Aktuelles
15. März 2022

Die Gefahr von Stammeskonflikten in Unternehmerfamilien eindämmen

Neuer von der WIFU-Stiftung herausgegebener Praxisleitfaden hilft bei der Prävention von Konflikten in Stammesorganisationen von Familienunternehmen.

Früher wie heute sind zahlreiche große Mehrgenerationen-Unternehmerfamilien in Stämmen organisiert. Gleichzeitig wird diese besondere Organisationsform in der Fachwelt aufgrund ihrer Konfliktanfälligkeit als massive Bedrohung für den Bestand von Familie und Unternehmen angesehen. Wie passt das zusammen? Wie haben es erfolgreiche Stammesunternehmen über Generationen geschafft, nicht nur ohne Schaden, sondern sogar mit einem besonderen Nutzen für Familie und Unternehmen zu existieren? Diesen und weiteren Fragen widmet sich Jakob Ammer in dem neuen Praxisleitfaden „Die Organisation der Unternehmerfamilie in Stämmen – Strategien und Maßnahmen zur Prävention von Konflikten“.

Familienverband

Nach einer kurzen begrifflichen Einordnung beleuchtet Ammer die typischen Beweggründe für die Implementierung einer Stammesorganisation und geht den damit einhergehenden Chancen- und Risikopotenzialen auf den Grund. Anschließend widmet er sich vier typischen Erscheinungsformen von in Stämmen organisierten Unternehmerfamilien und stellt die markantesten Vor- und Nachteile der jeweiligen Formen heraus. Dabei wird deutlich, dass jeder Typ ein mehr oder weniger stark ausgeprägtes Potenzial hat, über viele Generationen hinweg erfolgreich zu funktionieren. Besonders gute Erfolgsaussichten haben Stammesorganisationen Ammer zufolge dann, wenn im Gesellschafterkreis eine starke kollektive Identifikation mit der Unternehmergroßfamilie im Ganzen herrscht, also der Blick über den eigenen Stammesverband hinausgeht.

Wittener Institut für Familienunternehmen

In diesem Sinne sollte das erklärte Ziel mehrstämmiger Unternehmerfamilien stets darin bestehen, dass sich die Mitglieder der Stämme als Mitglieder ein und desselben Familienverbandes sehen, die sich den Besitz am Unternehmen teilen. Der Praxisleitfaden schließt mit Überlegungen zur Notwendigkeit eines systematischen Managements der Grenze zwischen den verschiedenen Gesellschafterstämmen. Das vordringliche Ziel eines solchen „Binnengrenzenmanagements“ sieht Ammer in dem Erhalt des Gesellschafterkreises als dauerhaft handlungs- und funktionsfähige Einheit.

Stammeskonflikte weit verbreitet

„Stammeskonflikte sind in großen Unternehmerfamilien nach wie vor ein weit verbreitetes Phänomen“, erklärt Ammer. „Ziel dieses Leitfadens ist es, Familienunternehmerinnen und -unternehmer für die besonderen Gefahrenpotenziale der Stammesstruktur zu sensibilisieren und ihnen praktische Hinweise an die Hand zu geben, wie sie mit diesen besser umgehen können. Er richtet sich daher nicht nur an bestehende Stammes-unternehmen, sondern auch an alle Gründerunternehmerinnen und -unternehmer, die vor der Entscheidung stehen, wie sich die kommenden Generationen organisieren sollen.“

Hier kann der Leitfaden kostenlos heruntergeladen werden.