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1. Januar 2017

Länderindex Familienunternehmen: Deutschland nur mäßig attraktiv

Der Länderindex Familienunternehmen wird seit 2006 alle zwei Jahre im Auftrag der Stiftung Familienunternehmen durch das Zentrum für Europäische Wirtschaftsforschung Mannheim erhoben. Basis sind internationale und nationale Statistiken. Diese werden daraufhin geprüft, in welchem Umfang ein Standort für ein größeres Familienunternehmen des verarbeiten­den Gewerbes innerhalb der EU und der USA attraktiv ist. Ausgegangen wird von einem Modell-Familienunternehmen mit 210 Millionen Euro Jahresumsatz. Untersucht werden die folgenden sechs Themengebiete: Steuern, Arbeitskosten/Pro­duktivität/Humankapital, Regulierung, Finanzierung, Infrastruktur/Institutionen sowie Energie.

Tschechien überholt erstmals Deutschland

„Die Botschaft des neuen Länderindex Familienunternehmen ist klar: Deutschland ist als Standort für Familienunternehmen keineswegs konkurrenzlos“, erklärt Prof. Dr. Dr. h.c. mult. Brun-Hagen Hennerkes, Vorstandsvorsitzender der Stiftung Familienunternehmen. „Elf der untersuchten 18 Industriestaaten schneiden in diesem Standortvergleich besser ab als wir. Deutschland kann sich damit nur im hinteren Mittelfeld platzieren.“ Die bes­ser positionierten Standorte sind meist kleinere Staaten West- und Nordeuropas. Diese liegen entweder seit der erstmaligen Erhebung des Ländervergleichs 2006 bereits vorne (wie die Schweiz, Finnland und Dänemark) oder sie haben sich über die Jahre (wie die Niederlande oder Luxemburg) nach vorne gearbeitet.

Laut Studie hat der östliche Nachbar Tschechien Deutschland 2016 erstmals in seinen Standortqualitäten überholt. Deswegen ist Deutsch­land jetzt auf Platz 12 abgerutscht. Tschechien verdankt seine bessere Platzierung vor allem einer deutlich geringeren Steuerbelastung und günstigeren Energiepreisen.

Warnung vor weiteren Belastungen

„Deutschland muss als Standort differenziert betrachtet werden. Im Vergleich zu 2006 können wir in einzelnen Bereichen große Fortschritte vorweisen, zum Beispiel im Be­reich Unternehmensfinanzierung. Hier übernehmen wir im Gegensatz zu früher einen Spitzenplatz in der EU“, kommentiert Hennerkes die Ergebnisse.

„Trotz dieser Erfolge ist eine Warnung angebracht. Aktuelle politische Entscheidungen könnten die Qualität des Standorts gefährden“, bemerkt Prof. Dr. Friedrich Heinemann (ZEW) als einer der Autoren der Studie. So sei das geplante neue Zeitarbeitsgesetz nach dem Mindestlohn eine weitere Bürde für die Unternehmen. Auch die gute Lage der öffentlichen Haushalte und der Sozialversicherung werde durch eine Vielzahl von anstehenden Leistungsausweitungen in den Bereichen Rente, Gesundheit und Pflege in Frage gestellt.

Steuerliche Wettbewerbsfähigkeit erodiert

Auf den anderen vier Feldern Steuern, Arbeitskosten/Produktivität/Humankapital, Infrastruktur sowie Energie stagniert Deutschland. Teilweise hat es sich gegenüber 2014 sogar verschlechtert. Heinemann warnt deswegen: „In der Steuerpolitik erweisen sich die Nachbarn als handlungsfähiger. Als Folge hieraus erodiert unsere steuerliche Wettbewerbsfähigkeit. Die bereits novellierte Erbschaftsteuer könnte zu einem weite­ren Abrutschen im Steuer-Ranking führen.“ Inakzeptabel sei die mittelmäßige Positi­onierung Deutschlands in der Bildung. Durch die Flüchtlinge stellten sich ganz neue

Herausforderungen in der Bildungspolitik. Der Schlüssel zur Bewältigung dieser Aufgabe liege in einer erfolgreichen Qualifikation einer möglichst hohen Zahl der Migranten.

Download der Studie „Länderindex Familienunternehmen“ unter www.familienunternehmen.de