Blickpunkt

Auf dem Weg zur Klimaneutralität
Nachhaltigkeit in der Post-Corona-Zeit

Martin Dresp

Das Coronavirus beherrscht noch immer die Schlagzeilen. Dennoch hat das Thema Nachhaltigkeit nicht an Aktualität verloren. Ganz im Gegenteil: Die Pandemie wirkt als Katalysator für das Thema Nachhaltigkeit und wird von Politik und Bankenaufsicht mit ambitionierten Zeitplänen weiter vorangetrieben.

Jahrhunderthochwasser in Deutschland, Hitzerekord in Kanada, wochenlange Waldbrände in Europa – dies ist nur eine Auswahl der jüngsten Schlagzeilen, die die Klimakrise sehr greifbar gemacht haben. Die Wortwahl im Styleguide der Zeitung „The Guardian“ hat sich bereits 2019 geändert. Es wird seitdem empfohlen, anstelle von „Klimawandel“ die jetzt bevorzugten Begriffe „Klimakrise“ oder „Klimazusammenbruch“ zu verwenden. Es deutet alles darauf hin, dass beim Klimaschutz ein entscheidender Punkt erreicht ist.

Ambitionierte Ziele

Im Dezember 2015 unterzeichneten Länder aus der ganzen Welt das Pariser Abkommen, dessen zentrales Ziel es ist, die weltweiten Maßnahmen gegen den Klimawandel zu stärken. Das Abkommen sieht vor, den globalen Temperaturanstieg im Vergleich zum vorindustriellen Zeitalter auf deutlich unter zwei Grad Celsius zu begrenzen. Die EU hat sich mit dem 2019 präsentierten Green Deal zum Ziel gesetzt, bis 2050 der erste klimaneutrale Kontinent zu werden und somit die Nettoemissionen von Treibhausgasen auf null zu reduzieren. Deutschland unterstützt dieses Ziel und die im Juni verschärften Klimaziele sehen vor, dass die Treibhausgasemissionen bis 2030 um 65 Prozent im Vergleich zu 1990 reduziert werden sollen.

Transparenz entscheidend

Um diese Ziele zu erreichen, nimmt die Politik und Bankenaufsicht verstärkt die Finanzindustrie in die Pflicht, da der Lenkung der Kapitalflüsse eine Schlüsselrolle zugewiesen wird. Dabei werden insbesondere drei übergeordnete Ziele verfolgt: Erstens, Transparenzschaffung. Zweitens, stärkere Berücksichtigung von Klima- und Umweltrisiken, sozialen sowie Governance-Kriterien bei der Kreditvergabe. Und zuletzt das Umlenken der Kapitalflüsse in nachhaltige Investitionen. Der erste Schritt ist dabei mehr Transparenz, denn diese ist vor allem bei dem facettenreichen Thema Nachhaltigkeit auf dem Weg zur Erreichung der Pariser Klimaziele zwingend notwendig. Ein wesentliches Instrument zur Steigerung der Transparenz ist dabei die nichtfinanzielle Berichterstattung. Im April dieses Jahres hat die EU-Kommission den Vorschlag für eine erweiterte Berichtspflicht angenommen. Die Corporate Sustainability Reporting Directive, kurz CSRD, soll die bestehenden Berichtspflichten ändern und verpflichtet deutlich mehr Unternehmen zur Nachhaltigkeitsberichterstattung. Rund 49.000 Unternehmen wären in der EU von der neuen Richtlinie betroffen und zahlreiche Firmen müssten sich deshalb erstmals mit einer Nachhaltigkeitsberichterstattung auseinandersetzen. Die Regelungen sollen nach dem aktuellen Zeitplan ab dem 1. Januar 2024 für das Geschäftsjahr 2023 gelten. Neben der Ausweitung des Kreises der in Bezug auf Nachhaltigkeit berichtspflichtigen Unternehmen, sollen verbindliche europäische Berichtsstandards entwickelt werden, um eine Vereinheitlichung zu erreichen. Für kleine und mittlere Unternehmen (KMU) soll es künftig einen verkürzten Anforderungskatalog geben.

