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7. Januar 2022

Nicht nur Fachkräftemangel belastet Familienunternehmen

Der Fachkräftemangel, Lieferengpässe und die hohen Preise für Rohstoffe und Energie beschäftigt die Familienunternehmen am meisten.

Das Gros der Familienunternehmen blickt positiver auf das neue Jahr als noch vor zwölf Monaten. Das ergab eine Umfrage der Verbände „Die Familienunternehmer“ und „Die Jungen Unternehmer“. Demnach gehen 56 Prozent der Befragten Unternehmerinnen und Unternehmer davon aus, dass ihr operatives Geschäft 2022 wächst beziehungsweise stark wächst.
 
Auf die Frage nach den größten Sorgen mit Blick auf das Jahr 2022 steht der Fachkräftemangel mit 67 Prozent ganz oben. Im Vorjahr waren es 39 Prozent. 53 Prozent der Unternehmer gehen auch davon aus, dass sich der Fachkräftemangel noch vergrößern wird. 39 Prozent der Betriebe beabsichtigen, die Zahl der Arbeitsplätze zu erhöhen. Bei den Ausbildungsplätzen sind es 16 Prozent. „Die aktuelle Lage des deutschen Arbeitsmarkts hellt sich trotz der Pandemie erfreulich auf. Die Arbeitslosenzahl sinkt, es gibt immer weniger Bezieher von Kurzarbeitergeld und die Zahl der sozialversicherungspflichtig Beschäftigten steigt, weshalb das Reservoir an Fachkräften immer geringer wird. Auch weil den Betrieben schlichtweg das nötige Personal fehlt, verzögern sich immer häufiger Lieferzeiten oder Aufträge müssen sogar abgelehnt werden“, kommentierte Reinhold von Eben-Worlée, Präsident des Verbands „Die Familienunternehmer“, die Umfrage-Ergebnisse, und ergänzte: Wir Familienunternehmer befürworten daher die Ankündigung der Ampelkoalition, die Fachkräftezuwanderung aus Nicht-EU-Staaten um ein Punktesystem zu ergänzen. Qualifizierte Zuwanderung muss ohne komplizierte bürokratische Hürden möglich sein.

Sarna Röser, Bundesvorsitzende der Jungen Unternehmer unterstrich: „Fachkräftemangel ist auch ein Bildungsthema. Schülerinnen und Schüler von heute haben das Potenzial, qualifizierte Fachkräfte von morgen zu sein.“ Dazu müsse aber viel mehr als heute wirtschaftliches Wissen schon in der Schule gelehrt werden, zum Beispiel über ein eigenständiges Schulfach Wirtschaft. Darüber hinaus müsse man jungen Menschen und deren Eltern vermitteln, dass eine solide Ausbildung genauso viel Wert sei wie ein Uni-Abschluss. „Nicht jeder Schüler muss Abi machen. Nicht jeder Abiturient muss studieren. Hier muss sich auch das Mindset in der Gesellschaft ändern.“

Auf Platz zwei und drei der Sorgen-Liste folgen Lieferengpässe (66 Prozent) und steigende Rohstoffpreise (63 Prozent). „Darüber schwebt wie ein Damoklesschwert weiterhin die Debatte um ein Lieferkettengesetz der Europäischen Union. Das könnte die Lieferengpässe noch verschärfen, wenn es weit über die Vorgaben des deutschen Sorgfaltspflichtengesetzes hinausgeht“, warnt von Eben-Worlée. Und auch die steigenden Energiekosten werden für immer mehr Unternehmen zum Problem: Waren es vor einem Jahr nur 28 Prozent, denen die steigenden Energiekosten Sorgen bereiteten, hat sich die Zahl mit aktuell 59 Prozent mehr als verdoppelt. „Robert Habeck sollte bei der grünen Transformation deshalb die Folgen für die Wirtschaft und die Beschäftigten immer mitdenken“, so der Familienunternehmer-Präsident abschließend.