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9. November 2020

Familienunternehmen sind bei staatlichen Soforthilfen zurückhaltend

Der „Jahresmonitor“ der Stiftung Familienunternehmen zeigt, dass Familienunternehmen bei staatlichen Soforthilfen eher zurückhaltend agieren. Die Studie wurde gemeinsam mit dem Münchner ifo Institut erstellt.

Für die Studie wurden von Mai bis Juni 2.452 Unternehmen befragt. Im Oktober nahmen aus diesem Kreis 1.104 Firmen erneut an der Umfrage teil.

Mehr als die Hälfte der Unternehmen greife auf Kurzarbeit zu, die aus Mitteln der Arbeitslosenversicherung finanziert wird. Steuerstundungen nehmen rund 36 Prozent in Anspruch. Deutlicher seltener wurden Soforthilfen genutzt (19 Prozent) sowie Kredite (10 Prozent) und Mietstundungen (6,8 Prozent). Elf Prozent der Unternehmen leiteten Werks- oder Standortschließungen ein.

„Der erneute Lockdown führt uns deutlich vor Augen: Wir müssen dringend unsere Volkswirtschaft auch gegenüber künftigen Schocks absichern“, sagt Professor Rainer Kirchdörfer, Vorstand der Stiftung Familienunternehmen. „Wir müssen uns auf eine lang andauernde Situation einstellen und dabei die Balance zwischen einem effizienten Gesundheitsschutz und unserem gemeinschaftlichen Interesse an einer Fortführung der wirtschaftlichen Aktivitäten wahren. Wir können nicht auf jede Krise mit neuen steuerfinanzierten Rettungspaketen reagieren, die auch zu Wettbewerbsverzerrungen führen.“

Die Politik hatte in der Corona-Krise Hilfsprogramme in Milliardenhöhe beschlossen, um Jobs und Firmen zu sichern. „Die meisten Unternehmen brauchen keine staatliche Alimentierung, alle aber gute und solide Rahmenbedingungen, um Eigenkapital und Liquidität zu sichern und aufzubauen“, so Kirchdörfer weiter. „Eine deutliche Ausweitung der steuerlichen Verlustrückträge wäre jetzt das beste Mittel, um die Resilienz von Unternehmen in der gegenwärtigen Krise zu steigern. Damit würde sichergestellt, dass auch nur Unternehmen mit einem soliden Geschäftsmodell Hilfen erhalten. Streuverluste und Wettbewerbsverzerrungen würden vermieden.“

Weiter hieß es in der Studie, die Pandemie habe nicht zu flächendeckenden Verlagerungen von Produktion ins Ausland oder im Inland geführt. Für den bisweilen vermuteten Trend zu einer „Deglobalisierung“ der Lieferketten biete die Umfrage keine Belege, heißt es. Eine Verlagerung von Lieferketten nach Deutschland oder ins Ausland planen demnach nur drei beziehungsweise zwei Prozent der Unternehmen. Wichtiger sei für die Unternehmen der Ausbau der Lagerhaltung oder Änderungen des Zuliefernetzes.

Quelle: Manager Magazin, Stiftung Familienunternehmen