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12. Januar 2021

Deutschland rutscht im Länderindex Familienunternehmen weiter ab

Im aktuellen Standortvergleich von 21 Industrienationen ist Deutschland um drei Plätze abgerutscht.

Die Standortbedingungen für Familienunternehmen haben sich in Deutschland weiter verschlechtert. Das ergab die aktuelle Standortstudie „Länderindex Familienunternehmen“, die im Auftrag der Stiftung Familienunternehmen vom ZEW Mannheim erstellt wird. Im aktuellen Standortvergleich von 21 Industrienationen ist Deutschland im Vergleich zu 2018 um drei Plätze auf Rang 17 abgerutscht. Deutschland erreicht damit die schlechteste Position in der Geschichte des Länderindex. Auf den Spitzenplätzen liegen die USA, Großbritannien und die Niederlande. Deutlich abgeschlagen ist Deutschland etwa beim Standortfaktor Steuern. Es mache sich die „Passivität der deutschen Steuerpolitik bemerkbar“, heißt es in der Studie. In der Kategorie „Arbeitskosten, Produktivität, Humankapital“ (Rang 18) weist Deutschland der Studie zufolge „deutliche Standortschwächen“ auf. Im Mittelfeld liegt Deutschland in der Kategorie „Regulierung“, die unter anderem das Ausmaß an Bürokratie im jeweiligen Land bemisst. (Rang 12). Leicht verbessert hat sich Deutschland in der Kategorie „Energie“, liegt mit Platz 14 aber unterhalb des Durchschnitts. Hierfür sind vor allem die hohen Strompreise verantwortlich. Vorteile bei der Stromversorgungssicherheit können das nur bedingt ausgleichen. In der Kategorie „Infrastruktur und Institutionen“ schneidet Deutschland leicht überdurchschnittlich ab (Rang 8), muss aber den stärksten Punktverlust hinnehmen. Vor allem die digitale Infrastruktur gilt als unzureichend. Eine große Stärke des deutschen Standorts ist die finanzielle Stabilität von Staat und Privatwirtschaft und die damit verbundenen günstigen Finanzierungsbedingungen.

USA und Großbritannien vorne

Die USA haben sich laut Studie auf Rang eins des Gesamtrankings vorgearbeitet. Verantwortlich sei dafür maßgeblich die 2018 in Kraft getretene Steuerreform. Sie sah zum Beispiel eine Absenkung der Körperschaftsteuersätze auf Bundesebene von 35 auf 21 Prozent vor. Herausragende Ergebnisse haben die USA auch in den Bereichen „Regulierung“, „Finanzierung“ und „Energie“. Auf Platz zwei des Länderindex liegt Großbritannien. Doch die Entscheidung für den Brexit rächt sich. Kein anderes Land hat einen so starken Punktverlust hinnehmen müssen. Am stärksten haben die Brexit-bedingten Unsicherheiten die Bewertungen im Bereich „Infrastruktur und Institutionen“ in Mitleidenschaft gezogen. Sehr gut allerdings schneidet das Vereinigte Königreich im Bereich „Arbeitskosten, Produktivität, Humankapital“ und „Regulierung“ ab. Dagegen fallen die Ergebnisse in den Bereichen „Steuern“ und „Energie“ nur durchschnittlich aus.

„Deutschland wettbewerbsfähiger machen“

Der Länderindex ist 2006 das erste Mal erhoben worden. Seitdem fiel Deutschland um fünf Plätze zurück. Schlechter hat sich kein anderer untersuchter Standort entwickelt. „Die Ergebnisse müssen aufrütteln“, sagt Professor Rainer Kirchdörfer, Vorstand der Stiftung Familienunternehmen. „In den vergangenen Jahren haben wir uns sehr stark auf die Verteilung des Wohlstands konzentriert. Jetzt kommt es dringend darauf an Deutschland wettbewerbsfähiger zu machen. Der Länderindex zeigt die Prioritäten klar auf: Wir müssen im Steuerwettbewerb wieder Anschluss gewinnen, Energiekosten reduzieren und in die unzureichende Infrastruktur investieren.“

Hier kann die Studie kostenlos heruntergeladen werden:

Länderindex Familienunternehmen 2021