Planen & Führen
Die News April 2022

Den Unternehmenswert ermitteln

Bewertungsmethoden im Vergleich

Die Unternehmensnachfolge mit dem Ziel des nachhaltigen Erhalts des Betriebs auch in künftigen Generationen stellt Familienunternehmen vor große Herausforderungen. Dazu zählt auch die Bewertung des Unternehmens.

Dr. Julian Bauer
Lesezeit: ca. 4 Minuten
ASDF_MEDIA / shutterstock.com

Häufig ist bei der Planung der Nachfolge eine Unternehmensbewertung notwendig, beispielsweise als Bemessungsgrundlage für die Erbschafts- und Schenkungssteuer, als Abfindung oder als Ermittlung für Spitzenausgleichszahlungen. Die vom Paragraf 11 des Bewertungsgesetzes (BewG) vorgesehenen vorrangigen Methoden wie Börsenpreis oder vergleichbare Transaktionen sind gerade bei Mittelständlern allerdings im Normalfall nicht anwendbar. Daher enthält das Gesetz eine Öffnungsklausel, für eine Bewertung nach einer im Geschäftsverkehr üblichen Methode nach S 1 des Instituts für Wirtschaftsprüfer oder anhand des steuerlichen vereinfachten Ertragswertverfahrens nach den Paragrafen 199 bis 203 BewG. Dem Steuerpflichtigen wird vom Gesetzgeber hier ein echtes Wahlrecht bezüglich der Bewertungsmethode eingeräumt.

Das vereinfachte Ertragswertverfahren

Das vereinfachte Ertragswertverfahren wurde vom Gesetzgeber eingeführt, um eine Unternehmensbewertung ohne hohen Ermittlungsaufwand und/oder hohe Kosten für einen Gutachter durchzuführen. Unter Bereinigung von außergewöhnlichen, außerordentlichen sowie individuellen ertragsteuerlichen Effekten, wird beim vereinfachten Ertragswertverfahren ein durchschnittlicher Jahresertrag der vergangenen drei Geschäftsjahre ermittelt und mit dem gesetzlichen Kapitalisierungsfaktor in Höhe von 13,75 multipliziert. Das Ergebnis ist der Unternehmenswert für 100 Prozent der Anteile.

Das Verfahren zeichnet sich dadurch aus, dass es selbst durch Laien recht intuitiv durchführbar ist und – auf den ersten Blick – spart man sich auch die Kosten für einen Gutachter. Ebenfalls von Vorteil ist die grundsätzliche Anerkennung des Ergebnisses durch die Finanzverwaltung, solange in der Wertableitung keine offensichtlichen Missverhältnisse beinhaltet sind. Das Verfahren gibt daher eine gewisse Sicherheit im Strukturierungsprozess der Unternehmensnachfolge. Ein vereinfacht abgeleiteter Wert kann den „richtigen“ Wert abbilden; in der Regel ist es aber so, dass branchen- und unternehmensindividuelle Besonderheiten nicht berücksichtigt werden können. Dies ist beispielsweise am einheitlichen Kapitalisierungsfaktor ersichtlich. Systematisch soll dieser das Risiko des Unternehmens widerspiegeln. Dass sämtliche Unternehmen tatsächlich ein identisches Risiko aufweisen, würde jedoch sicher nicht mal der größte Unterstützer des Verfahrens behaupten.

Ein hochriskantes Geschäftsmodell wird im Regelfall weniger wert sein als ein weitgehend sicheres Geschäftsmodell. Die fehlende Berücksichtigung würde beim riskanten Geschäftsmodell folglich zu einem überhöhten Unternehmenswert führen, was sich wiederum in einer höheren Steuerbelastung niederschlägt. Ebenfalls nicht berücksichtigt wird in diesem Verfahren die Tatsache, dass gerade bei mittelständischen Unternehmen der Erfolg maßgeblich durch die Unternehmerpersönlichkeit geprägt ist. Dieser Unternehmerfaktor spiegelt sich daher nicht sachgerecht im Unternehmenswert wider. Die Absicht, Kosten für Gutachter zu sparen, kann so schnell zum Bumerang werden.

