Versicherung & Vorsorge

Deckungslücken vermeiden
Wenn Risiken etablierte Grenzen überschreiten

Björn Albert

Der Auftrag ist abgewickelt, die Ware oder Dienstleistung zur Zufriedenheit des Kunden geliefert oder erbracht. Zu guter Letzt wurde die Rechnung mit einem Zahlungsziel versandt. Schutz vor Forderungsausfall bietet eine Warenkreditversicherung. Der Service der Anbieter ist oft abgerundet mit Bonitätsauskünften und Inkassodienstleistungen – soweit das jahrelange Rundum-Sorglos-Paket.

Bestellerbetrug ist eine Spielart von Wirtschaftskriminalität, mit dem sich Unternehmen immer häufiger auseinandersetzen müssen.

Inzwischen haben sich allerdings die Gegebenheiten in diesem Bereich geändert. Aufgrund neuer technischer Möglichkeiten und juristischer Änderungen gilt es, Risiken wie Bestellerbetrug und Anfechtungsrisiken zu berücksichtigen und je nach Risikosituation abzusichern. Anfechtungsrisiken bestehen, wenn der Insolvenzverwalter eines Unternehmens nach Insolvenz bereits geleistete Zahlungen anficht und zurückfordert. Prominente Beispiele sind Teldafax und Alno. In beiden Fällen wurden von Gläubigern/Lieferanten bereits erhaltene Zahlungen zurückgefordert. Abseits dieser prominenteren Beispiele kommen Anfechtungen häufiger vor, da sie eine für den Insolvenzverwalter attraktive Einnahmequelle bieten. Der in Rede stehende Anfechtungszeitraum kann bis zu vier Jahre umfassen und es können sich im Einzelfall erhebliche Summen ergeben: Unterstellt man eine monatliche Lieferung/Zahlung von 10.000 Euro, kann der Anfechtungsbetrag knapp 500.000 Euro betragen.

Risiko oft nicht in voller Höhe abgedeckt

Anfechtungsrisiken sind vor einigen Jahren aufgrund von Gesetzesänderungen neu entstanden. Insbesondere da im Einzelfall sehr hohe Beträge in Rede stehen können, sind die Risiken in der Warenkreditversicherung häufig nicht in voller Höhe abgedeckt. Vielmehr ist eine Anfechtungsversicherung, sozusagen eine Schwester der Warenkreditversicherung, erforderlich. Die zusätzliche Anfechtungsversicherung bietet üblicherweise höhere Deckungssummen, um dem möglichen kumulierten Risiko Rechnung zu tragen. Darüber hinaus bietet eine Anfechtungsversicherung Hilfe bei der Abwehr unberechtigter Ansprüche und deckt die entstehenden Kosten, die bei externer Beratung entstehen, etwa bei Einschaltung von Rechtsanwälten. Insbesondere für mittelständische Unternehmen ist dieser Service attraktiv.

Beim Bestellerbetrug handelt ein Betrüger unter falschem Namen. Der Täter bestellt Ware, leitet bestellte Ware an einen bisher unbekannten Standort um oder holt bestellte Ware (zumeist in anonymen Fahrzeugen) selbst ab. Die Rechnung geht an den vermeintlich realen Besteller und wird trotz Nachfragen und Mahnungen nicht gezahlt, weil keine Lieferung an den genannten Besteller erfolgte und insofern keine Zahlungspflicht besteht. Bestellerbetrug ist eine Spielart von Wirtschaftskriminalität (Cyber Crime) und ist üblicherweise nicht in der Warenkreditversicherung abgedeckt. Die Kommunikation erfolgt häufig über Mails und/oder Telefon, und der Betrüger hat die notwendigen Informationen, da er das System des Kunden oder Lieferanten gehackt hat.

Schutz bei Bestellerbetrug bietet eine Vertrauensschadenversicherung. Die Vertrauensschadenversicherung ist ein sehr flexibles Instrument und kann je nach Bedarf individuell angepasst werden. Häufig wird der Betrug durch Dritte, beispielsweise Bestellerbetrug, Anweisungsbetrug und ähnliches sowie zusätzlich Schutz bei Betrug durch eigene Mitarbeiter gewählt.

