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5. März 2020

Kärcher-Chef Hartmut Jenner: „Wir sind Macher“

Für die Reinigungstechnik-Spezialisten Kärcher gehört ein nachhaltig ökologisches Handeln zu den Eckpfeilern seiner Firmenphilosophie. Redakteur Hendrik Fuchs sprach darüber mit CEO Hartmut Jenner.

Welche Rolle spielen Ökologie und Klimaschutz generell in der strategischen Ausrichtung von Kärcher?

Hartmut Jenner: Die Themen waren und sind ein wesentlicher Teil unseres Handelns. Wir von Kärcher sehen uns hier ein stückweit als Vorreiter. Das sieht man beispielsweise daran, dass wir bereits 1996 als eines der ersten Unternehmen eine Photovoltaikanlage auf unseren Werken in Winnenden installiert oder 1997 das von uns zu Test- und Forschungszwecken verwendete Wasser komplett auf Kreislaufführung umgestellt haben. Seit vielen Jahren sind wir darüber hinaus Teilnehmer des Global Compact der UN – eine Initiative, die für die Vision einer nachhaltigen globalen Wirtschaft steht. Mit welcher Konsequenz wir hier agieren, zeigt sich auch sehr schön an unserem Nachhaltigkeitsprogramm „Sustainability Excellence“ von 2014. Eines der darin festgelegten Ziele war es, bis 2020 20 Prozent an CO2 in unseren Werken einzusparen. Das haben wir bereits 2018 erreicht.

Wie spiegelt sich das in der täglichen Umsetzung, in der Produktion und im Produktportfolio wider?

Wir setzen zu verschiedenen Themen jedes Jahr neue Nachhaltigkeitsprojekte auf, für die es einen separaten Etat gibt. So konnten wir zum Beispiel bis 2018 deutschlandweit die Beleuchtung in unseren Werken komplett auf LED umstellen. Bei unseren Verpackungen werden zunehmend Styropor-Einlagen durch Wellpappe ersetzt. Im Herstellungsprozess legen wir zudem größten Wert darauf, weniger Material zu verbrauchen, Kunststoff nach Möglichkeit selbst zu recyceln und weiter zu verarbeiten. Als weltweit agierender Player verfolgen wir außerdem einen Local-for-Local-Ansatz. Heißt: Unsere Werke, die auf der ganzen Welt verteilt sind, beziehen ihre Komponenten aus dem jeweiligen Land oder der jeweiligen Region. Das spart dank möglichst kurzer Transportwege viel CO2 ein. Des Weiteren konnten wir die Zustellung unserer internen Post komplett auf E-Mobility umstellen.

Wie werden Mitarbeiter, aber auch Lieferanten bei diesem Thema mit eingebunden?

Wir veranstalten hierzu regelmäßig Workshops, in denen sich die Mitarbeiter verschiedene Themen im Bereich Nachhaltigkeit erarbeiten. Themen waren zum Beispiel der Einsatz der LED-Technologie oder die Verringerung des Warmwasserverbrauchs, etwa beim Händewaschen. Unsere Mitarbeiter merken also tagtäglich, dass wir es mit der Nachhaltigkeit fernab von Lippenbekenntnissen sehr ernst nehmen. Wir sind hier einfach Macher. Von unseren Zulieferern erwarten wir, dass sie ebenfalls nachhaltig agieren – und zwar überprüfbar. Bei Kärcher haben wir beispielsweise keine eigene Gießerei. Die dort eingesetzten Spritzgussmaschinen verbrauchen sehr viel Energie. Hier fordern wir von unseren Zulieferern, dass sie ein Auge darauf haben, wo sich eventuell Energie einsparen lässt. Glücklicherweise rennen wir hier offene Türen ein.

Die Produktion von C02 wird sich nicht gänzlich vermeiden lassen. Inwieweit gibt es bei Kärcher denn Kompensationsmaßnahmen?

Wir verfolgen hier verschiedene Ansätze. So setzen wir beispielsweise auf den Einsatz regenerativer Heizungen wie Holzpellets oder Holzhackschnitzel an unseren deutschen Standorten. Außerdem arbeiten wir kontinuierlich an unserer Energieeffizienz und nutzen dafür unser weltweites Energiemanagementsystem nach ISO 50001.

Nicht wenige deutsche Unternehmen fürchten Wettbewerbsnachteile durch weitere gesetzliche Vorhaben im Bereich Umwelt- und Klimaschutz. Wie geht Kärcher mit dieser Thematik um?

Ich sehe da eigentlich nur Vorteile. Es ist zu kurz gedacht, wenn man immer nur die anfänglichen Kosten und den Aufwand zu Beginn sieht. Ich würde mir aber wünschen, dass den Unternehmen mehr Zeit eingeräumt wird, um bestimmte Vorgaben im Betrieb in Ruhe umsetzen zu können. Letztlich werden wir um ein nachhaltiges Wirtschaften nicht herumkommen, weil auch Kunden und Mitarbeiter das immer stärker einfordern. Da sehe ich vor allem Familienunternehmen im Vorteil, ist doch Nachhaltigkeit, das Denken über Generationen hinaus, ein wesentlicher Teil ihrer DNA. Familienunternehmen wie Kärcher, die antizyklisch agieren, die Nachhaltigkeit leben und nicht das Thema aufgreifen, weil es gerade in der Öffentlichkeit en vogue ist, werden von dieser Entwicklung meiner Ansicht nach nur profitieren.

www.kaercher.com

Tipp: In der April-Ausgabe 2020 der News dreht sich alles um die Themen Ökologie und Klimaschutz.