Die Bewertung nach IDW S 1

Die Bewertung nach IDW S 1 erfolgt durch Anwendung des Ertragswert- oder der Discounted-Cashflow-Verfahren („WACC- oder APV-Verfahren“). Allen Verfahren ist gemein, dass der Unternehmenswert durch Berechnung des Kapitalwerts der künftigen Cashflows ermittelt wird. Eine Bewertung nach IDW S 1 wirkt häufig auf kleinere und mittelständische Unternehmen zunächst abschreckend. Sie gilt vermeintlich als langwierig, kompliziert und es besteht keine Garantie, dass das Finanzamt dem Wertansatz unwidersprochen folgt. Diese Bedenken sind unserer Erfahrung nach unbegründet.

Die integrierte Unternehmensplanung

Die Unternehmenswerte sind nach IDW S 1 zukunftsorientiert abzuleiten. Grundlage für die Bewertung sind die finanziellen Überschüsse, die den Kapitalgebern zukünftig zufließen werden. Um diese sogenannten ausschüttbaren Ergebnisse zu ermitteln, bedarf es einer integrierten Unternehmensplanung bestehend aus Ertrags-, Bilanz- und Finanzplanung.

Da in kleineren Unternehmen regelmäßig keine (detaillierte) Planung vorliegt, wirkt diese Anforderung oft abschreckend. Aber auch wenn keine zahlenmäßig dokumentierte Planung vorhanden ist, zeigt die Erfahrung, dass die Unternehmer ihr Unternehmen, ihr Geschäftsmodell und die Branchenentwicklung sehr gut kennen. Im Zusammenspiel mit dem Berater, der über die technischen Hilfsmittel zur Planungserstellung verfügt, kann daher die integrierte Unternehmensplanung schnell, individuell und zweckmäßig aufgestellt werden.

Die Ableitung der Kapitalkosten

Die Ableitung der Kapitalkosten, mit welchen die finanziellen Überschüsse diskontiert werden, ist ein umfassender Bestandteil jeder Unternehmensbewertung nach IDW S 1. Die Ableitung erfolgt regelmäßig nach dem sogenannten „Capital Asset Pricing Model (CAPM)“, das heißt kapitalmarktorientiert. Bei kleineren und mittelständischen Unternehmen ist dies nicht direkt umsetzbar, da sie selbst nicht börsennotiert sind und beispielsweise aufgrund der Tätigkeit in Nischenmärkten auch keine börsennotierten Unternehmen vorliegen, deren Geschäftsmodell mit dem zu bewertenden Unternehmen vergleichbar ist. Aber auch hier kann der Berater, aufgrund eines Zugangs zu notwendigen Datenbanken und auch aufgrund seiner Erfahrung die Kapitalkosten methodisch sauber ableiten, sodass die unternehmensindividuellen Risikomerkmale sachgerecht berücksichtigt werden.

Zusammenfassend kann man sagen, dass eine Bewertung nach IDW S 1 durchaus Vorteile gegenüber dem steuerlichen vereinfachten Ertragswertverfahren bietet. Ziel ist es, keine besonders komplexe, sondern eine den Anforderungen entsprechende Wertermittlung durchzuführen. Insbesondere durch die Berücksichtigung der branchen- und unternehmensindividuellen Besonderheiten ist eine sachgerechte und zugleich steuerlich schonende Bewertung überhaupt erst möglich.

Kurz vorgestellt

Als eine der großen unabhängigen mittelständischen Wirtschaftsprüfungs- und Steuerberatungsgesellschaften in Baden-Württemberg betreut BW Partner seine Mandanten rund um die Themen Wirtschaftsprüfung und Steuerberatung. Mit elf Partnern und rund 320 Mitarbeitern innerhalb des Netzwerks, davon über 90 Wirtschaftsprüfer, Steuerberater und Rechtsanwälte, ist eine umfassende fachliche Betreuung gewährleistet. Bei BW Partner heißt Beratung, neue Denkansätze zu entwickeln, Möglichkeiten zu erkennen und konsequent umzusetzen – und dabei konkrete Handlungsempfehlungen zu geben. Mit diesem Selbstverständnis beraten die Experten Gesellschaften und die dahinterstehenden Eigentümerfamilien mit hohem Verantwortungsbewusstsein, aber auch mit einer gehörigen Portion Intuition, um bestehende Möglichkeiten zu nutzen. „Da wir überwiegend Familienunternehmen betreuen, ist für die umfassende Beratung der persönliche Kontakt zu unseren Mandanten für uns sehr wichtig“, sagt Dr. Julian Bauer, Partner bei der Gesellschaft. So haben die Mandanten nicht nur Zugang zu den Experten der jeweiligen Disziplin, sondern immer auch einen Partner als direkten Ansprechpartner an ihrer Seite.

www.bw-partner.com

Dieser Artikel ist erschienen in