Vorsicht ist besser als Nachsicht

Neben dem reinen Schutz in Form von Versicherungen, den ich je nach Risikosituation empfehle, sind auch die Sensibilisierung der Belegschaft und die Etablierung interner Verhaltensrichtlinien unbedingt anzuraten. Das mögliche Anfechtungsrisiko muss allen mit Schuldnern befassten Personen im Unternehmen bekannt sein. Ein Verhalten, das Grundlage für eine spätere Anfechtung sein könnte, ist unbedingt zu vermeiden. Gleiches gilt für den Bestellerbetrug, der zusätzlich Personen im Verkauf betrifft. Die Identität neuer Kunden sollte unbedingt im persönlichen Gespräch verifiziert werden, ebenso wie neue Lieferanschriften, unerwartete Abholungen ab Werk oder ähnliche Vorkommnisse.

Etablierte Produktgrenzen überschreiten

Die große Herausforderung für viele Unternehmen liegt darin, diese Richtlinien nicht nur zu formulieren, sondern auch in der Praxis anzuwenden. Zur konsequenten Risikovermeidung ist die Umsetzung in der Praxis auch in Stresssituationen wie Urlaubsvertretung, Krankheit, Personalwechsel oder Homeoffice erforderlich, um nur einige Beispiele zu nennen. Eine Kette ist immer nur so gut wie das schwächste Glied. Auch vor diesem Hintergrund empfiehlt die GGW trotz umfassender Richtlinien einen angemessenen Versicherungsschutz mit einer Kombination verschiedener Bestandteile, die etablierte Produktgrenzen überschreiten. Der Makler kann hier umfassend beraten und individuelle Versicherungslösungen erarbeiten. Aufgrund der veränderten Gegebenheiten und des damit generell erhöhten Risikos sollte auf jeden Fall in jedem Unternehmen eine Prüfung der Risikoabdeckung erfolgen, um vor bösen Überraschungen geschützt zu sein.

Kurz vorgestellt

Die GGW Kreditversicherungs-Makler GmbH ist Partner des Mittelstands und als Unternehmen der Gossler, Gobert & Wolters Gruppe Ansprechpartner für Spezialthemen wie Kreditversicherung, Forderungsfinanzierung, Bürgschaften und Garantien sowie Wirtschaftskriminalität. Derzeit ist das Unternehmen in Hamburg, Erkrath (Düsseldorf) und Leipzig vertreten. Spezialisten stehen mit langjähriger nationaler und internationaler Erfahrung zur Verfügung. Damit gehört GGW Kredit zu den führenden Kreditversicherungsmaklern im deutschen Markt. GGW Kredit ist Gründungsmitglied des internationalen Verbands der Kreditversicherungsmakler e.V. (BARDO), der sich für eine qualitativ hochwertige Beratungsleistung der Kreditversicherungsmakler einsetzt. Geleitet wird das Unternehmen vom Gesellschafter-Geschäftsführer Cengiz Horn in Erkrath. Gemeinsam mit Geschäftsführer Björn Albert bietet er maßgeschneiderte Konzepte und berät in allen Fragen des Forderungsmanagements. 

Die GGW-Gruppe ist einer der großen unabhängigen und inhabergeführten Versicherungsmakler in Deutschland. Als Experte für Versicherungs- und Risikomanagement betreut die GGW-Gruppe mit zehn Standorten und internationalem Netzwerk mittelständische Unternehmen aus Industrie, Handel, Gewerbe und den beratenden Berufen in allen Fragen zum Thema Sicherheit, Risiko und Versorgungsmanagement. Die Gruppe ist heute ein Unternehmen der GGW Holding GmbH. Unter diesem Dach haben sich im Februar 2021 neun inhabergeführte, unabhängige Versicherungsmakler am Hauptsitz in Hamburg zusammengeschlossen. Mit über 850 Mitarbeitern gehört GGW damit zu den größten Versicherungsmaklern in Deutschland.

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