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23. August 2022

Report: Unternehmensnachfolger dringend gesucht

Krisen und die Auswirkungen der Corona-Pandemie bestimmen den betrieblichen Alltag. Darunter leidet auch der Generationswechsel in Familienunternehmen. Obwohl viele Betriebe zur Nachfolge anstehen, möchten immer weniger Personen selbst Unternehmer sein oder Unternehmer werden. Dies geht aus dem aktuellen DIHK-Report zur Unternehmensnachfolge hervor. Demnach informierten sich bei ihrer Industrie- und Handelskammer (IHK) im Jahr 2021 im Vergleich zum Vorkrisenjahr 2019 nur noch halb so viele Personen, die ein Unternehmen übernehmen möchten (2.159 im Jahr 2021 zu 4.302 in 2019). Das Nachfolgeinteresse hat insbesondere in den von Lockdowns betroffenen Branchen Handel und Gastronomie sowie bei kleinen Dienstleistungsunternehmen gelitten. Nicht so stark, aber dennoch deutlich ist die Zahl der beratenen Alt-Inhaberinnen und Alt-Inhaber auf Nachfolgesuche gesunken (um knapp 1.000 auf nunmehr 6.021 Beratungen, 2019: 7.227). Damit verzeichnen die IHKs in ihren Beratungen mittlerweile fast dreimal so viele Alt-Inhaberinnen und -Inhaber auf Nachfolgesuche wie Personen, die ein solches Unternehmen übernehmen möchten.
„Neben dem Fachkräftemangel steuert unsere Wirtschaft auch auf eine Unternehmerknappheit zu“, sagte DIHK-Präsident Peter Adrian bei der Vorstellung des Reports. „Vor allem in Handel, Gastronomie und bei den Dienstleistungen – also den von der Pandemie am stärksten betroffenen Branchen – droht vielen Unternehmen beim Generationswechsel mangels Nachfolger das Aus.“ Ein Grund für den Rückgang auf beiden Seiten sind für die IHK-Beraterinnen und -Berater vor allem die gestiegenen Unsicherheiten im geschäftlichen Umfeld. Viele Unternehmer hatten angesichts der Herausforderungen während der Pandemie um die Existenz ihres Betriebes gekämpft und ihre Nachfolgesuche auf Eis gelegt. Dem gegenübergestellt erhalten gut qualifizierte Nachfolgewillige angesichts zunehmenden Fachkräftemangels lukrative Angebote für abhängige Beschäftigungsverhältnisse und entscheiden sich daher eher oft gegen den „Beruf Unternehmer/in“.

Peter Adrian, Präsident des DIHKWerner Schuering
Peter Adrian, Präsident des DIHK

Schwieriges Umfeld für Unternehmertum

Dahinter steht zudem laut des DIHK mangelndes Interesse gerade bei jungen Menschen, mit einer Unternehmensfortführung stärker selbst ins Risiko zu gehen. Aber auch das wegen zunehmender Bürokratie und stark steigender Gas- und Strompreise für Unternehmen schwierige sonstige Umfeld hemme die Bereitschaft zum unternehmerischen Engagement. „Die Politik muss dringend gegensteuern und darf den Mittelstand jetzt nicht noch mit weiteren Richtlinien, Gesetzen und Vorschriften belasten“, so Adrian. „Je leichter es Nachfolgerinnen und Nachfolgern gemacht wird, ein Unternehmen zu führen, desto leichter lassen sich geeignete Führungskräfte für die Nachfolge finden.“

„Wir brauchen Mut, Pioniergeist, Einfallsreichtum und Zuversicht“

Darüber hinaus, so der DIHK-Präsident, sollten die im Koalitionsvertrag vereinbarten entlastenden Maßnahmen jetzt rasch umgesetzt werden. So sollten Unternehmensgründungen administrativ und rechtlich binnen 24 Stunden über die Bühne gehen können. „Was wir jetzt brauchen ist Mut, Pioniergeist, Einfallsreichtum und Zuversicht vor allem auch in schweren Zeiten, um die großen Herausforderungen, vor denen die Wirtschaft steht, zu bewältigen. Genau dafür steht Unternehmertum, und wir müssen alles dafür tun, dass sich diese wichtige Zukunftsressource auch künftig bei uns entfalten kann.“

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