Ergänzend dazu tritt ab dem 1. Januar 2023 auch das Lieferkettensorgfaltspflichtengesetz in Kraft. Dadurch werden die Transparenzanforderungen in Bezug auf die gesamte Lieferkette steigen. Bereits heute schon werden spezifische Nachhaltigkeitsfragebögen von den Originalgeräteherstellern an Lieferanten verschickt, um die Lieferantenstandorte bewerten zu können. In der Folge werden auch nicht direkt von der Gesetzgebung betroffene Unternehmen zu mehr Transparenz aufgefordert, da ansonsten die Gefahr besteht, bei Auftragsausschreibungen keine Berücksichtigung mehr zu finden.

Banken schauen verstärkt auf ESG-Risiken

Neben Abnehmern sind Banken spätestens nach den Veröffentlichungen des BaFin-Merkblatts zum Umgang mit Nachhaltigkeitsrisiken, dem EZB-Leitfaden zu Klima- und Umweltrisiken, sowie den EBA-Guidelines dazu aufgefordert, Nachhaltigkeitsrisiken in den Bereichen Umwelt, Soziales und Unternehmensführung (ESG) stärker in der Risikobewertung von Firmen zu berücksichtigen. Dadurch wird der Informationsbedarf seitens der Kapitalgeber steigen, sowohl auf Eigen- wie auch auf Fremdkapitalseite. Infolgedessen ist zu erwarten, dass Nachhaltigkeitsinformationen von Unternehmen verstärkt in die Geschäftsberichte integriert werden.

Zusammenfassend gilt, dass die spürbare Dynamik bei dem Thema Nachhaltigkeit nicht ignoriert werden sollte. Durch ambitionierte Zeitpläne der Politik, aber auch durch wachsende Anforderungen von Kapitalgebern und der Gesellschaft, steigt der Veränderungsdruck auf Unternehmen hin zu nachhaltigen Geschäftsmodellen. Der damit verbundene Umsetzungsaufwand, beispielsweise durch die Richtlinie zur Nachhaltigkeitsberichterstattung von Unternehmen (CSRD) ist nicht zu unterschätzen und sollte frühzeitig auf die Agenda gesetzt werden. Die kommenden Monate und Jahre werden daher ein Kraftakt für alle Beteiligten; gemeinsam können jedoch große Fortschritte bei der Erreichung der Klimaziele erreicht und die damit verbundenen Chancen individuell genutzt werden.

Kurz vorgestellt

In einer Welt des Wandels begleitet die LBBW als starke Universalbank ihre Kunden bei der Erreichung ihrer Ziele. Zu den traditionellen Stärken der Bank gehören eine sehr enge, persönliche und langfristige Begleitung von Unternehmenskunden und eine besondere Passion für ihre Produkte. Die Pandemie hat die Landesbank und viele Unternehmen dazu veranlasst, zu hinter- fragen, wovon sie sich verabschieden und worauf künftig Wert gelegt werden sollte. Es liegt in der DNA der Unternehmerinnen und Unternehmer, mit neuen Ideen aus der schweren Zeit hervorzugehen und nach vorne zu blicken. Viele Kunden der Bank nehmen die Pandemie zum Anlass, sich noch mehr auf ihre Ziele wie Digitalisierung und Nachhaltigkeit zu fokussieren und ihre Stärken auszubauen. Die LBBW hilft ihren Kunden bei der Erreichung ihrer Ziele und begleitet sie nachhaltig in einer Welt im Wandel: an 18 Standorten weltweit – von New York über London bis Singapur und mit umfassender Expertise in sämtlichen Förderprogrammen der bundesweit 18 Förderinstitute. Viele familiengeführte Unternehmen arbeiten bereits seit Generationen vertrauensvoll mit der LBBW zusammen. So entstehen neue und kreative Lösungen – von digitalen Schuldscheinen, bis zu Green-Finance-Produkten. Die Ergebnisse des „Finance Banken Survey 2021“ zeigen, dass die LBBW die e Kundenbedürfnisse im Blick hat: Die Landesbank wurde zur „Besten Bank bei nachhaltigen Finanzierungen“ und zur „Besten Bank im Service für Firmenkunden“ gewählt.

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