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27. Dezember 2016

Familienunternehmer geben Note 4 für die Energiepolitik der Bundesregierung

Das neue Jahr steht vor der Tür. Zeit, Bilanz zu ziehen – auch energiepolitisch. 513 Mitglieder des Verbands „Die Familienunternehmer“ haben dies getan. Sie bewerteten die Energiepolitik der Bundesregierung seit Amtsantritt der großen Koalition Ende 2013 mit der Durchschnittsnote 4. Der Verband fordert die Bundesregierung auf, Abstand von planwirtschaftlichen nationalen Instrumenten zu nehmen und stattdessen auf marktwirtschaftliche europäische beziehungsweise globale Maßnahmen zu setzen. Das EEG gehöre abgeschafft und der Emissionshandel ausgeweitet.

„Die planwirtschaftliche Energiepolitik der großen Koalition führt zu enormen finanziellen Mehrbelastungen für die vielen industriellen Familienunternehmen in Deutschland“, kritisiert Verbandspräsident Lutz Goebel. „Die steigenden Stromkosten durch das EEG stellen viele Familienunternehmen vor enorme Herausforderungen. Die deutsche Energiepolitik verstrickt sich im Klein-Klein. Dabei sind grundlegende Dinge noch nicht annähernd geklärt.“

Klimaziele werden nicht erreicht

Der Netzausbau hinke hinterher. Die gesunkenen Börsenstrompreise kämen nicht beim Verbraucher an. Dafür hemmten die starren und hohen Abgaben die Flexibilität der Verbraucher. Vom Preis für eine Kilowattstunde zahlen die Verbraucher Jahr für Jahr immer mehr an den Staat – mittlerweile mehr als 75 Prozent. Statt innovative klimaschonende Konzepte zu fördern, werde alles teuer dem Wohl der Erneuerbaren untergeordnet. Trotzdem würden die Klimaziele nicht erreicht. Die Reformanstrengungen der Bundesregierung seien schlicht zu zaghaft und von der Ökolobby bestimmt. Darüber hinaus werde Energiepolitik in Deutschland immer noch viel zu national verstanden.

Eigenstrom von EEG-Umlage befreien

60 Prozent der befragten Familienunternehmen stehen im internationalen Wettbewerb. Fast 40 Prozent geben an, dass der Anteil der Energiekosten an den Gesamtkosten des Unternehmens die Fünf-Prozent-Marke überschreitet. Für viele ist die Eigenstromerzeugung der einzige Weg aus dem Kostendruck. 34 Prozent der Familienunternehmen nutzen eine Anlage zur Eigenstromerzeugung, vor allem über erneuerbare Energien (73 Prozent) und KWK-Anlagen (40 Prozent). 78 Prozent erzeugen den Strom für den Eigenverbrauch. Größtes Hindernis für die Unternehmen, die keine Eigenstromanlage besitzen, ist die EEG-Umlage. 73 Prozent sagen, dass sie eine unternehmenseigene Stromversorgung als sinnvoll erachten würden, wenn sie von der EEG-Umlage befreit wäre.

„Wir Familienunternehmer brauchen von der Bundesregierung ein klares Bekenntnis zu Eigenstrom“, erklärt Goebel. „Eigenstrom ist Energiewende pur. Er ist regional und bedarf keiner zusätzlichen Netze. Eigenstrom kann die Schwankungen der Erneuerbaren ausgleichen, ist ökologisch und ökonomisch sinnvoll. Eigenstrom durch KWK, aber auch durch Photovoltaik, sollte grundsätzlich für alle Unternehmen von der EEG-Umlage befreit werden. Es wäre völlig kontraproduktiv, die Potenziale, die Eigenstrom mit sich bringt, zu zerstören – sowohl für die Energiewende als auch für die Wettbewerbsfähigkeit der nicht von der EEG-Umlage befreiten mittelständischen Industrieunternehmen.“