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11. Januar 2017

Familienunternehmen und Übernahmen: Vorsicht ist oberstes Gebot

Nach einer aktuellen Studie der WHU – Otto Beisheim School of Management verhalten sich Familienunternehmen bei einer Firmenübernahme anders als Unternehmen im Streubesitz. So bieten sie im Durchschnitt geringere Übernahmeprämien für den Kauf eines anderen Unternehmens. Das liegt laut der Erhebung daran, dass Familienunternehmen im Vergleich zu Firmen im Streubesitz riskante Entscheidungen beziehungsweise Fehlentscheidungen der Vorstände besser verhindern können.

Ankeraktionäre sorgen für Ausgleich

Bei der Übernahme von Firmen werden von Aktiengesellschaften, die sich nicht in Familienhand befinden, häufig überhöhte Übernahmeprämien bezahlt. Einer der Gründe hierfür ist, dass nicht selten das Gehalt der Vorstände nach einer großen Übernahme steigt. Dabei werden Risiken oft zu niedrig und zu erwartende Synergien zu hoch eingeschätzt – Vorstandsentscheidungen, die Aktionäre sehr viel Geld kosten können. „Wir stellten uns die Frage, welcher Typ Aktionär die Vorstände am besten von solchen Entscheidungen abhalten kann“, erklärt Juniorprofessor Max Leitterstorf, der an der WHU am Institut für Familienunternehmen forscht. Zusammen mit seinem Co-Autor untersuchte er rund 150 Übernahmeangebote, die für börsennotierte Unternehmen im deutschen Prime Standard abgegeben wurden. „Die Machtbalance zwischen Aktionären und Vorständen hängt insbesondere davon ab, wie stark die Aktien gestreut sind“, sagt der Forscher. „Während Kleinaktionäre in der Regel kaum Einfluss auf den Vorstand haben, hat ein Ankeraktionär mit mindestens 25 Prozent der Stimmrechte eine viel stärkere Position. Er kann Vorstandsentscheidungen verhindern, wenn er diese als falsch oder zu riskant einschätzt.“ Unternehmen mit einem Ankeraktionär sollten also im Durchschnitt eine geringere Übernahmeprämie bieten als Unternehmen ohne Ankeraktionär.

Je stärker der Familieneinfluss, umso niedriger die Prämien

Innerhalb der Gruppe der verschiedenen Ankeraktionäre sticht jedoch die Familie als Ankeraktionär besonders hervor. Denn für Familien stehen häufig das Bewahren des Unternehmens und die Weitergabe an die nächste Generation im Vordergrund. Deshalb wird die grundsätzlich ohnehin schon riskante Entscheidung einer Übernahme besonders kritisch betrachtet. „Eine vorsichtige Familie würde so zum Beispiel bei Schätzungen für mögliche Synergien einen niedrigen Wert ansetzen und somit nur eine geringere Übernahmeprämie anbieten“, so Leitterstorf. „Dieser Effekt des vorsichtigen Vorgehens wird noch weiter verstärkt, wenn der CEO des Unternehmens aus der Familie stammt.“ Dies belegen auch die Daten der Studie: Familienunternehmen bieten noch niedrigere Prämien als Unternehmen mit anderen Ankeraktionären. Besonders niedrig sind die Prämien, die Familienunternehmen mit einem Familien-CEO offerieren.