aktualisieren beziehungsweise neue Erlebnisse zu bieten. Die Zukunft der Achterbahn wird auch fortan aus der Kombination von echten physischen Kräften und einer passenden Thematisierung bestehen. Mit VR kann jedoch eine Themenwelt deutlich aufwändiger und interaktiver gestaltet werden.

Wir haben über 20 Parks weltweit in weniger als einem Jahr ausgestattet. Die Nachfrage ist riesig, genauso wie das Potenzial dieses Exportschlagers. Theoretisch können weltweit über 2.000 Stahlachterbahnen mit der Technik aufgerüstet werden. Für die Zukunft dürfte die Realisierung interaktiver VR-Rides das Interesse potenzieller Kunden an dieser Technologie weiter steigen lassen. Das gesamte Konzept der automatischen Synchronisierung und Kommunikation eines Fahrgeschäfts mit mobilen VR-Headsets ist bereits patentiert.

Für das neue Geschäftsfeld arbeiten Mack Media, Mack Rides und VR Coaster zusammen. Welche unterschiedlichen Kompetenzen bringen die Partner mit und wie profitieren sie voneinander?

Mit dem Angebot ist das Unternehmen und Start-Up „VR Coaster“ Vorreiter in der Freizeitparkbranche und Weltmarktführer. Das Stammhaus Mack Rides in Waldkirch konzipiert und produziert Achterbahnen, Mackmedia entwickelt kreative Konzepte und Marken und VR Coaster erstellt VR-Erlebnisse, die alle drei Geschäftszweige zu einer einzigartigen Attraktion verbinden. Damit kann ein Komplett-Paket aus einer Hand geschnürt werden. Mittlerweile gibt es die Coastiality-App, mit der man auch zuhause rasante VR-Erlebnisse haben kann.

Welche Synergien erhoffen Sie sich für Ihr ursprüngliches Geschäft?

Nicht nur im Europa-Park, sondern auch in den eigenen vier Wänden oder unterwegs wollen wir spannende Virtual-Reality-Erlebnisse ermöglichen. Mit der kostenlosen App „Coastiality“ erweitern wir unser digitales Angebot und lassen Smartphone-Besitzer in fantastische 360-Grad-Welten eintauchen.

Wir wollen unseren Besuchern und Fans die Möglichkeit bieten, zu jeder Zeit das Coastiality-Vergnügen zu erleben. Damit möchten wir eine Bindung zu unseren Gästen herstellen und sie andererseits dazu motivieren, das Coastiality-Erlebnis so schnell wie möglich wieder auf einer echten Achterbahn bei uns im Europa-Park zu spüren.

Wie sehen Sie die Zukunft: Wird es in 20 Jahren keine Freizeitparks mehr geben, sondern nur noch Freizeitpark-Erlebnisse via App und Brille oder anders ausgedrückt, werden Sie in 20 Jahren mehr Geld mit Apps und virtuellen Erlebnissen verdienen als mit dem Freizeitpark?

Die VR-Technologie wird den klassischen Freizeitpark nicht überflüssig machen. Vielmehr kann und wird die Technologie als Ergänzung und Erweiterung des bestehenden, stationären Unterhaltungsangebots zu verstehen sein, die zu einer Aufwertung des jeweiligen Fahrgeschäfts führen wird. Auch in Zukunft werden authentische, fantasievolle und detailgetreue Thematisierungen in Freizeitparks notwendig sein, um Besucher zu begeistern und zu fesseln. Das „Begreifen“, „Erlaufen“ und „Erleben“ der jeweiligen Themenbereiche und das „Wahrnehmen“ mit den Sinnen, wird noch lange Zeit das dominante Element im Gesamterlebnis Freizeitpark sein. Uns geht es mit diesem Angebot in erster Linie darum, den Menschen ein unvergessliches und noch intensiveres Achterbahn-Erlebnis zu ermöglichen.

Virtual Reality ist definitiv ein interessantes Entwicklungsfeld mit gehörigem Potenzial, aber inwieweit diese Technologien unseren Alltag mittel- beziehungsweise langfristig derart prägen, dass sie eine dominierende Position einnehmen, ist heute wahrlich noch nicht vorherzusehen – vor allem was die Freizeitparkbranche anbetrifft.

www.europapark.de

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