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5. September 2022

Studie: Nachfolgen oft konfliktbehaftet

Die Übergabe eines Familienunternehmens an die nächste Generation beziehungsweise an eine externe Nachfolgerin oder einen Nachfolger ist mit vielen Emotionen verbunden. Nicht selten kommt es deshalb zu Konflikten. Das geht aus einer neuen Studie hervor, die die Credit Suisse zusammen mit der Universität St. Gallen durchgeführt hat. Befragt wurden 150 KMU und Großunternehmen, die bereits die Nachfolge abgeschlossen haben oder sich noch mitten im Generationswechsel befinden. Dabei zeigte sich, dass mehr als jeder vierte Befragte (27%) beim Übergabeprozess konfliktreiche Situationen erlebt hat. Weil das Herzblut an der eigenen Firma hängt, kommen für die meisten Firmeninhaber nur enge Vertraute als Nachfolger in Frage. 87 Prozent der Befragten haben der Umfrage zufolge eine enge Beziehung zu ihrem Vorgänger. Zudem gaben 86 Prozent an, dass die Vorstellungen zwischen ihnen und ihrem Vorgänger in Bezug auf die Unternehmensbelange während des Übergabeprozesses kompatibel waren. Das lässt den Studienautoren zufolge trotz gelegentlicher Konflikte darauf schließen, dass viele Übergangsprozesse einvernehmlich und konstruktiv verlaufen.

Fokus auf familieninterne Nachfolge

Doch eine gute Beziehung ist nicht immer gut genug: Gerade bei Familienunternehmen versuchen die Inhaber oftmals, Nachfolger aus der eigenen Familie zu finden. Die Umfrage hat ergeben, dass 44 Prozent der Inhaber familiengeführter Firmen alles dafür tun wollen, die Geschäftsleitung oder die Anteile in der Familie zu belassen. Bei 19 Prozent war diese Absicht eher stark und 57 Prozent gaben an, eine solche Lösung „eher“ vorzuziehen. Nur gerade 14 Prozent der Befragten ist es der Studie zufolge komplett unwichtig, ob die Firma in der Familie bleibt oder ob sie in andere Hände gelangt.

Konflikte nach der Übergabe

Doch auch nach erfolgreicher Übergabe an die nächste Generation gibt es noch Konfliktpotenzial: 30 Prozent der Unternehmer können sich nach Einschätzung ihrer Nachfolger nämlich nicht von ihrer Rolle lösen. Fast jeder zweite taucht auch zwei Jahre später noch mindestens eine Stunde pro Woche im Büro auf. Rund elf Prozent der Übergeber verbringen zwei Jahre nach dem Rücktritt vom Chefposten sogar noch wöchentlich über 40 Stunden im Geschäft.

Meist keine freiwillige Übergabe

Firmenübergaben werden der Studie zufolge zwar oftmals von langer Hand geplant, sind am Ende aber häufig nicht ganz freiwillig. In 80 Prozent der Fälle sind das Alter oder die Gesundheit – oder eine Kombination davon – der Grund, dass jemand seine Firma einem Nachfolger anvertraut. In vier Prozent der Fälle führt der Tod des Inhabers zu einer Übergabe, in weiteren vier Prozent der Wunsch nach mehr Freizeit. Neun Prozent gaben an, dass sie in der Übergabe die Möglichkeit sahen, das Unternehmen zu einem guten Preis zu verkaufen. Dass sich ein Inhaber aber schlicht und einfach eine neue berufliche Herausforderung sucht, wurde als Grund kein einziges Mal genannt.