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30. Mai 2022

Zweidrittel aller Familienunternehmen haben keine Frau im Vorstand

Der Frauenanteil in den Geschäftsführungen der Familienunternehmen ist nur gut halb so hoch wie bei den Unternehmen in DAX, MDAX und SDAX.

Im neuen Frühjahrsreport der Allbright-Stiftung werden Familienunternehmer als „Bremsklotz der deutschen Wirtschaft“ bezeichnet, wenn es um Chancengleichheit und Vielfalt in der Führung geht. Mit 8,3 Prozent sei etwa der Frauenanteil in den Geschäftsführungen der Familienunternehmen nur gut halb so hoch wie bei den Unternehmen in DAX, MDAX und SDAX.

Laut dem aktuellen Frühjahrsbericht der Stiftung kommen Familienunternehmen bei der Modernisierung ihrer Führungsstrukturen nicht voran: In den Geschäftsführungen der 100 umsatzstärksten deutschen Familienunternehmen arbeiteten demnach am 1. März 2022 nur 8,3 Prozent Frauen. Vor zwei Jahren lag der Wert bei rund sieben Prozent. Das ist deutlich weniger als bei den 160 an der Frankfurter Börse notierten Unternehmen, wo er bei 14,3 Prozent liegt – auch das ist im internationalen Vergleich ungewöhnlich wenig. Mehr als zwei Drittel (68) der Familienunternehmen hat keine einzige Frau in der Geschäftsführung.

Je privater die Firma, desto männlicher die Führung

Die öffentliche Erwartungshaltung wirkt: Der Frauenanteil auf Vorstandsebene ist bei den 40 großen DAX-Unternehmen mit 19,8 Prozent im Vergleich am höchsten. Sie stehen am stärksten im öffentlichen Fokus und unterliegen einer strengen Transparenzpflicht. Die 70 Familienunternehmen im Bericht, die vollständig in Familienbesitz sind, schneiden dagegen am schlechtesten ab: Hier liegt der Frauenanteil in den Geschäftsführungen seit März 2020 unverändert bei nur 4,8 Prozent. Nur bei wenigen der großen Familienunternehmen sind noch Familienmitglieder im Management vertreten, meist steuert die Familie aus Positionen im Aufsichtsrat oder Gesellschaftergremium und die Geschäftsführung wird an familienfremde Manager übertragen. So schöpfen Börsen- und Familienunternehmen aus demselben Personalpool, treffen jedoch sehr unterschiedliche Entscheidungen: Bei den 40 DAX-Unternehmen waren 38 Prozent der Neurekrutierungen seit 1. März 2020 weiblich, bei den 70 Familienunternehmen in vollständigem Familienbesitz waren es nur sechs Prozent. Dort wurden tatsächlich mehr Personen rekrutiert, die Stefan heißen (7), als Frauen (5).

„Diversität zieht Top-Talente an“

„Es ist eine Stärke der Familienunternehmen, dass sie in Generationen denken und nicht in Quartalen. Gerade deshalb sollten sie Diversität und Chancengleichheit nicht als Zeitgeistthema unterschätzen, es geht um eine der großen, dauerhaften gesellschaftlichen Veränderungen – und eine der größten Herausforderungen für die Unternehmen“, kommentieren die Stiftungsgeschäftsführer Wiebke Ankersen und Christian Berg. „Diversität zieht Top-Talente an, ein veraltetes Führungsverständnis tut es nicht. Die Familienunternehmen riskieren, in der Konkurrenz um die besten Köpfe zu Arbeitgebern zweiter Wahl zu werden.

Hier kann der Allbright-Bericht als PDF heruntergeladen werden.