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1. Juli 2020

Umsatzsteuersenkung ist laut Toplink-Geschäftsführer „Unfug“

Laut Toplink-Geschäftsführer Jens Weller setze die neue Umsatzsteuersenkung geschwächte Unternehmen noch mehr unter Druck

Seit heute (01.07.) reduziert die Bundesregierung die Umsatzsteuer von 19 auf 16 Prozent sowie den ermäßigten Umsatzsteuersatz von 7 auf 5 Prozent, um den Corona-geschwächten Konsum wieder anzukurbeln. Dazu wurde der Gesetzesentwurf der Regierungskoalition zur Umsetzung steuerlicher Hilfsmaßnahmen zur Bewältigung der Corona-Krise (sog. „Corona-Steuerhilfegesetz“) beschlossen. Die kritischen Stimmen aus der Wirtschaft werden hingegen immer lauter: „Dieser Rundumschlag ist eine politische Fehlentscheidung, die weder im B2C- noch im B2B-Geschäft sinnvolle Folgen haben wird. Das ist grober unternehmerischer Unfug, der die Wirtschaft zu teuren Anpassungen in zahlreichen Softwaresystemen zwingt und Tür und Tor für Fehler öffnet. Besonders gestraft sind Unternehmen, die Jahresmietrechnungen beispielsweise für Software oder andere Dienste ausstellen und jetzt händisch eingreifen müssen“, sagt Jens Weller, Geschäftsführer von toplink. Das Unternehmen aus Deutschland bietet einen digitalen Arbeitsplatz, inklusive entsprechender Telefonanbindung, Nutzung von Office-Anwendungen und auch datenschutzkonformer Videokonferenzdienste.

Profit oder Hindernis

Um den aufgrund von Corona zurückgegangenen Konsum wieder anzukurbeln ist die Senkung der Umsatzsteuer ein probates Mittel – wobei es den Händlern selbst überlassen ist, den Brutto- oder Nettopreis anzupassen und damit den Vorteil auch wirklich an Kunden weiterzugeben. „Damit ist nicht einmal gesagt, ob Endkunden tatsächlich profitieren. Die Kosten wiederum für uns Unternehmen zur Anpassung aller Systeme für den temporär anderen Umsatzsteuersatz in den beiden Umstellungsmonaten liegen bei bis zu fünf Prozent alleine in unserer Digitalbranche. So stelle ich mir die Förderung der Digitalwirtschaft in Deutschland nicht vor“, so Weller weiter. Die Politik habe damit einen gegenteiligen Effekt erzielt und setzt manche geschwächte Firma noch weiter unter Druck. Zumal die Änderungen nicht mit einem Mausklick zu machen seien: Mindestens im ERP-System, im CRM-System und möglichen Abrechnungs- und Buchhaltungssystemen müssen Anpassungen eingepflegt werden, was allerdings viele Firmen und Händler nicht mit der eigenen IT-Abteilung leisten können.

Mittelstand besonders betroffen

Das Darmstädter Unternehmen toplink GmbH ist ein Provider für Telekommunikation und Office in etwa 60 Ländern. „Und vor allem in diesem Wirtschaftsbereich – kleine und mittelständische Unternehmen – ist der Kostendruck immens, was dann später wieder Auswirkungen auf die angestellten Mitarbeiter haben wird. Damit ist das Konjunkturpaket im Endeffekt hinfällig und nur als PR-Gag zu bezeichnen. Sinnvoller wäre eine Anpassung der Lohnsteuer ähnlich dem Modell in Österreich gewesen – das gibt den Verbrauchern unmittelbar Kaufkraft, und zwingt die Unternehmen nicht in die Knie“, so der Unternehmer Weller. (ots)